(Kiel) Erwirbt ein Unter­neh­mer ein städ­ti­sches Grund­stück und ist im Grund­stücks­kauf­ver­trag die Umsatz­steu­er offen aus­ge­wie­sen, so kann der Unter­neh­mer die aus­ge­wie­se­ne Steu­er als Vor­steu­er abzie­hen. Der Unter­neh­mer kann sich inso­weit unmit­tel­bar auf Art. 4 Abs. 5 der 6. EG-Richt­li­nie (Richt­li­nie 77/388/EWG) beru­fen.

Dies, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, ent­schied das Finanz­ge­richt (FG) Ber­lin-Bran­den­burg in einem am 25.01.2010 ver­öf­fent­lich­ten Urteil vom 01. Okto­ber 2009, Az.: 5 K 85805.

Grund­sätz­lich sind Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts (z. B. Städ­te, Gemein­den) nicht Unter­neh­mer und daher nicht zum Aus­weis der Umsatz­steu­er berech­tigt. Infol­ge­des­sen ent­fällt auch das Recht des Leis­tungs­emp­fän­gers zum Vor­steu­er­ab­zug. Art. 4 Abs. 5 der 6. EG-Richt­li­nie sieht hin­ge­gen vor, dass die EU-Mit­glied­staa­ten Tätig­kei­ten von Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts, die umsatz­steu­er­frei sind — hier­zu gehö­ren Grund­stücks­ver­äu­ße­run­gen — , als Tätig­kei­ten behan­deln kön­nen, die ihnen im Rah­men der öffent­li­chen Gewalt oblie­gen. Nach einer Ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs vom 04.06.2009 (Rs. C-102/08) erfor­dert dies eine aus­drück­li­che natio­na­le Rege­lung, die ver­bind­lich, kon­kret, bestimmt und klar sowie gericht­lich nach­prüf­bar sein muss. Eine der­ar­ti­ge Rege­lung fin­det sich im deut­schen Recht jedoch nicht. Dar­aus folgt, dass die Grund­stücks­ver­äu­ße­rung nicht als Aus­übung öffent­li­cher Gewalt qua­li­fi­ziert wer­den kann und die Umsatz­steu­er somit aus­ge­wie­sen wer­den durf­te.

Das Urteil ist rechts­kräf­tig.

Pas­sau emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und
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