(Kiel) Ein in ein Ein­fa­mi­li­en­haus ein­ge­bau­tes Block­heiz­kraft­werk, mit dem neben Wär­me auch Strom erzeugt wird, der ganz oder teil­wei­se, regel­mä­ßig und nicht nur gele­gent­lich gegen Ent­gelt in das all­ge­mei­ne Strom­netz ein­ge­speist wird, dient der nach­hal­ti­gen Erzie­lung von Ein­nah­men aus der Strom­erzeu­gung und begrün­det damit die Unter­neh­mer­ei­gen­schaft des Betrei­bers.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf ein am 01.04.2009 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 18.12.2008 — AZ.: V R 8007 -.

Hier­bei stel­le der BFH klar, dass eine sol­che Tätig­keit auch dann, unab­hän­gig von der Höhe der erziel­ten Ein­nah­men, die Unter­neh­mer­ei­gen­schaft des Betrei­bers begrün­de, auch wenn die­ser dane­ben nicht ander­wei­tig unter­neh­me­risch tätig sei. Damit sei ihm auch der Vor­steu­er­ab­zug aus der Anschaf­fung des Block­heiz­kraft­werks unter den all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen des § 15 UStG zu gewäh­ren.

In dem Fall ließ der Klä­ger im Sep­tem­ber 2005 in sein von ihm und sei­ner Fami­lie genutz­tes Ein­fa­mi­li­en­haus ein sog. Block­heiz­kraft­werk ein­bau­en. Ein Block­heiz­kraft­werk dient der gleich­zei­ti­gen Erzeu­gung von Strom und Wär­me in einem Gebäu­de (sog. Kraft-Wär­me-Kopp­lung). Dabei wird mit einem Ver­bren­nungs­mo­tor zunächst mecha­ni­sche Ener­gie erzeugt und die­se dann durch einen Gene­ra­tor in Strom umge­wan­delt. Die anfal­len­de Abwär­me des Gene­ra­tors und des Motors wird unmit­tel­bar vor Ort zum Hei­zen des Gebäu­des und für die Warm­was­ser­be­rei­tung in dem Gebäu­de ver­wen­det. Der selbst­er­zeug­te Strom wird in der Regel inso­weit in das öffent­li­che Netz ein­ge­speist, als er nicht in dem Gebäu­de ver­braucht wird.

Der Klä­ger schloss mit einem Strom­ver­sor­ger einen “Strom­ein­spei­se­ver­trag”, wonach er die in sei­ner “Eigen­erzeu­gungs­an­la­ge (Block­heiz­kraft­werk)” erzeug­te elek­tri­sche Ener­gie in Form von Dreh­strom zu einem fest­ge­leg­ten Preis in des­sen Netz lie­fer­te. Im Streit­jahr 2005 erzeug­te der Klä­ger mit dem Block­heiz­kraft­werk ins­ge­samt 5 509 kwm Strom, wovon 80 % an das Strom­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men X gelie­fert und 20 % im Ein­fa­mi­li­en­haus des Klä­gers ver­braucht wur­den.

Im Rah­men einer Umsatz­steu­er-Son­der­prü­fung kam die Prü­fe­rin zu dem Ergeb­nis, dass der Klä­ger mit dem Betrieb des Block­heiz­kraft­werks nicht die Unter­neh­mer­ei­gen­schaft erfül­le. Denn sei­ne jähr­li­chen Ein­nah­men aus Strom­lie­fe­run­gen an die X könn­ten nicht mehr als 1 800 € (brut­to) betra­gen. Bei Ein­nah­men aus dem Betrieb eines Block­heiz­kraft­werks von jähr­lich unter ca. 3 000 € sei die wirt­schaft­li­che Tätig­keit von so gerin­ger Inten­si­tät, dass sie kei­ne umsatz­steu­er­recht­li­che Unter­neh­mer­ei­gen­schaft begrün­den kön­ne.

Die­ser Auf­fas­sung des Finanz­am­tes folg­ten jedoch sowohl zunächst das Finanz­ge­richt und nun auch der Bun­des­fi­nanz­hof nicht, betont Pas­sau.

Gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 UStG sei Unter­neh­mer, wer eine gewerb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit selb­stän­dig aus­übe. Gewerb­lich oder beruf­lich sei nach § 2 Abs. 1 Satz 3 UStG jede nach­hal­ti­ge Tätig­keit zur Erzie­lung von Ein­nah­men, auch wenn die Absicht, Gewinn zu erzie­len, feh­le. Bei richt­li­ni­en­kon­for­mer Anwen­dung müs­se dabei eine wirt­schaft­li­che Tätig­keit (Art. 4 Abs. 1, Abs. 2 der Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17. Mai 1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/388/EWG — Richt­li­nie 77/388/EWG -) aus­ge­übt wer­den.

Der Betrieb eines Block­heiz­kraft­werks in einem Ein­fa­mi­li­en­haus erfül­le die­se Vor­aus­set­zun­gen, wenn er als Nut­zung eines Gegen­stands (Art. 4 Abs. 2 Satz 2 der Richt­li­nie 77/388/EWG) der nach­hal­ti­gen Erzie­lung von Ein­nah­men die­ne.

Pas­sau emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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