(Kiel) Trägt ein pri­vat kran­ken­ver­si­cher­ter Steu­er­pflich­ti­ger sei­ne Krank­heits­kos­ten selbst, um dadurch die Vor­aus­set­zun­gen für eine Bei­trags­er­stat­tung zu schaf­fen, kön­nen die­se Kos­ten nicht als Bei­trä­ge zu einer Ver­si­che­rung i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchst. a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) steu­er­lich abge­zo­gen wer­den.

Mit dem Urteil vom 29. Novem­ber 2017 – Az. X R 316, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Pres­se­mit­te­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 11.04.2018, führ­te der Bun­des­fi­nanz­hof sei­ne Recht­spre­chung zur inso­weit ver­gleich­ba­ren Kos­ten­tra­gung bei einem sog. Selbst­be­halt fort.

Im Urteils­fall hat­ten der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau Bei­trä­ge an ihre pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­run­gen zur Erlan­gung des Basis­ver­si­che­rungs­schut­zes gezahlt. Um in den Genuss von Bei­trags­er­stat­tun­gen zu kom­men, hat­ten sie ange­fal­le­ne Krank­heits­kos­ten selbst getra­gen und nicht bei ihrer Kran­ken­ver­si­che­rung gel­tend gemacht. In der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung kürz­te der Klä­ger zwar die Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, die als Son­der­aus­ga­ben ange­setzt wer­den kön­nen, um die erhal­te­nen Bei­trags­er­stat­tun­gen, min­der­te die­se Erstat­tun­gen aber vor­her um die selbst getra­ge­nen Krank­heits­kos­ten, da er und sei­ne Ehe­frau inso­weit wirt­schaft­lich belas­tet sei­en. Weder das Finanz­amt noch das Finanz­ge­richt folg­ten sei­ner Auf­fas­sung.

Der BFH sah das eben­so. Es könn­ten nur die Aus­ga­ben als Bei­trä­ge zu Kran­ken­ver­si­che­run­gen abzieh­bar sein, die im Zusam­men­hang mit der Erlan­gung des Ver­si­che­rungs­schut­zes stün­den und letzt­lich der Vor­sor­ge dien­ten. Daher hat­te der BFH bereits ent­schie­den, dass Zah­lun­gen auf­grund von Selbst- bzw. Eigen­be­tei­li­gun­gen an ent­ste­hen­den Kos­ten kei­ne Bei­trä­ge zu einer Ver­si­che­rung sind (z.B. Urteil vom 1. Juni 2016 X R 4314, BFHE 254, 536, BSt­Bl II 2017, 55). Zwar wer­de bei den selbst getra­ge­nen Krank­heits­kos­ten nicht — wie beim Selbst­be­halt — bereits im Vor­hin­ein ver­bind­lich auf einen Ver­si­che­rungs­schutz ver­zich­tet, viel­mehr kön­ne man sich bei Vor­lie­gen der kon­kre­ten Krank­heits­kos­ten ent­schei­den, ob man sie selbst tra­gen wol­le, um die Bei­trags­er­stat­tun­gen zu erhal­ten. Dies ände­re aber nichts dar­an, dass in bei­den Kon­stel­la­tio­nen der Ver­si­cher­te die Krank­heits­kos­ten nicht tra­ge, um den Ver­si­che­rungs­schutz „als sol­chen“ zu erlan­gen.

Ob die Krank­heits­kos­ten als ein­kom­mens­min­dern­de außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen gemäß § 33 EStG anzu­er­ken­nen sei­en, muss­te der BFH nicht ent­schei­den: Da die Krank­heits­kos­ten der Klä­ger die sog. zumut­ba­re Eigen­be­las­tung des § 33 Abs. 3 EStG wegen der Höhe ihrer Ein­künf­te nicht über­stie­gen, kam bereits aus die­sem Grun­de ein Abzug nicht in Betracht.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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