(Kiel) Wer die degres­si­ve Gebäu­de-AfA in Anspruch genom­men hat, kann nicht nach­träg­lich zur AfA nach der tat­säch­li­chen Nut­zungs­dau­er über­ge­hen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Pres­se­mit­te­lung des BFH vom 11.07.2018 zu sei­nem Urteil vom 29. Mai 2018 – Az. IX R 3316.

Bei der degres­si­ven AfA han­delt es sich um die Abschrei­bung der Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten eines Wirt­schafts­guts nach fal­len­den Staf­fel­sät­zen. Die­se belie­fen nach § 7 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG in sei­ner im Streit­fall maß­geb­li­chen Fas­sung bei Gebäu­den in den ers­ten acht Jah­ren auf jeweils 5 %, in den dar­auf fol­gen­den sechs Jah­ren auf jeweils 2,5 % und in den dar­auf fol­gen­den 36 Jah­ren auf jeweils 1,25 %. Die degres­si­ve AfA führt zu einer Steu­er­stun­dung durch Vor­ver­la­ge­rung von AfA.

Auf­grund der degres­si­ven Aus­ge­stal­tung wäre es für die Steu­er­pflich­ti­gen vor­teil­haft, zunächst die degres­si­ve AfA in Anspruch zu neh­men und spä­ter auf die linea­re AfA von z.B. 3 % für Gebäu­de über­zu­ge­hen, die zu einem Betriebs­ver­mö­gen gehö­ren und nicht Wohn­zwe­cken die­nen (§ 7 Abs. 4 Satz 1 EStG). Einen der­ar­ti­gen Wech­sel hat­te der BFH aller­dings bereits in der Ver­gan­gen­heit aus­ge­schlos­sen.

Offen war bis­lang dem­ge­gen­über, ob ein Wech­sel von der degres­si­ven AfA zur AfA nach der tat­säch­li­chen Nut­zungs­dau­er (§ 7 Abs. 4 Satz 2 EStG) mög­lich ist. Bei Gebäu­den mit einer tat­säch­li­chen Nut­zungs­dau­er von weni­ger als 50 Jah­ren kann die AfA danach ent­spre­chend die­ser ver­kürz­ten Nut­zungs­dau­er vor­ge­nom­men wer­den. Dies mach­te die Klä­ge­rin in dem vom BFH jetzt ent­schie­de­nen Streit­fall gel­tend. Sie ver­mie­te­te ein im Jahr 1994 bebau­tes Grund­stück an ihren Ehe­mann zum Betrieb eines Auto­hau­ses. Bei ihren Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung nahm sie die degres­si­ve AfA in Anspruch (8 x 5 %, 6 x 2,5 % und 36 x 1,25 %). Nach Ablauf der ers­ten 14 Jah­re, im Jahr 2009, errich­te­te die Klä­ge­rin auf dem Grund­stück u.a. einen Anbau und mach­te im Übri­gen gel­tend, die Nut­zungs­dau­er sämt­li­cher Gebäu­de betra­ge nur noch 10 Jah­re. Sie begehr­te nun­mehr eine AfA ent­spre­chend der tat­säch­li­chen Nut­zungs­dau­er.

Die von der Klä­ge­rin erstreb­te Kom­bi­na­ti­on von degres­si­ver AfA und AfA nach der tat­säch­li­chen Nut­zungs­dau­er hat der BFH ver­wor­fen. Der BFH begrün­det dies damit, dass § 7 Abs. 5 EStG die Nut­zungs­dau­er eines Gebäu­des typi­siert und damit der Rechts­ver­ein­fa­chung dient. Bei Wahl der degres­si­ven AfA nach § 7 Abs. 5 EStG erüb­ri­ge sich die Fest­stel­lung der tat­säch­li­chen Nut­zungs­dau­er des Gebäu­des. Der Steu­er­pflich­ti­ge ent­schei­de sich bei Wahl der degres­si­ven AfA bewusst dafür, die Her­stel­lungs­kos­ten des Gebäu­des in 50 der Höhe nach fest­ge­leg­ten Jah­res­be­trä­gen gel­tend zu machen. Die Ver­ein­fa­chung tre­te nur ein, wenn die Wahl über die gesam­te Dau­er der Abschrei­bung bin­dend sei. Die Wahl der degres­si­ven AfA ist des­halb im Grund­satz unab­än­der­lich.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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