(Kiel) Ist ein Bau­trä­ger rechts­ir­rig davon aus­ge­gan­gen, als Leis­tungs­emp­fän­ger Steu­er­schuld­ner für von ihm bezo­ge­ne Bau­leis­tun­gen zu sein, kann er das Ent­fal­len die­ser rechts­wid­ri­gen Besteue­rung ohne Ein­schrän­kung gel­tend machen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof damit eine Ver­wal­tungs­an­wei­sung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen (BMF).

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Pres­se­mit­te­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 14.11.2018 zu sei­nem Urteil vom 27. Sep­tem­ber 2018 — V R 4917.

Die Ent­schei­dung des BFH betrifft nahe­zu die gesam­te Bau­trä­ger­bran­che, die in der Ver­gan­gen­heit Woh­nun­gen ohne Vor­steu­er­ab­zug errich­tet und umsatz­steu­er­frei ver­kauft (“gelie­fert”) hat. Die Finanz­ver­wal­tung ist hier über einen mehr­jäh­ri­gen Zeit­raum bis zum Febru­ar 2014 davon aus­ge­gan­gen, dass die­se Bau­trä­ger Steu­er­schuld­ner für die von ihnen bezo­ge­nen Bau­leis­tun­gen sei­en. Die­se Ver­wal­tungs­pra­xis hat­te der BFH mit einem im Novem­ber 2013 ver­öf­fent­lich­ten Urteil ver­wor­fen (Pres­se­mit­tei­lung Nr. 80 vom 27. Novem­ber 2013). Vor­der­grün­dig eröff­ne­te sich dadurch die Mög­lich­keit eines Woh­nungs­baus ohne Umsatz­steu­er­be­las­tung: Bau­un­ter­neh­mer konn­ten im Hin­blick auf die aus­drück­li­che Wei­sungs­la­ge der Finanz­ver­wal­tung dar­auf ver­trau­en, die von ihnen erbrach­ten Bau­leis­tun­gen nicht ver­steu­ern zu müs­sen — der Bau­trä­ger war ent­ge­gen der Annah­me der Finanz­ver­wal­tung nach der BFH-Recht­spre­chung von vorn­her­ein kein Steu­er­schuld­ner.

Der Gesetz­ge­ber hat hier­auf im Jahr 2014 mit einer Neu­re­ge­lung reagiert, die seit­dem die Steu­er­schuld­ner­schaft im Bau­be­reich ein­deu­tig regelt. Zudem wur­de der Ver­trau­ens­schutz beim Bau­un­ter­neh­mer für die Ver­gan­gen­heit gesetz­lich ein­ge­schränkt. Letz­te­res hat der BFH bereits im Wesent­li­chen gebil­ligt (Pres­se­mit­tei­lung Nr. 20 vom 5. April 2017).

Unge­klärt war bis­lang, ob die Finanz­ver­wal­tung zur Ver­hin­de­rung von Steu­er­aus­fäl­len, die in ein­stel­li­ger Mil­li­ar­den­hö­he befürch­tet wer­den, berech­tigt ist, Erstat­tungs­ver­lan­gen der Bau­trä­ger für Leis­tungs­be­zü­ge bis zum Febru­ar 2014 nur nach­zu­kom­men, wenn der Bau­trä­ger Umsatz­steu­er an den leis­ten­den Bauun-ter­neh­mer nach­zahlt oder für die Finanz­ver­wal­tung eine Auf­rech­nungs­mög­lich­keit gegen den Bau­trä­ger besteht (so BMF-Schrei­ben vom 26. Juli 2017, BSt­Bl I 2017, 1001, Rz 15a). Die­se Ein­schrän­kun­gen sind nach dem Urteil des BFH rechts­wid­rig.

Zen­tra­le Streit­fra­ge war dabei, ob der Bau­trä­ger treu­wid­rig han­delt, wenn er von sei­nem Finanz­amt die Rück­gän­gig­ma­chung der bei ihm rechts­wid­rig vor­ge­nom­me­nen Besteue­rung ver­langt, ohne Umsatz­steu­er an die Bau­un­ter­neh­mer zu zah­len, von denen er Bau­leis­tun­gen bezo­gen hat. Dies ver­neint der BFH. Die Annah­me eines treu­wid­ri­gen Urteils kommt danach nicht in Betracht, wenn die Finanz­ver­wal­tung auf­grund einer recht­li­chen Fehl­be­ur­tei­lung die ent­schei­den­de Ursa­che für eine unzu­tref­fen­de Besteue­rung gesetzt hat.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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