(Kiel) Eine Rech­nung muss für den Vor­steu­er­ab­zug eine Anschrift des leis­ten­den Unter­neh­mers ent­hal­ten, unter der er pos­ta­lisch erreich­bar ist. Wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) unter Auf­ga­be sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ent­schie­den hat, ist es nicht mehr erfor­der­lich, dass die Rech­nung wei­ter­ge­hend einen Ort angibt, an dem der leis­ten­de Unter­neh­mer sei­ne Tätig­keit aus­übt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Pres­se­mit­te­lung des BFH vom 1.08.2018 zu sei­nen Urtei­len vom 21. Juni 2018 — V R 2515 und V R 2816.

Bei der Umsatz­steu­er setzt der Vor­steu­er­ab­zug aus Leis­tungs­be­zü­gen ande­rer Unter­neh­mer eine Rech­nung vor­aus, die –neben ande­ren Erfor­der­nis­sen– die voll­stän­di­ge Anschrift des leis­ten­den Unter­neh­mers angibt (§ 15 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 i.V.m. § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 des Umsatz­steu­er­ge­set­zes).

Im ers­ten Fall (V R 2515) erwarb der Klä­ger, ein Auto­händ­ler, Kraft­fahr­zeu­ge von einem Ein­zel­un­ter­neh­mer, der “im Online­han­del” tätig war, ohne dabei ein “Auto­haus” zu betrei­ben. Er erteil­te dem Klä­ger Rech­nun­gen, in denen er als sei­ne Anschrift einen Ort angab, an dem er pos­ta­lisch erreich­bar war.

Im zwei­ten Fall (V R 2816) bezog die Klä­ge­rin als Unter­neh­mer in neun Ein­zel­lie­fe­run­gen 200 Ton­nen Stahl­schrott von einer GmbH. In den Rech­nun­gen war der Sitz der GmbH ent­spre­chend der Han­dels­re­gis­ter­ein­tra­gung als Anschrift ange­ge­ben. Tat­säch­lich befan­den sich dort die Räum­lich­kei­ten einer Anwalts­kanz­lei. Die von der GmbH für die Kor­re­spon­denz genutz­te Fest­netz- und Fax­num­mer gehör­ten der Kanz­lei, die als Domi­zil­adres­se für etwa 15 bis 20 Fir­men dien­te. Ein Schreib­tisch in der Kanz­lei wur­de gele­gent­lich von einem Mit­ar­bei­ter der GmbH genutzt.

Der BFH bejah­te in bei­den Fäl­len den Vor­steu­er­ab­zug mit ord­nungs­ge­mä­ßen Rech­nun­gen. Für die Anga­be der “voll­stän­di­gen Anschrift” des leis­ten­den Unter­neh­mers rei­che die Anga­be eines Ortes mit “pos­ta­li­scher Erreich­bar­keit” aus. Die Recht­spre­chungs­än­de­rung beruht auf dem Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on Geis­sel und Butin vom 15. Novem­ber 2017 C 37416 und C 37516, EU:C:2017:867, das auf Vor­la­ge durch den BFH ergan­gen ist.

Die Recht­spre­chungs­än­de­rung ist für Unter­neh­mer, die nach ihrer Geschäfts­tä­tig­keit zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tigt sind, von gro­ßer Bedeu­tung. Die Fra­ge, ob bei der Inan­spruch­nah­me des Vor­steu­er­ab­zugs ord­nungs­ge­mä­ße Rech­nun­gen vor­lie­gen, ist bei ihnen regel­mä­ßig Streit­punkt in Außen­prü­fun­gen. Die neu­en Urtei­le des BFH erleich­tern die Inan­spruch­nah­me des Vor­steu­er­ab­zugs.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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