(Kiel) in einem am 8. Okto­ber 2010 ver­öf­fent­lich­ten Urteil zur Ein­kom­men­steu­er (ESt) 2005 hat das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz zur der Fra­ge Stel­lung genom­men, ob Schul­geld, das für den Besuch einer Schu­le in Aus­tra­li­en gezahlt wur­de, bei den Son­der­aus­ga­ben steu­er­min­dernd berück­sich­tigt wer­den kann.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die am 09. Okto­ber 2010 ver­öf­fent­lich­te Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 13. Sep­tem­ber 2010, Az.: 5 K 101010.

Im Streit­fall besuch­te die Toch­ter T des Klä­gers im Streit­jahr 2005 zunächst ein Gym­na­si­um in Rhein­land-Pfalz (10.Klasse). Ab Juli 2005  besuch­te T dann die 11. Klas­se einer Schu­le in Syd­ney. Bei die­ser Schu­le han­delt es sich nicht um eine der von der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz (KMK) aner­kann­ten „Deut­schen Schu­len” in Aus­tra­li­en. In ihrer ESt Erklä­rung 2005 mach­ten die Klä­ger u.a. Auf­wen­dun­gen für den Schul­be­such in Aus­tra­li­en in Höhe von 13.642.- € und für Schul­geld in Höhe von 6.299.-€ gel­tend, was vom Finanz­amt (FA) abge­lehnt wur­de.

Mit der Kla­ge tru­gen die Klä­ger u.a. vor, T sei von ihrer Schu­le beur­laubt wor­den, um vom Juli 2005 bis zum Juli 2006 ein aus­tra­li­sches Gym­na­si­um zu besu­chen. Nach ihrer Rück­kehr habe sie die 12. Klas­se besucht und anschlie­ßend ihre Abitur­prü­fung abge­legt. Die Kos­ten erklär­ten sich vor allem durch die Schul­ge­büh­ren und die Unter­brin­gungs- und Ver­pfle­gungs­kos­ten. Es müs­se den Eltern unbe­nom­men blei­ben, an wel­cher Schu­le sie die Aus­bil­dung ihres Kin­des vor­neh­men lie­ßen; ent­schei­dend sei, ob es sich um eine Schu­le han­de­le, die mit einer regu­lä­ren deut­schen Schu­le ver­gleich­bar sei. Der Schul­be­such im Aus­land sei auch sach­ge­recht, für eine Viel­zahl von Berufs­bil­dern auf dem Arbeits­markt wür­den im Aus­land erlern­te Sprach­kennt­nis­se nach­ge­fragt. Es sei anzu­er­ken­nen, wenn Eltern ihren Kin­dern die­sen Weg eröff­nen wür­den. Die­se Sicht­wei­se habe der Gesetz­ge­ber 2009 (mit Wir­kung ab 2008) inzwi­schen auch für den Schul­be­such in EU-Staa­ten über­nom­men und den Abzug sol­cher Auf­wen­dun­gen grund­sätz­lich zuge­las­sen. Es kön­ne nicht dar­auf ankom­men, dass die von der T in Aus­tra­li­en besuch­te Schu­le von der KMK nicht for­mell aner­kannt wor­den sei.

Die Kla­ge hat­te jedoch kei­nen Erfolg, so Pas­sau.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, Schul­geld kön­ne nach der gesetz­li­chen Rege­lung allen­falls in Höhe von 30% des Ent­gelts — ohne Auf­wen­dun­gen für Beher­ber­gung, Betreu­ung und Ver­pfle­gung, hier also höchs­tens 1.889,- €  — bei den Son­der­aus­ga­ben berück­sich­tigt wer­den, wenn es sich um staat­lich geneh­mig­te oder nach Lan­des­recht erlaub­te Ersatz­schu­len sowie aner­kann­te all­ge­mein bil­den­de Ergän­zungs­schu­len han­deln wür­de. Schon die Anknüp­fung an schul­recht­li­che Begrif­fe wie z.B. „Ersatz­schu­le” mache deut­lich, dass die Qua­li­fi­zie­rung einer Schu­le im Ein­zel­fall nicht den Finanz­äm­tern über­las­sen sei, son­dern dass die­se an die Ent­schei­dun­gen der obers­ten Kul­tus­be­hör­den der Län­der gebun­den sei­en. Neben den Ersatz- und Ergän­zungs­schu­len wür­den auch die von der KMK aner­kann­ten „Deut­schen Schu­len” im Aus­land steu­er­lich geför­dert.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger sei die for­ma­le Aner­ken­nung der im Aus­land befind­li­chen Deut­schen Schu­le durch die Aner­ken­nung der KMK zwin­gend erfor­der­lich, damit der Steu­er­pflich­ti­ge Schul­geld­zah­lun­gen für im nicht­eu­ro­päi­schen Aus­land befind­li­che Schu­len über­haupt als Son­der­aus­ga­ben abzie­hen kön­ne. Das ver­let­ze auch nicht den Gleich­heits­grund­satz, denn nur mit der for­ma­len Aner­ken­nung „Deut­sche Schu­le im Aus­land” durch die KMK sei gewähr­leis­tet, dass die im Aus­land befind­li­chen Schu­len die Kri­te­ri­en der deut­schen schu­li­schen Anfor­de­run­gen erfül­len wür­den. Eine euro­pa­rechts­kon­for­me Aus­le­gung im Sin­ne des Anwen­dungs­vor­rangs des EU-Rechts kom­me nicht in Betracht, da es sich bei der Schu­le in Syd­ney um kei­ne im EU-Aus­land befind­li­che Ersatz­schu­le han­de­le.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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