(Kiel) Erhält ein Steu­er­pflich­ti­ger von sei­ner gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se eine Prä­mie, die auf einem Wahl­ta­rif gemäß § 53 Abs. 1 des Fünf­ten Buchs Sozi­al­ge­setz­buch (SGB V) beruht, min­dern sich die als Son­der­aus­ga­ben abzieh­ba­ren Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Pres­se­mit­te­lung des BFH vom 5.09.2018 zu sei­nem Urteil vom 6. Juni 2018 – Az. X R 4117.

Seit April 2007 haben die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen die Mög­lich­keit, ihren Ver­si­cher­ten sog. Wahl­ta­ri­fe, d.h. Selbst­be­hal­tungs­ta­ri­fe in begrenz­ter Höhe oder Kos­ten­er­stat­tungs­ta­ri­fe anzu­bie­ten. Im Streit­fall hat­te der Klä­ger einen Wahl­ta­rif mit Selbst­be­hal­ten gewählt, auf­grund des­sen er eine Prä­mie je Kalen­der­jahr bis zur Höhe von 450 € erhal­ten konn­te. Die von ihm im Gegen­zug zu tra­gen­den Selbst­be­hal­te waren auf 550 € begrenzt, so dass er sei­ner Kran­ken­kas­se in dem für ihn ungüns­tigs­ten Fall wei­te­re 100 € zu zah­len hat­te. Im Streit­jahr 2014 erhielt der Klä­ger eine Prä­mie von 450 €, die er bei den von ihm gel­tend gemach­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen nicht berück­sich­tig­te. Das Finanz­amt sah in der Prä­mi­en­zah­lung eine Bei­trags­rück­erstat­tung und setz­te dem­entspre­chend gerin­ge­re Son­der­aus­ga­ben gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchst. a Satz 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes an. Ein­spruch und Kla­ge des Klä­gers blie­ben ohne Erfolg.

Der BFH bestä­tig­te das finanz­ge­richt­li­che Urteil. Danach ist die Prä­mi­en­zah­lung nach § 53 Abs. 1 SGB V eine Bei­trags­rück­erstat­tung, die die Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen min­dert. Der BFH begrün­det dies damit, dass sich die wirt­schaft­li­che Belas­tung des Steu­er­pflich­ti­gen redu­zie­re. Die­se sei wesent­li­che Vor­aus­set­zung für den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug.

Die Prä­mie ist damit anders zu behan­deln als Bonus­leis­tun­gen, die gesetz­li­che Kran­ken­kas­sen ihren Mit­glie­dern zur För­de­rung gesund­heits­be­wuss­ten Ver­hal­tens gemäß § 65a SGB V gewäh­ren. Die­se min­dern die als Son­der­aus­ga­ben abzieh­ba­ren Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge nicht (BFH-Urteil vom 1. Juni 2016 X R 1715, BFHE 254, 111, BSt­Bl II 2016, 989). Den Unter­schied sieht der BFH dar­in, dass der Bonus eine Erstat­tung der vom Ver­si­cher­ten selbst getra­ge­nen gesund­heits­be­zo­ge­nen Auf­wen­dun­gen ist und damit nicht im unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit den Bei­trä­gen zur Erlan­gung des Basis­kran­ken­ver­si­che­rungs­schut­zes steht. Dem­ge­gen­über beru­he die Prä­mie auf der Über­nah­me des Risi­kos, der Kran­ken­kas­se ggf. wei­te­re, jedoch der Höhe nach begrenz­te Bei­trags­zah­lun­gen leis­ten zu müs­sen.

Die Beur­tei­lung der Prä­mie ent­spricht damit der einer Bei­trags­rück­erstat­tung einer pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung. In bei­den Fäl­len erhält der Ver­si­cher­te eine Zah­lung von sei­ner Kran­ken­kas­se, da die­se von ihm nicht oder in einem gerin­ge­ren Umfang in Anspruch genom­men wur­de. Dadurch wer­den im Ergeb­nis sei­ne Bei­trags­zah­lun­gen redu­ziert. Im Fal­le der Bei­trags­er­stat­tun­gen erkauft der Ver­si­cher­te dies mit selbst getra­ge­nen Krank­heits­kos­ten; im streit­ge­gen­ständ­li­chen Wahl­ta­rif ist der Preis des Klä­gers das Risi­ko, wei­te­re Zah­lun­gen in Höhe von maxi­mal 100 € erbrin­gen zu müs­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
Pas­sau, Nie­mey­er & Col­le­gen
Walk­er­damm 1
24103 Kiel
Tel: 0431 – 974 3010
Fax: 0431 – 974 3055
Email: info@duv-verband.de
www.duv-verband.de