(Kiel) Nach einer am 17.12.2008 ver­öf­fent­lich­ten Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs sind  Leis­tun­gen eines Ver­eins, die dem kon­kre­ten Indi­vi­dual­in­ter­es­se der Ver­eins­mit­glie­der die­nen, steu­er­bar. Die Wer­bung für ein von den Mit­glie­dern ver­kauf­tes Pro­dukt dient dem kon­kre­ten Indi­vi­dual­in­ter­es­se der Ver­eins­mit­glie­der. (BFH AZ.: XI R 5907)

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel. In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall war strei­tig, ob ein Ver­ein gegen­über sei­nen Mit­glie­dern im Rah­men eines Leis­tungs­aus­tau­sches tätig gewor­den ist, des­sen Zweck dar­in besteht, den Ver­kauf einer dritt­län­di­schen Han­dels­wa­re (TP) im Inland sowie in Öster­reich zu för­dern, die wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit mit dem Her­kunfts­land der TP zu ver­bes­sern und die Mit­glie­der des Ver­eins über die auf dem TP-Markt bestehen­den wirt­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten zu infor­mie­ren. Die Tätig­keit des Ver­eins bestand in den Streit­jah­ren dar­in, Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al über das Pro­dukt TP an Gold­schmie­de und Juwe­lie­re zu ver­tei­len, Anzei­gen in Fach­zeit­schrif­ten zu schal­ten, Ver­kaufs­ver­an­stal­tun­gen durch­zu­füh­ren sowie Bücher und Bro­schü­ren zu ver­kau­fen. Die Mar­ke­ting­maß­nah­men ziel­ten dar­auf ab, den Absatz des Pro­dukts TP zu ver­bes­sern. Hier­bei finan­zier­te der Ver­ein sei­ne Tätig­keit zum einen durch Mit­glieds­bei­trä­ge sei­ner inlän­di­schen Ver­eins­mit­glie­der, deren Höhe sich nach dem Jah­res­um­satz des jewei­li­gen Mit­glieds bestimm­te. Zum ande­ren erhielt der Ver­ein von einer im Her­kunfts­land der TP ansäs­si­gen Gesell­schaft sog. Etat­zu­wei­sun­gen. Die Mit­glieds­bei­trä­ge belie­fen sich im Streit­jahr 2000 auf 65 000 DM und im Streit­jahr 2001 auf 60 000 DM, die Zah­lun­gen der aus­län­di­schen Gesell­schaft auf 409 746,38 DM (2000) und 81 949,28 DM (2001).

Im Anschluss an eine Umsatz­steu­er-Son­der­prü­fung ver­trat das Finanz­amt die Auf­fas­sung, dass der Ver­ein nur mit dem Ver­kauf von Bro­schü­ren und Büchern unter­neh­me­risch tätig gewe­sen sei. Der sich hier­aus erge­ben­de Vor­steu­er­ab­zug belau­fe sich auf 1 058 DM (2000) und 216 DM (2001). Der im Übri­gen gel­tend gemach­te Vor­steu­er­ab­zug in Höhe von 69 491,33 DM (2000) und 25 184,65 DM (2001) sei zu ver­sa­gen, da der Klä­ger inso­weit man­gels Leis­tungs­aus­tau­sches nicht unter­neh­me­risch, son­dern im Inter­es­se der Gesamt­be­lan­ge aller Mit­glie­der gehan­delt habe. Die Zah­lun­gen der Ver­eins­mit­glie­der stell­ten sog. ech­te Mit­glieds­bei­trä­ge dar.

Die­ser Auf­fas­sung, so Pas­sau, hat der BGH nun in letz­ter Instanz eine Absa­ge erteilt. Nach nun­mehr stän­di­ger Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­ho­fes (EuGH) und des BFH lie­ge eine ent­gelt­li­che steu­er­ba­re Leis­tung dann vor, wenn zwi­schen einer Leis­tung und einem erhal­te­nen Gegen­wert ein unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang bestehe und sich die­ser Zusam­men­hang aus einem zwi­schen dem Leis­ten­den und dem Leis­tungs­emp­fän­ger bestehen­den Rechts­ver­hält­nis ergibt, in des­sen Rah­men gegen­sei­ti­ge Leis­tun­gen aus­ge­tauscht wer­den, wobei die Ver­gü­tung den Gegen­wert für die Leis­tung bil­de. Steu­er­bar sei­en danach Leis­tun­gen, die eine Gesell­schaft im kon­kre­ten Indi­vi­dual­in­ter­es­se ihrer Gesell­schaf­ter erbringt und für die die Gesell­schaf­ter auf gesell­schafts­recht­li­cher Grund­la­ge Auf­wen­dungs­er­satz gewäh­ren, wobei es der Annah­me eines Leis­tungs­aus­tau­sches nicht ent­ge­gen­steht, wenn die Gesell­schaft für alle Gesell­schaf­ter zugleich tätig ist.Demnach habe der Ver­ein gegen­über sei­nen Mit­glie­dern steu­er­ba­re Leis­tun­gen erbracht.

Der Ver­ein habe nach den für den Senat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des FG Wer­be­leis­tun­gen erbracht. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­am­tes set­ze eine dem kon­kre­ten Indi­vi­dual­in­ter­es­se der Ver­eins­mit­glie­der die­nen­de Leis­tung des Ver­eins eben­so wie im Fall der Wer­be­ge­mein­schaft für ein Ein­kaufs­zen­trum (vgl. BFH-Urteil vom 4. Juli 1985 V R 10776, BFHE 145, 244, BSt­Bl II 1986, 153) nicht vor­aus, dass für die ein­zel­nen Mit­glie­der gewor­ben wer­de. Wie nach die­sem Urteil bereits die Wer­bung für ein Ein­kaufs­zen­trum als sol­ches aus­rei­che, genü­ge im Streit­fall die Wer­bung für das von den Ver­eins­mit­glie­dern ver­kauf­te Pro­dukt.

Ange­sichts der Kom­ple­xi­tät des Urteils emp­fahl Pas­sau allen Ver­ei­nen und Ver­bän­den, ggfs. steu­er­li­chen Rechts­rat in Anspruch zu neh­men und ver­wies dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de -

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