(Kiel) Seit dem 01.01.2009 gel­ten bei der Ver­er­bung und Ver­schen­kung von betrieb­li­chen Ver­mö­gen zahl­rei­che Ände­run­gen. Die­se betref­fen einer­seits die Bewer­tung des Ver­mö­gens selbst sowie eine Neu­de­fi­ni­ti­on von sogen. begüns­ti­gungs­fä­hi­gem und nicht begüns­ti­gungs­fä­hi­gem Unter­neh­mer­ver­mö­gen.

Wel­che Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de nun begüns­tigt wer­den kön­nen, so der Nürn­ber­ger Erb- und Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, ist in § 13 b ErbStG näher defi­niert. Hier­zu zäh­len wie bis­her das Betriebs­ver­mö­gen von Ein­zel­un­ter­neh­men, Mit­un­ter­neh­mer-Antei­le, Antei­le an Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten von mehr als 25 % sowie Land- und forst­wirt­schaft­li­ches Ver­mö­gen. Zukünf­tig, so Gie­se­ler, sei­en auch die Betrie­be in EU-Mit­glieds­staa­ten und in Staa­ten des EWR ein­be­zo­gen. Bei Antei­len an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft gel­te die Beson­der­heit, dass die­se zusam­men­ge­rech­net wer­den kön­nen, soweit sie unter 25 % lie­gen, wenn die­se einem Stimm­bin­dungs­ver­trag oder spe­zi­fi­schen Ver­fü­gungs­be­schrän­kun­gen unter­lie­gen.

Neu ein­ge­führt habe der Gesetz­ge­ber den sogen. Begriff des „Ver­wal­tungs­ver­mö­gens”, da nur ech­tes unter­neh­me­ri­sches Ver­mö­gen begüns­ti­gungs­fä­hig sein soll, betont Gie­se­ler. Die Berech­nung die­ses Anteils am Unter­neh­mer­ver­mö­gen erfol­ge der­ge­stalt, dass die Sum­me der gemei­nen Wer­te der Ein­zel­wirt­schafts­gü­ter des Ver­wal­tungs­ver­mö­gens ins Ver­hält­nis zum gemei­nen Wert des Betrie­bes gesetzt wird. Hier­bei sind mit dem Ver­wal­tungs­ver­mö­gen zusam­men­hän­gen­de Ver­bind­lich­kei­ten nicht zu berück­sich­ti­gen. Kein begüns­tig­tes Ver­mö­gen stel­le Ver­wal­tungs­ver­mö­gen immer dar, wenn es dem Betrieb weni­ger als zwei Jah­re zuzu­rech­nen war.

Als Ver­wal­tungs­ver­mö­gen gel­te: 

  • - Drit­ten zur Nut­zung über­las­se­ne Grund­stü­cke, Grund­stücks­tei­le, grund­stücks­glei­che Rech­te und Bau­ten, wobei gewis­se Aus­nah­men zuläs­sig sei­en
  • - Antei­le an Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten, wenn die unmit­tel­ba­re Betei­li­gung am Nenn­ka­pi­tal 25 % oder weni­ger beträgt und sie nicht dem Haupt­zweck des Gewer­be­be­trie­bes eines Kre­dit­in­sti­tuts, eines Finanz­dienst­leis­tungs­in­sti­tuts oder eines Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens zuzu­rech­nen sind
  • - Betei­li­gun­gen an Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten, wenn deren Ver­wal­tungs­ver­mö­gen mehr als 50 % beträgt
  • - Wert­pa­pie­re und ver­gleich­ba­re For­de­run­gen, sowie Kunst, Edel­me­tal­le usw., die nicht dem Haupt­zweck des Gewer­be­be­trie­bes zuzu­rech­nen sind

Soweit der Gesetz­ge­ber seit dem 01.01.2009 auch die Mög­lich­keit der sogen. Steu­er­ver­scho­nung für Betriebs­ver­mö­gen ein­ge­führt habe, so erläu­tert sein Kie­ler Vor­stands­kol­le­ge, DUV Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, hän­ge dies nun im Wesent­li­chen von der Quo­te des vor­ste­hend näher beschrie­be­nen Ver­wal­tungs­ver­mö­gens ab. 

- Betra­ge die Quo­te des Ver­wal­tungs­ver­mö­gens mehr als 50 %, greift die Begüns­ti­gung nicht. Das Unter­neh­mer­ver­mö­gen ist (voll) zu ver­steu­ern.

- Beträgt das Ver­wal­tungs­ver­mö­gen weni­ger als 50 %, aber mehr als 10 %, so Pas­sau, so sind 15 % des Unter­neh­mer­ver­mö­gens unter Berück­sich­ti­gung eines Abzugs­be­tra­ges von 150.000 € sofort zu ver­steu­ern, d. h. 85 % des Unter­neh­mer­ver­mö­gens kön­nen voll­stän­dig steu­er­frei über­tra­gen wer­den, wenn nach­fol­gen­de Vor­aus­set­zun­gen gege­ben sind:

  • Wei­ter­füh­rung des Betrie­bes für sie­ben Jah­re
  • Ein­hal­tung der Min­dest­lohn­sum­me inner­halb der Lohn­sum­men­frist von sie­ben Jah­ren (= 650 % der Aus­gangs­lohn­sum­me)

- Beträgt das Ver­wal­tungs­ver­mö­gen weni­ger als 10 %, kann auf Antrag Steu­er­be­frei­ung erteilt wer­den, wobei das Antrags­recht unwi­der­ruf­lich aus­ge­stal­tet ist und mit Abga­be der Steu­er­erklä­rung aus­ge­übt wer­den muss. Die­se voll­stän­di­ge Steu­er­be­frei­ung grei­fe unter fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen: 

  • Wei­ter­füh­rung des Unter­neh­mens für zehn Jah­re
  • Ein­hal­tung der Min­dest­lohn­sum­me inner­halb der Lohn­sum­men­frist von zehn Jah­ren (= 1.000 % der Aus­ganslohn­sum­me)
  • Hier­auf kommt es nur an, wenn die Aus­gangs­lohn­sum­me mehr als „Null” € beträgt und der Betreib mehr als zehn Mit­ar­bei­ter hat.

Wird das Unter­neh­men weni­ger als sie­ben oder zehn Jah­re wei­ter­ge­führt, fal­len der Ver­scho­nungs­ab­schlag und der Abzugs­be­trag zeit­an­tei­lig weg. Das Glei­che gel­te bei schäd­li­chen Ver­fü­gun­gen, wie z. B. Ver­äu­ße­rung oder Auf­ga­be des Geschäfts­be­trie­bes bzw. bei Ent­nah­me von wesent­li­chen Betriebs­grund­la­gen sowie bei Über­ent­nah­men.

im Hin­blick auf die teil­wei­se sehr kom­pli­zier­ten Bestim­mun­gen und Bewer­tungs­me­tho­den emp­fah­len bei­de Steu­er­ex­per­ten drin­gend, kei­ne Maß­nah­me ohne vor­he­ri­ge aus­führ­li­che steu­er­li­che Bera­tung vor­zu­neh­men und ver­wie­sen dabei auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de -, in wel­chem bun­des­weit auf Unter­neh­mens­steu­er­recht spe­zia­li­sier­te Anwäl­te und Steu­er­be­ra­ter orga­ni­siert sei­en.

Für Rück­fra­gen ste­hen Ihnen zur Ver­fü­gung:

Dr. Nor­bert Gie­se­ler
Rechts­an­walt
Fach­an­walt für Erbrecht
Fach­an­walt für Steu­er­recht
DUV-Prä­si­dent
c/o Scholz & Weis­pfen­ning
Königstor­gra­ben 3
90402 Nürn­berg
Tel.:  0911 — 244 370
Fax:  0911 — 244 3799
Email: kanzlei@scho-wei.de
www.scho-wei.de

Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und
geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
Pas­sau, Nie­mey­er & Kol­le­gen
Walk­er­damm 1
24103 Kiel
Tel.: 0431 — 974 3010
Fax: 0431 — 973 3055
Email: info@duv-verband.de
www.duv-verband.de