(Kiel) Die Umsät­ze aus der lang­fris­ti­gen Ver­mie­tung eines Turn­hal­len­ge­bäu­des an einen Ver­ein, der steu­er­freie Leis­tun­gen aus­führt, sind gemäß § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a UStG 1999 steu­er­frei, wenn abge­se­hen von der Über­las­sung von Betriebs­vor­rich­tun­gen kei­ne wei­te­ren Leis­tun­gen aus­ge­führt wer­den.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf ein am 15.04.2009 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 17.12.2008 — AZ.: XI  R  2308 -.

In dem Fall  strit­ten die Betei­lig­ten dar­über, ob bei einer lang­fris­ti­gen Ver­mie­tung einer Turn­hal­le Vor­steu­er­be­trä­ge auch inso­fern abge­zo­gen wer­den kön­nen, als die­se die Her­stel­lungs­kos­ten des Gebäu­des betref­fen.

Der Klä­ger, ein als gemein­nüt­zig aner­kann­ter Ver­ein, ist Eigen­tü­mer eines Grund­stücks, auf dem er in meh­re­ren Bau­ab­schnit­ten ver­schie­de­ne Gebäu­de zum Betrieb einer Schu­le errich­te­te. Er ver­mie­te­te das Grund­stück und — jeweils ab Bezugs­fer­tig­keit — die noch zu errich­ten­den Gebäu­de an den Ver­ein “X e.V.” (Ver­ein). Die­ser betreibt dort eine Schu­le. Der Miet­ver­trag wur­de auf eine Dau­er von 25 Jah­ren fest geschlos­sen und kann von den Ver­trags­par­tei­en frü­hes­tens zum 1. Juni 2017 gekün­digt wer­den.

In den Jah­ren 2001 und 2002 errich­te­te der Klä­ger auf dem Grund­stück eine Turn­hal­le, die zu einem monat­li­chen Miet­zins von 7 113,83 € zuzüg­lich Umsatz­steu­er an den Ver­ein ver­mie­te­te. Die ihm im Streit­jahr 2002 im Zusam­men­hang mit der Errich­tung der Turn­hal­le in Rech­nung gestell­te Umsatz­steu­er in Höhe von 85 118,92 € mach­te er in vol­lem Umfang als Vor­steu­er gel­tend.

Anläss­lich einer Umsatz­steu­er-Son­der­prü­fung ver­trat die Prü­fe­rin die Auf­fas­sung, die Über­las­sung des Turn­hal­len­ge­bäu­des an den Ver­ein stel­le eine nach § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a des Umsatz­steu­er­ge­set­zes 1999 (UStG) steu­er­freie Grund­stücks­ver­mie­tung dar, die den Vor­steu­er­ab­zug aus­schlie­ße. Ein Ver­zicht auf die Steu­er­be­frei­ung sei nicht mög­lich, weil der Ver­ein das Turn­hal­len­ge­bäu­de nicht aus­schließ­lich zur Aus­füh­rung steu­er­pflich­ti­ger Umsät­ze ver­wen­de. Nur soweit die gel­tend gemach­ten Vor­steu­ern auf die steu­er­pflich­ti­ge Über­las­sung von Betriebs­vor­rich­tun­gen ent­fie­len, sei ein Vor­steu­er­ab­zug in Höhe von 10 255,58 € mög­lich. Eine Min­de­rung der Steu­er um die — zu Unrecht — für die Über­las­sung des Turn­hal­len­ge­bäu­des erho­be­ne Steu­er, kom­me erst nach Vor­la­ge ent­spre­chend berich­tig­ter Rech­nun­gen in Betracht.

Das Finanz­amt ver­sag­te dar­auf­hin den Abzug von Vor­steu­er­be­trä­gen aus der Her­stel­lung der Turn­hal­le inso­weit, als die­se nicht die Betriebs­vor­rich­tun­gen betra­fen.

Ein­spruch und Kla­ge hier­ge­gen hat­ten kei­nen Erfolg, woge­gen sich die Revi­si­on rich­te­te. Aber auch die­se, so betont Pas­sau, wur­de nun vom BFH zurück­ge­wie­sen.

Das Finanz­ge­richt habe zu Recht ent­schie­den, dass die streit­ge­gen­ständ­li­chen Vor­steu­er­be­trä­ge nicht abzieh­bar sei­en.

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 1 UStG kön­ne ein Unter­neh­mer die in Rech­nun­gen i.S. des § 14 UStG geson­dert aus­ge­wie­se­ne Steu­er für Lie­fe­run­gen oder sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von ande­ren Unter­neh­mern für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, als Vor­steu­er­be­trä­ge abzie­hen. Gemäß § 15 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 UStG sei vom Vor­steu­er­ab­zug jedoch aus­ge­schlos­sen die Steu­er für die Lie­fe­run­gen, die Ein­fuhr und den inner­ge­mein­schaft­li­chen Erwerb von Gegen­stän­den sowie für die sons­ti­gen Leis­tun­gen, die der Unter­neh­mer zur Aus­füh­rung von steu­er­frei­en Umsät­zen ver­wen­de.

Im Streit­fall sei die Ver­mie­tung des Turn­hal­len­ge­bäu­des eine nach § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a UStG steu­er­freie Grund­stücks­ver­mie­tung. Der Vor­steu­er­ab­zug sei daher gemäß § 15 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 UStG i.V.m. § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a UStG aus­ge­schlos­sen. Dar­an ände­re auch der Umstand nichts, dass der Klä­ger neben der Über­las­sung des Turn­hal­len­ge­bäu­des dem Ver­ein noch Betriebs­vor­rich­tun­gen zur Ver­fü­gung stell­te. Denn auch dies füh­re nicht zu einer steu­er­pflich­ti­gen Grund­stücks­über­las­sung. Die­se wäre nur dann steu­er­pflich­tig, wenn sie Teil einer steu­er­pflich­ti­gen ein­heit­li­chen Leis­tung wäre. Das sei aber hier nicht der Fall.

Pas­sau emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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