(Kiel) Mit Urteil vom 13. Janu­ar 2015 (IX R 1314) hat der IX. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) ent­schie­den, dass Aus­gleichs­zah­lun­gen aus der Auf­lö­sung von Zins­swap-Geschäf­ten nicht zu Ein­nah­men aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung füh­ren, obwohl die Zins­swaps ursprüng­lich zur Begren­zung des Risi­kos in die Finan­zie­rung der Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten der ver­mie­te­ten Immo­bi­lie durch varia­ble Dar­le­hen ein­be­zo­gen waren.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 29.04.2015 zu dem Urteil.

Die Klä­ge­rin, eine ver­mö­gens­ver­wal­ten­de Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, erziel­te u.a. Ein­künf­te aus der Ver­mie­tung von Immo­bi­li­en. Die Anschaf­fungs­kos­ten der ver­mie­te­ten Objek­te wur­den zum Teil über Dar­le­hen mit varia­blem Zins­satz finan­ziert. Zur Absi­che­rung des Risi­kos stei­gen­der Zin­sen schloss die Klä­ge­rin mit den dar­le­hens­ge­wäh­ren­den Ban­ken sog. Zins­swaps ab. Zins­swaps sind Finanz­ter­min­ge­schäf­te, bei denen zwei Par­tei­en Ver­ein­ba­run­gen über den regel­mä­ßi­gen Aus­tausch varia­bler und fixer Zins­zah­lun­gen über einen ver­ein­bar­ten Nomi­nal­be­trag für eine bestimm­te Lauf­zeit tref­fen.

Die den Zins­swaps zu Grun­de lie­gen­den Ver­trä­ge waren auf die Finan­zie­rung der jewei­li­gen Immo­bi­lie abge­stimmt. Im Jahr 2007 (Streit­jahr) und damit außer­halb der gesetz­li­chen Ver­äu­ße­rungs­frist von einem Jahr lös­te die Klä­ge­rin die zu die­sem Zeit­punkt bestehen­den Zins­swaps durch ein­sei­ti­ge Kün­di­gungs­er­klä­rung gegen­über der jeweils ande­ren Ver­trags­par­tei auf; durch die Been­di­gung der Finanz­ter­min­ge­schäf­te flos­sen der Klä­ge­rin Aus­gleichs­zah­lun­gen in Höhe von 2.306.000 € zu. Die zur Finan­zie­rung der Anschaf­fungs­kos­ten der ver­mie­te­ten Objek­te auf­ge­nom­me­nen Dar­le­hen blie­ben unver­än­dert bestehen; sie wur­den ins­be­son­de­re auch nicht durch die Aus­gleichs­zah­lun­gen ganz oder teil­wei­se getilgt.

Die Klä­ge­rin war der Auf­fas­sung, dass die Aus­gleichs­zah­lun­gen, die sie aus den ver­schie­de­nen Zins­swap-Geschäf­ten erzielt hat­te, als außer­halb der Ver­äu­ße­rungs­frist getä­tig­te (und daher nicht steu­er­ba­re) sog. „pri­va­te Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te“ i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes in der für das Streit­jahr gel­ten­den Fas­sung (EStG a.F.) ein­kom­men­steu­er­lich nicht zu erfas­sen sei­en. Das Finanz­amt ver­trat dem­ge­gen­über die Mei­nung, dass die Zah­lun­gen den Ein­künf­ten der Klä­ge­rin aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung (§ 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes -EStG-) zuzu­rech­nen sei­en, weil die den Ein­nah­men zu Grun­de lie­gen­den Siche­rungs­ge­schäf­te im Zusam­men­hang mit der Finan­zie­rung von Anschaf­fungs­kos­ten fremd­ver­mie­te­ter Immo­bi­li­en­ob­jek­te gestan­den hät­ten.

Der BFH gab der Klä­ge­rin recht. Der in § 21 EStG gere­gel­te Steu­er­tat­be­stand der „Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung“ erfas­se nur das zeit­lich begrenz­te Über­las­sen einer Immo­bi­lie zur Nut­zung; hier­zu im Gegen­satz ste­he der in § 23 EStG als „pri­va­te Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te“ gere­gel­te Ver­äu­ße­rungs­vor­gang, der als Ver­fü­gung auf den Bestand eines Rechts unmit­tel­bar ein­wir­ke. Bei­de Rege­lun­gen schlös­sen sich gegen­sei­tig aus. Im Streit­fall waren die der Klä­ge­rin zuge­flos­se­nen Aus­gleichs­zah­lun­gen kein Ent­gelt für eine Nut­zungs­über­las­sung, son­dern allein durch die Been­di­gung des mit den Zins­swaps ver­trag­lich erwor­be­nen Rechts auf die Aus­gleichs­zah­lun­gen ver­an­lasst. Die Aus­übung des Kün­di­gungs­rechts durch die Klä­ge­rin stel­le eine Ver­fü­gung über den Bestand des Rechts dar, der von Geset­zes wegen einer Ver­äu­ße­rung gleich­ge­stellt sei und nur unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 23 EStG der Besteue­rung unter­lie­ge. Da die­se Vor­aus­set­zun­gen wegen des Über­schrei­tens der in § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG a.F. gere­gel­ten Ver­äu­ße­rungs­frist nicht erfüllt waren, muss­te die Klä­ge­rin die ver­ein­nahm­ten Aus­gleichs­zah­lun­gen nicht ver­steu­ern. Nach geän­der­ter Rechts­la­ge sind Ein­nah­men aus Zins­swaps ab 1. Janu­ar 2009 ohne Berück­sich­ti­gung von Ver­äu­ße­rungs­fris­ten als Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen steu­er­pflich­tig.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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