(Kiel) Aus den im Steu­er­recht all­ge­mein gel­ten­den Grund­sät­zen der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit und des Ver­trau­ens­schut­zes ergibt sich, dass die Steu­er­frei­heit einer Aus­fuhr­lie­fe­rung nicht ver­sagt wer­den darf, wenn der lie­fern­de Unter­neh­mer die Fäl­schung des Aus­fuhr­nach­wei­ses, den der Abneh­mer ihm vor­legt, auch bei Beach­tung der Sorg­falt eines ordent­li­chen Kauf­manns nicht hat erken­nen kön­nen. (BFH AZ: V R 703)

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf ein am 28.01.2009 ver­öf­fent­lich­tes Urteils des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH). In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall ging es um eine Dis­count — Super­markt­ket­te, die auch im Grenz­ge­biet zu Polen Super­märk­te betreibt. Im Jah­re 1998 fiel der Klä­ge­rin auf, dass ein bestimm­ter Zoll­s­tem­pel beson­ders häu­fig ver­wen­det wur­de. Sie trat daher von sich aus an das Haupt­zoll­amt zwecks einer Über­prü­fung her­an, aus der sich spä­ter ergab, dass der Zoll­s­tem­pel und die dazu gehö­ri­gen Papie­re gefälscht waren.

Mit Hil­fe sog. Stem­pel­fo­li­en wur­de hier­nach ermit­telt, dass ein erheb­li­cher Teil der Aus­fuhr­nach­wei­se in den Jah­ren 1993 bis 1998 von pol­ni­schen Staats­bür­gern nach­ge­fer­tigt bzw. die Aus­fuhr­nach­wei­se mit einem fal­schen Zoll­s­tem­pel ver­se­hen wor­den waren. Pol­ni­sche Staats­bür­ger hat­ten Ein­käu­fe und Aus­fuh­ren vor­ge­spie­gelt, indem sie lie­gen geblie­be­ne Kas­sen­bons auf den Park­plät­zen, in den Ein­kaufs­kör­ben und den Papier­kör­ben der Super­märk­te ein­sam­mel­ten, zum Teil mit gefälsch­ten Vor­dru­cken und gefälsch­ten Zoll­s­tem­peln Aus­fuhr­nach­wei­se “fer­tig­ten”, die­se mit Namen und Anschrift des jewei­li­gen pol­ni­schen Staats­bür­gers ver­sa­hen und die Erstat­tung der Umsatz­steu­er von der Klä­ge­rin bean­trag­ten und gewährt beka­men.

Den von der Klä­ge­rin bean­trag­ten Erlass der nach­ge­for­der­ten Umsatz­steu­er für die Jah­re 1993 bis 1998 lehn­te das Finanz­amt teil­wei­se ab. Der Zeit­raum von 1993 bis 1998, in dem die Klä­ge­rin nicht bemerkt habe, dass ein erheb­li­cher Teil der Aus­fuhr­pa­pie­re von pol­ni­schen Staats­bür­gern nach­ge­fer­tigt und mit einem fal­schen Zoll­s­tem­pel ver­se­hen wor­den sei, sei lang andau­ernd. Zudem sei die Erstat­tung von Umsatz­steu­er in Höhe von 223 390 DM an pol­ni­sche Staats­bür­ger ein erheb­li­cher Scha­den ent­stan­den. Der Scha­den sei nicht durch die fal­sche Aus­kunft der Zoll­be­hör­den ver­ur­sacht wor­den. Die Maß­nah­men, die die Klä­ge­rin ergrif­fen habe, hät­ten nicht aus­ge­reicht. Bei ange­mes­se­ner Sorg­falt hät­te ein über Jah­re andau­ern­der Betrug ver­hin­dert wer­den kön­nen.

Die­ser Auf­fas­sung, so Pas­sau, ver­moch­te der BFH sich nun in letz­ter Instanz nicht anzu­schlies­sen. Im Kern ver­trat das Gericht die Auf­fas­sung, dass die Steu­er­frei­heit für Aus­fuhr­lie­fe­run­gen im sog. Bil­lig­keits­ver­fah­ren zu gewäh­ren ist, wenn zwar — wie hier —  die Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­be­frei­ung nicht vor­lie­gen, dem Steu­er­pflich­ti­gen aus sei­nem Ver­hal­ten aber auch kein Vor­wurf gemacht wer­den kann, da er das Feh­len der Vor­aus­set­zun­gen für die Steu­er­be­frei­ung auch unter der Beach­tung der Sorg­falt eines ordent­li­chen Kauf­man­nes nicht erken­nen konn­te, da die vom Abneh­mer vor­ge­leg­ten Aus­fuhr­nach­wei­se gefälscht waren. Habe der Steu­er­pflich­ti­ge alle ihm zu Gebo­te ste­hen­den zumut­ba­ren Maß­nah­men ergrif­fen, um sicher­zu­stel­len, dass die von ihm getä­tig­ten Umsät­ze nicht zu einer Betei­li­gung an einer Steu­er­hin­ter­zie­hung füh­ren, so sei das Ver­wal­tungs­er­mes­sen hin­sicht­lich der Gewäh­rung einer Bil­lig­keits­maß­nah­me auf Null redu­ziert.

Gleich­wohl mahn­te Pas­sau in sol­chen Fäl­len zu beson­de­rer Vor­sicht, da es hier bis­wei­len auf kleins­te Unter­schie­de und Fein­hei­ten ankom­me, die in der Regel die Ein­ho­lung vor­he­ri­gen steu­er­li­chen und juris­ti­schen Rats erfor­der­lich mache, wobei er u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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