(Kiel) Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz hat ent­schie­den, dass Anlie­ger­bei­trä­ge zum Aus­bau von Geh­we­gen und Stra­ßen­be­leuch­tung kei­ne sog. „haus­halts­na­hen Hand­wer­ker­leis­tun­gen“ im Sin­ne des § 35a Abs. 3 EStG beinhal­ten und daher zu kei­ner Steu­er­ermä­ßi­gung füh­ren.

Dar­auf ver­weist Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 13.12.2017 zu sei­nem Urteil vom 18. Okto­ber 2017 (1 K 165017).

Die Klä­ge­rin ist Eigen­tü­me­rin eines Grund­stücks im Land­kreis Cochem-Zell und muss­te im Streit­jahr 2015 Vor­aus­leis­tun­gen auf wie­der­keh­ren­de Bei­trä­ge für den Aus­bau von Geh­we­gen und Stra­ßen­be­leuch­tun­gen zah­len (rd. 8.700 €). Den in den Bei­trä­gen ent­hal­te­nen Lohn­an­teil schätz­te sie auf 5.266 € und mach­te die­sen Betrag in ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung als haus­halts­na­he Hand­wer­ker­leis­tung i.S.d. § 35a EStG gel­tend. Das beklag­te Finanz­amt ver­sag­te die bean­trag­te Steu­er­ermä­ßi­gung, was nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz aus fol­gen­den Grün­den zutref­fend war:

Zwar kön­ne auch die öffent­li­che Hand steu­er­be­güns­tig­te Leis­tun­gen nach § 35a EStG erbrin­gen. Außer­dem sei inzwi­schen aner­kannt, dass eine „haus­halts­na­he“ Leis­tung nicht nur dann vor­lie­ge, wenn sie im umschlos­se­nen Wohn­raum oder bis zur Gren­ze des zum Haus­halt gehö­ren­den Grund­stück erbracht wer­de. Der Begriff „im Haus­halt“ müs­se viel­mehr räum­lich-funk­tio­nal aus­ge­legt wer­den und kön­ne auch Berei­che jen­seits der Grund­stücks­gren­zen umfas­sen. Nicht aus­rei­chend sei aller­dings, dass die Leis­tung (nur) „für“ den Haus­halt erbracht wer­de. Ein sol­cher Fall lie­ge hier vor, weil das Grund­stück bereits erschlos­sen bzw. an das öffent­li­che Stra­ßen­netz ange­schlos­sen sei und die Anlie­ger­bei­trä­ge nur für die Her­stel­lung der Geh­we­ge und Stra­ßen­lam­pen erho­ben wür­den. Sol­che Ein­rich­tun­gen dien­ten der All­ge­mein­heit unab­hän­gig vom Haus­halt der Klä­ge­rin. Dies bele­ge nicht zuletzt der Umstand, dass der Geh­weg nicht vor dem Wohn­haus der Klä­ge­rin, son­dern nur auf der gegen­über­lie­gen­den Stra­ßen­sei­te aus­ge­baut wor­den sei. Damit feh­le der erfor­der­li­che räum­lich-funk­tio­na­le Zusam­men­hang der Maß­nah­me mit dem Haus­halt der Klä­ge­rin.

  • Kon­text der Ent­schei­dung:

Gegen­stand der Ent­schei­dung sind v.a. die Rechts­grund­sät­ze, die zu der Fra­ge ent­wi­ckelt wur­den, ob bzw. unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen außer­halb der Grund­stücks­gren­ze erbrach­te Dienst- oder Hand­wer­ker­leis­tun­gen noch als „haus­halts­nah“ qua­li­fi­ziert wer­den kön­nen.

Das Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zun­gen wur­de z.B. in fol­gen­den Ent­schei­dun­gen bejaht bzw. ver­neint:

  • BFH-Urteil vom 20. März 2014 VI R 56/12, BSt­Bl II 2014, 1152 (Anschluss des  Haus­halts an das öffent­li­che Ver­sor­gungs­netz im öffent­li­chen Stra­ßen­raum: Ja)
  • Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 6. Juli 2016 1 K 1252/16, EFG 2016, 1350 (Bezie­hen eines zum Haus­halt gehö­ren­den Pols­ter­mö­bels in der Werk­statt des Raum­aus­stat­ters: Nein)
  • Finanz­ge­richt Nürn­berg, Urteil vom 24. Juni 2015 7 K 1356/14, EFG 2016, 294 (Erneue­rung der bereits vor­han­den öffent­li­chen Stra­ße vor dem Grund­stück des Steu­er­pflich­ti­gen: Ja)
  • Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 15. April 2015 11 K 11018/15, DSt­RE 2016, 273 (Aus­bau einer bereits vor­han­de­nen Stra­ße: Nein)
  • Säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 12. Novem­ber 2015 8 K 194/15, EFG 2016, 1952 (Her­stel­lung einer für den Anschluss an die öffent­li­che Abwas­ser­ver­sor­gung erfor­der­li­chen Misch­was­ser­lei­tung auf öffent­li­chem Grund: Ja; Revi­si­on vom BFH zuge­las­sen und unter dem Akten­zei­chen VI R 1816 noch anhän­gig)

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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