(Kiel) Nach einem am 07. Juli 2010 ver­öf­fent­lich­ten Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) unter­lie­gen Gut­schrif­ten aus Schnee­ball­sys­te­men bereits dann der Ein­kom­men­steu­er, wenn der Betrei­ber des Sys­tems im Zeit­punkt der Gut­schrift zur Aus­zah­lung bereit und in der Lage gewe­sen wäre. 

Aus der Ableh­nung eines sofor­ti­ge Aus­zah­lungs­wun­sches und Ver­hand­lun­gen über ande­re Zah­lungs­mo­da­li­tä­ten kann aller­dings auf feh­len­de Zah­lungs­be­reit­schaft geschlos­sen wer­den. Damit hat der BFH sei­ne Recht­spre­chung zum Zufluss von sog. “(Schein-)Renditen” aus betrü­ge­ri­schen Schnee­ball­sys­te­men einer­seits bestä­tigt, ande­rer­seits aber auch ein­ge­grenzt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 07. Juli 2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 16. März 2010 — VIII R 407.

Im Streit­fall hat­ten sich Ehe­gat­ten mit mehr als 200.000 DM an einer Geld­an­la­ge betei­ligt, die sich letzt­lich als sog. Schnee­ball­sys­tem ent­pupp­te. In den Streit­jah­ren 1992 bis 1997 erhielt das Ehe­paar aus der Anla­ge tat­säch­li­che Aus­zah­lun­gen (Zin­sen) in Höhe von ca. 195.000 DM sowie ledig­lich gut­ge­schrie­be­ne und sofort wie­der­an­ge­leg­te Erträ­ge in Höhe von 176.960 DM.

Die tat­säch­lich aus­ge­zahl­ten Zin­sen von ca. 195.000 DM sind nach Auf­fas­sung des BFH den Ehe­gat­ten zuge­flos­sen und von ihnen als Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen zu ver­steu­ern, so betont Pas­sau.

Grund­sätz­lich gilt das auch für die ste­hen­ge­las­se­nen, d.h. wie­der­an­ge­leg­ten (Schein-) Ren­di­ten. Der BFH hält dar­an fest, dass Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen selbst dann vor­lie­gen, wenn ein Anle­ger aus dem Kapi­tal ande­rer getäusch­ter Anle­ger (oder gar aus sei­nem eige­nen Anla­ge­ka­pi­tal) eine “Schein­ren­di­te” erhält. Ob die “Schein­ren­di­te” dem Anle­ger zuge­flos­sen ist, hängt ledig­lich davon ab, ob im kon­kre­ten Ein­zel­fall eine Aus­zah­lung hät­te erreicht wer­den kön­nen. Hin­ge­gen kommt es nicht dar­auf an, ob der Schuld­ner (hypo­the­ti­sche) Zah­lun­gen an alle Anle­ger hät­te leis­ten kön­nen.

Im Streit­fall war unklar, ob die Ehe­gat­ten die 1995 bis 1997 gut­ge­schrie­be­nen Schein­ren­di­ten tat­säch­lich hät­ten ver­ein­nah­men kön­nen, zumal ange­sichts des Schrift­ver­kehrs Zwei­fel an der Leis­tungs­be­reit­schaft des Schuld­ners bestan­den. Man­gels aus­rei­chen­der tat­säch­li­cher Fest­stel­lun­gen hat der BFH die Vor­ent­schei­dung daher hin­sicht­lich der Jah­re 1995 bis 1997 auf­ge­ho­ben und die Sache an das Finanz­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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