(Kiel) Der IX. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat­te sich soeben mit der Fra­ge zu beschäf­ti­gen, ob Ver­lus­te, die in ver­gan­ge­nen Jah­ren ent­stan­den waren, nach § 10d des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) geson­dert fest­ge­stellt wer­den kön­nen, wenn eine Ver­an­la­gung zur Ein­kom­men­steu­er für das Ver­lust­ent­ste­hungs­jahr nicht erfolgt ist und auch auf­grund inzwi­schen ein­ge­tre­te­ner Fest­set­zungs­ver­jäh­rung nicht mehr erfol­gen kann.

Die Klä­rung die­ser Rechts­fra­ge ist inso­weit von Bedeu­tung, als Ver­lus­te nur dann in spä­te­ren Jah­ren steu­er­lich nutz­bar gemacht wer­den kön­nen, wenn sie zuvor nach § 10d EStG geson­dert fest­ge­stellt wor­den sind

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 29.04.2015 zu sei­nem Urteil vom 13. Janu­ar 2015 — IX R 2214.

Im Streit­fall begehr­te die Klä­ge­rin nach­träg­lich die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung von Kos­ten für ihre beruf­li­che Erst­aus­bil­dung. Sie hat­te dazu im Juli 2012 Steu­er­erklä­run­gen für die Jah­re 2005 bis 2007 ein­ge­reicht und auch die Fest­stel­lung von Ver­lust­vor­trä­gen bean­tragt. Das Finanz­amt (FA) lehn­te die Ver­lust­fest­stel­lung ab. Es berief sich auf die Bin­dungs­wir­kung des Ein­kom­men­steu­er­be­scheids für das Ver­lust­fest­stel­lungs­ver­fah­ren. Danach kön­ne eine Ver­lust­fest­stel­lung nur noch dann durch­ge­führt wer­den, wenn auch der Erlass eines ent­spre­chen­den Ein­kom­men­steu­er­be­scheids mög­lich sei. Dies schei­de aber aus, da eine Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung wegen Ein­tritts der Fest­set­zungs­ver­jäh­rung nicht mehr mög­lich sei. Dage­gen wand­te sich die Klä­ge­rin mit dem Ein­spruch und nach­fol­gend der Kla­ge.

Der BFH gab der Klä­ge­rin in Bezug auf die geson­der­te Ver­lust­fest­stel­lung recht. Ein ver­blei­ben­der Ver­lust­vor­trag nach § 10d EStG kann auch dann geson­dert fest­ge­stellt wer­den, wenn ein Ein­kom­men­steu­er­be­scheid für das Ver­lust­ent­ste­hungs­jahr nicht mehr erlas­sen wer­den kann. Eine Bin­dungs­wir­kung des Ein­kom­men­steu­er­be­scheids für die Fest­stel­lung des Ver­lust­vor­trags bestehe dann nicht, wenn eine Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung gar nicht durch­ge­führt wor­den ist. Mit der Ent­schei­dung ver­ein­facht der BFH die Gel­tend­ma­chung von Ver­lust­vor­trä­gen in zurück­lie­gen­den Jah­ren. Prak­ti­sche Bedeu­tung hat dies vor allem für Steu­er­pflich­ti­ge, die sich in Aus­bil­dung befin­den oder vor kur­zem ihre Aus­bil­dung abge­schlos­sen haben. Auch wenn die­se in der Ver­gan­gen­heit kei­ne Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung abge­ge­ben haben und wegen Ein­tritts der Fest­set­zungs­ver­jäh­rung eine Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung nicht mehr durch­ge­führt wer­den kann, kann inner­halb der Ver­jäh­rungs­frist für die Ver­lust­fest­stel­lung die­se noch bean­tragt und durch­ge­führt wer­den. Dadurch ist es mög­lich, über den Antrag auf Ver­lust­fest­stel­lung und einen Ein­spruch gegen die dazu vom FA erfolg­te Ableh­nung von einer für den Steu­er­pflich­ti­gen güns­ti­gen Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG) über die Fra­ge der steu­er­li­chen Abzugs­fä­hig­keit von Kos­ten einer beruf­li­chen Erst­aus­bil­dung zu pro­fi­tie­ren (vgl. BFH-Beschlüs­se vom 17. Juli 2014 VI R 2/12, BFHE 247, 25, BFH/NV 2014, 1954, Az. des BVerfG 2 BvL 2314 und VI R 8/12, BFHE 247, 64, BFH/NV 2014, 1970, Az. des BVerfG 2 BvL 2414).

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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