(Kiel) Das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg (FG BW) hat­te in einem Ver­fah­ren über die Fra­ge der steu­er­li­che Aner­ken­nung von Auf­wen­dun­gen einer Grup­pen­rei­se als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten zu ent­schei­den.

Hier­bei, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, kam das Finanz­ge­richt BW zu dem Ergeb­nis, dass eine abs­trak­te Eig­nung der Rei­se zu Geschäfts­an­bah­nun­gen dafür nicht aus­reicht. (Urteil vom 12.03.2009, AZ.: 3 K 255/07).

In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall ver­an­stal­te­te eine ört­li­che Spar­kas­se eine sog. sie­ben­tä­gi­ge  „Fach­stu­di­en­rei­se” nach Viet­nam und Sin­ga­pur. An der Rei­se nah­men neben dem Rei­se­lei­ter 31 Inha­ber bzw. Geschäfts­füh­rer regio­na­ler Unter­neh­men teil, dar­un­ter auch die Gesell­schaf­ter A und B der Kla­ge­rin; 8 Per­so­nen wur­den auf der Rei­se von ihren Ehe­gat­ten beglei­tet.

Die Klä­ge­rin behan­del­te die Kos­ten der Rei­se des A und B in Höhe von 6.933,25 EUR in ihrem Jah­res­ab­schluss als Betriebs­aus­ga­ben. Im Rah­men einer Außen­prü­fung bei der Klä­ge­rin ver­trat der Prü­fer die Auf­fas­sung, dass die von der Klä­ge­rin gezahl­ten Kos­ten für die „Fach­stu­di­en­rei­se” des A und des B nach Viet­nam und Sin­ga­pur nicht als Betriebs­aus­ga­ben abzieh­bar sei­en. Gegen die Aner­ken­nung spre­che die tou­ris­ti­sche Aus­ge­stal­tung der Rei­se und der feh­len­de direk­te Bezug zu der beruf­li­chen Tätig­keit der Teil­neh­mer als Steu­er­be­ra­ter und Wirt­schafts­prü­fer. Der Ein­spruch der Klä­ge­rin hat­te kei­nen Erfolg.

Mit ihrer Kla­ge trägt die Klä­ge­rin vor, die Kos­ten der durch­ge­führ­ten Rei­se sei­en über­wie­gend betrieb­lich ver­an­lasst und des­halb als Betriebs­aus­ga­ben gewinn­min­dernd anzu­set­zen. Die Stu­di­en­rei­se habe gene­rell der Infor­ma­ti­on der Teil­neh­mer über die wirt­schaft­li­chen Gege­ben­hei­ten in Viet­nam und Sin­ga­pur und der Mög­lich­keit einer Direkt­in­ves­ti­ti­on gedient. Der betrieb­li­che Anlass der Rei­se lie­ge bei der Klä­ge­rin jedoch nicht dar­in, in Sin­ga­pur oder Viet­nam als Steu­er­be­ra­ter bzw. Rechts­an­walt tätig zu wer­den. Teil­neh­mer der von der Spar­kas­se ver­an­stal­te­ten Rei­sen sei­en aus­schließ­lich deren Kun­den. Dabei hand­le es sich um Unter­neh­mer aus dem Ein­zugs­ge­biet der Spar­kas­se. Die­ses Gebiet ent­spre­che auch dem regio­na­len Tätig­keits­schwer­punkt der Klä­ge­rin. Für die Klä­ge­rin habe des­halb ein gro­ßes Inter­es­se an der Teil­nah­me des A und des B an der Rei­se bestan­den, weil bei sol­chen Ver­an­stal­tun­gen erfah­rungs­ge­mäß gro­ße Chan­cen bestün­den, mit ande­ren Rei­se­teil­neh­mern Kon­tak­te her­zu­stel­len und für die Kanz­lei Man­dan­ten zu akqui­rie­ren.

Dies, so Pas­sau, fand jedoch vor Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg kein Gehör. Bei den Kos­ten der Rei­se nach Viet­nam und Sin­ga­pur han­de­le es sich nicht um Betriebs­aus­ga­ben der Klä­ge­rin.

Der Abzug der Rei­se­kos­ten set­ze nach der Recht­spre­chung des BFH vor­aus, dass die Rei­se aus­schließ­lich oder nahe­zu aus­schließ­lich der beruflichen/betrieblichen Sphä­re zuzu­ord­nen sei.

Dies sei dann der Fall, wenn ent­we­der der Rei­se ein unmit­tel­ba­rer beruf­li­cher bzw. betrieb­li­cher Anlass zugrun­de liegt (z.B. das Auf­su­chen eines Geschäfts­freun­des, das Hal­ten eines Vor­tra­ges auf einem Fach­kon­gress, die Durch­füh­rung eines For­schungs­auf­tra­ges) und die Ver­fol­gung pri­va­ter Reise­in­ter­es­sen nicht den Schwer­punkt der Rei­se bil­de, oder wenn die beruf­li­che bzw. betrieb­li­che Ver­an­las­sung bei wei­tem über­wiegt und die Befrie­di­gung pri­va­ter Inter­es­sen, wie z.B. Erho­lung, Bil­dung und Erwei­te­rung des all­ge­mei­nen Gesichts­krei­ses, nach dem Anlass der Rei­se, dem vor­ge­se­he­nen Pro­gramm und der tat­säch­li­chen Durch­füh­rung nicht ins Gewicht fällt und nur von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung ist. Ein Abzug der Rei­se­kos­ten als Betriebs­aus­ga­ben sei aus­ge­schlos­sen, wenn mit der Rei­se auch ein all­ge­mein-tou­ris­ti­sches Inter­es­se der Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft befrie­digt wird, das nicht von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung ist.

Selbst wenn man das Beför­de­rungs­mit­tel Flug­zeug für unschäd­lich hal­te, von einer fach­li­chen Orga­ni­sa­ti­on der Rei­se aus­ge­he und den Teil­neh­mer­kreis für homo­gen hal­te, blei­be fest­zu­hal­ten, dass die Gesell­schaf­ter der Klä­ge­rin weder aus einem betrieb­li­chen Anlass gera­de an die auf­ge­such­ten Orte gereist sind, noch das Rei­se­pro­gramm noch die Rei­se­rou­te von irgend­wie betrieb­li­chem, son­dern nur von all­ge­mein-tou­ris­ti­schem Inter­es­se war. Sowohl an den Wochen­ta­gen wie auch am Wochen­en­de (wur­den tou­ris­tisch reiz­vol­le Orte auf­ge­sucht. Die ange­bo­te­nen ver­schie­de­nen Stadt­rund­fahr­ten (in Sai­gon, Hanoi und Sin­ga­pur), die Aus­flü­ge zu einem Muse­um und zu meh­re­ren bekann­ten Bau­wer­ken, die Boots­fahrt durch die Halong-Bucht sowie der mög­li­che Besuch des Was­ser­pup­pen­thea­ters und der Folk­lo­re-Show sind ein­deu­ti­ge Indi­zi­en für den (auch) pri­va­ten Cha­rak­ter der Rei­se.

Soweit die Klä­ge­rin dem­ge­gen­über meint, das Pro­gramm der Rei­se sei letzt­lich uner­heb­lich, weil sie (nur) aus dem Teil­neh­mer­kreis und der Mög­lich­keit zur Ein­wer­bung neu­er Man­da­te eine unmit­tel­ba­re betrieb­li­che Ver­an­las­sung der Rei­se ablei­ten will, sei ihr zwar zuzu­ge­ben, dass die Klä­ge­rin in der Tat ein ganz erheb­li­ches betrieb­li­ches Inter­es­se dar­an hat, dass die Gesell­schaf­ter der Klä­ge­rin die­se reprä­sen­tie­ren und letzt­lich bei jeder sich bie­ten­den Gele­gen­heit dar­um bemüht sind, Man­dan­ten für die Klä­ge­rin zu wer­ben. Der Senat ist auch davon über­zeugt, dass die Kos­ten der auf der Rei­se ein­ge­wor­be­nen Man­da­te, die die Klä­ge­rin im Schrei­ben vom 1. Febru­ar 2005 nament­lich benannt hat, die Kos­ten der Rei­se über­stei­gen. Gleich­wohl kön­ne die Klä­ge­rin damit nicht der Anwen­dung der Grund­sät­ze des BFH zur betrieb­li­chen Ver­an­las­sung von Aus­lands­grup­pen­rei­sen qua­si „ent­flie­hen”: Wäre die von der Klä­ge­rin als aus­rei­chend ange­se­he­ne betrieb­li­che Mit­ver­an­las­sung aus­rei­chend, wäre näm­lich der Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug ufer- und kon­tu­ren­los. 

Pas­sau emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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