(Kiel) Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz (FG) hat ent­schie­den, dass ein Steu­er­pflich­ti­ger – auch wenn er aus beruf­li­chen Grün­den zwei Woh­nun­gen hat – kei­ne zwei Arbeits­zim­mer gel­tend machen kann. Wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung wur­de jedoch die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof – BFH – zuge­las­sen

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz (FG) vom 20.04.2015 zu sei­nem Urteil vom 25. Febru­ar 2015 (2 K 159513).

Die Klä­ger sind ver­hei­ra­tet und haben einen Wohn­sitz in Rhein­land-Pfalz und einen Wohn­sitz in Thü­rin­gen. Der Klä­ger ist sowohl selb­stän­dig tätig (Semi­na­re und Fort­bil­dungs­kur­se für Steu­er­be­ra­ter) als auch – in Thü­rin­gen – nicht­selb­stän­dig tätig. In der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für das Streit­jahr 2009 mach­te der Klä­ger Kos­ten für zwei Arbeits­zim­mer (ins­ge­samt 2.575 €) als Betriebs­aus­ga­ben gel­tend, mit der Begrün­dung, er benö­ti­ge in jeder der bei­den Woh­nun­gen ein Arbeits­zim­mer für sei­ne selb­stän­di­ge Tätig­keit. Das beklag­te Finanz­amt erkann­te nur ein Arbeits­zim­mer und nur Kos­ten in Höhe von 1.250 € an. Ein­spruchs- und Kla­ge­ver­fah­ren der Klä­ger waren erfolg­los.

Mit (noch nicht rechts­kräf­ti­gem) Urteil vom 25. Febru­ar 2015 (2 K 159513) schloss sich das FG Rhein­land-Pfalz der Auf­fas­sung des beklag­ten Finanz­am­tes an.

Zur Begrün­dung führ­te das FG im Wesent­li­chen Fol­gen­des aus: Im Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (EStG) sei gere­gelt, dass Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nur unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen und auch dann meis­tens nur beschränkt auf den Höchst­be­trag von 1.250 € abzugs­fä­hig sei­en. Nur aus­nahms­wei­se, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­de, könn­ten die Kos­ten unbe­schränkt abge­zo­gen wer­den. Letz­te­res sei beim Klä­ger nicht der Fall, da er sei­ne Vor­trags­tä­tig­keit (Semi­na­re, Fort­bil­dun­gen usw.) außer­halb sei­nes Arbeits­zim­mers durch­füh­re. Des­halb kön­ne er die Auf­wen­dun­gen nur beschränkt auf den Höchst­be­trag von 1.250 € abzie­hen. Die­ser Höchst­be­trag sei (auch nach Mei­nun­gen in der juris­ti­schen Fach­li­te­ra­tur) per­so­nen- und objekt­be­zo­gen. Daher kön­ne er auch nur ein­mal jähr­lich (und nicht zwei- oder mehr­fach) gewährt wer­den. Es kom­me zwar vor, dass Steu­er­pflich­ti­ge in einem Ver­an­la­gungs­zeit­raum nach­ein­an­der oder auch zeit­gleich ver­schie­de­ne Arbeits­zim­mer nut­zen wür­den, z.B. wegen eines Umzugs oder wenn jemand – wie die Klä­ger – zur glei­chen Zeit zwei Woh­nun­gen habe. Ein Steu­er­pflich­ti­ger kön­ne zwei Arbeits­zim­mer aber nie­mals zeit­gleich nut­zen. Daher kön­ne der Höchst­be­trag (1.250 €) selbst in die­sen Fäl­len nur ein­mal und nicht mehr­fach gewährt wer­den. Der Gesetz­ge­ber habe die Abzugs­be­schrän­kung nur für den Fall auf­ge­ho­ben, dass das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­de. Ande­re Fall­ge­stal­tun­gen (Umzug, dop­pel­te Haus­halts­füh­rung usw.) soll­ten nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers nicht dazu füh­ren, dass der Abzugs­rah­men (1.250 €) über­schrit­ten oder mehr­fach aus­ge­schöpft wer­den kön­ne. Dass der Höchst­be­trag per­so­nen- und objekt­be­zo­gen sei, kön­ne sich übri­gens auch zu Guns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen aus­wir­ken. So habe der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) z.B. ent­schie­den, dass auch einem Steu­er­pflich­ti­gen, der nur für bestimm­te Mona­te (also nicht ganz­jäh­rig) ein Arbeits­zim­mer habe, der vol­le (unge­kürz­te) Höchst­be­trag zuste­he. Das FG ließ die Revi­si­on zu, weil höchst­rich­ter­lich bis­her nicht geklärt sei, ob ein Steu­er­pflich­ti­ger, der in jedem sei­ner bei­den Haus­hal­te ein Arbeits­zim­mer nut­ze, den Höchst­be­trag (1.250 €) ein­mal oder zwei­mal zum Abzug brin­gen kön­ne.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

 

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Jörg Pas­sau
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