(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in meh­re­ren Urtei­len ent­schie­den, dass Impor­teu­re süd­ame­ri­ka­ni­scher Bana­nen, die kei­ne für einen Zoll­satz von 75 ECU/t erfor­der­li­che Ein­fuhr­li­zenz besit­zen, den von der EG fest­ge­setz­ten Zoll­satz von 822 ECU/t ent­rich­ten müs­sen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 26.05.2010 ver­öf­fent­lich­te Urtei­le des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 23. Febru­ar 2010 —  VII R 808 u.a.

Die Impor­teu­re könn­ten sich gegen­über die­ser hohen Zoll­be­las­tung nicht dar­auf beru­fen, dass die sog. Bana­nen­markt­ord­nung der Gemein­schaft, die die­sen Zoll­satz ehe­mals vor­sah, mit dem Welt­han­dels­recht (GATT) nicht ver­ein­bar sei, selbst wenn dies bereits mehr­fach von den Streit­schlich­tungs­gre­mi­en der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on (WTO) in ent­spre­chen­den Ver­fah­ren fest­ge­stellt wor­den ist. Sie könn­ten sich zur Abwehr die­ser Zoll­for­de­run­gen eben­so wenig auf das Grund­ge­setz beru­fen.

In den Urtei­len ging es um umfang­rei­che Bana­nen­ein­fuh­ren aus Ecua­dor im Jahr 1995, für wel­che zum Schutz der Bana­nen­pro­duk­ti­on ins­be­son­de­re in den sog. AKP-Staa­ten sowie in der Gemein­schaft selbst hohe, kon­fis­kato­ri­sche Zöl­le ver­hängt wor­den waren. Die Klä­ger hat­ten, offen­bar im Ver­trau­en dar­auf, dass die betref­fen­den Vor­schrif­ten auf­grund ihrer Unver­ein­bar­keit mit dem GATT von den Gerich­ten als nich­tig ange­se­hen wer­den wür­den, gleich­wohl die Bana­nen ein­ge­führt. In den Genuss des gerin­ge­ren Zoll­sat­zes wären sie nur gekom­men, wenn sie eine der von der Gemein­schaft dafür in beschränk­tem Umfang ver­teil­ten Ein­fuhr­li­zen­zen beses­sen hät­ten.

Spä­ter von Impor­teu­ren, aber auch von Mit­glied­staa­ten gegen die Gemein­schaft erho­be­ne Kla­gen, mit denen die GATT-Rechts­wid­rig­keit jener Gemein­schafts­vor­schrif­ten gel­tend gemacht wur­de, hat­ten vor dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) kei­nen Erfolg.

Die­ser urteil­te viel­mehr, der Ein­zel­ne kön­ne sich eben­so wenig wie ein Mit­glied­staat auf die Unver­ein­bar­keit der Bana­nen­markt­ord­nung mit dem GATT und die dazu ergan­ge­nen WTO-Ent­schei­dun­gen beru­fen.

Die Impor­teu­re sehen die­se Recht­spre­chung als Ver­wei­ge­rung von Rechts­schutz an. Sie beru­fen sich auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG), nach der sog. aus­bre­chen­de Rechts­ak­te eines Organs der EU in Deutsch­land kei­ne Gel­tung bean­spru­chen könn­ten. Um einen sol­chen aus­bre­chen­den Rechts­akt han­de­le es sich sowohl bei der Bana­nen­markt­ord­nung als auch ins­be­son­de­re der dazu ergan­ge­nen Recht­spre­chung des EuGH.

Der BFH ist die­sem Vor­brin­gen nicht gefolgt, so betont Pas­sau.

Wie immer die Recht­spre­chung des BVerfG zum aus­bre­chen­den Rechts­akt im Ein­zel­nen genau zu ver­ste­hen sei: die Recht­spre­chung des EuGH sei kein aus­bre­chen­der Rechts­akt, son­dern zumin­dest nach­voll­zieh­bar. Sie ent­spre­che der Rechts­auf­fas­sung zahl­rei­cher Mit­glied- und Dritt­staa­ten und tra­ge dem Umstand Rech­nung, dass die Ver­trags­part­ner des GATT der WTO kei­ne Recht­spre­chungs­ge­walt abge­tre­ten, son­dern unein­ge­schränk­te sou­ve­rä­ne Hoheits­ge­walt behal­ten haben. Die Rechts­ein­heit der Uni­on, der die Errich­tung eines euro­päi­schen Gerichts­hofs mit unbe­ding­ter Recht­spre­chungs­ge­walt die­nen sol­le, wer­de auf­ge­löst, wenn die Ent­schei­dun­gen von den Gerich­ten der Mit­glied­staa­ten über­prüft und am Maß­stab der natio­na­len Ver­fas­sun­gen gemes­sen wür­den.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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