(Kiel) Am 17.06.2009 fand eine außer­ge­wöhn­li­che Ver­hand­lung im Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richt statt: Ein Braun­schwei­ger Erleb­nis­füh­rer — “Nacht­wäch­ter Hugo” — erschien in “Arbeits­klei­dung” (mit Horn und Hel­le­bar­de) als Nacht­wäch­ter im Gericht und gab eine Kost­pro­be sei­nes Schaf­fens.

Grund die­ser außer­ge­wöhn­li­chen Vor­stel­lung, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel:  Nacht­wäch­ter Hugo begehr­te für sei­ne Tätig­keit als Erleb­nis­füh­rer der Stadt Braun­schweig den ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buch­sta­be a UStG von 7 %. Die Vor­schrift begüns­tigt mit Thea­ter­vor­füh­run­gen ver­gleich­ba­re Dar­bie­tun­gen aus­üben­der Künst­ler.

Lei­der, so Pas­sau, ver­moch­te das Finanz­ge­richt trotz der ein­drucks­vol­len Vor­stel­lung dem Begeh­ren nicht nach­kom­men. Die Tätig­keit von “Nacht­wäch­ter Hugo” unter­liegt nicht dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz, son­dern dem Nor­mal­steu­er­satz von der­zeit 19%.

Zur Begrün­dung ver­wies das Gericht dar­auf, dass die Tätig­keit des Klä­gers zwar durch­aus künst­le­ri­sche Ele­men­te auf­wei­se; gleich­wohl kom­me eine nach dem Umsatz­steu­er­ge­setz begüns­tig­te Leis­tung nur dann in Betracht, wenn die Thea­ter­vor­füh­rung den eigent­li­chen Zweck der Ver­an­stal­tung aus­ma­che. Dies sei hier nicht der Fall, denn letzt­lich beinhal­te die Tätig­keit des Klä­gers bei einer Gesamt­be­trach­tung auch die Merk­ma­le eines Stadt­füh­rers.

Dass sei­ne Füh­run­gen durch­aus auch Thea­ter­auf­füh­run­gen ähnel­ten, sei nicht ent­schei­dend, weil letzt­lich auf die­se — sehr unter­halt­sa­me — Wei­se den Gäs­ten der Stadt Braun­schweig Wis­sen über die Stadt­ge­schich­te und das Leben der Men­schen im Mit­tel­al­ter ver­mit­telt wer­den sol­le. In der­ar­ti­gen Fäl­len kom­me die Anwen­dung des ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­sat­zes nur dann in Betracht, wenn die Thea­ter­vor­füh­rung im Vor­der­grund ste­he und jede ande­re Leis­tung von völ­lig unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sei. Im vor­lie­gen­den Fall stün­den jedoch Thea­ter­vor­füh­rung und Stadt­füh­rung gleich­be­deu­tend neben­ein­an­der.

Das Gericht hat die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof nicht zuge­las­sen. Es han­de­le sich um die Wür­di­gung eines Ein­zel­sach­ver­hal­tes und nicht um eine Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung. (Urteil des FG Nie­der­sach­sen vom 17.06.2009, Az.: 5 K 232/08)

Pas­sau emp­fahl, das Urteil für ähn­li­che Fäl­le zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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