(Kiel) Das Finanz­ge­richt (FG) Rhein­land-Pfalz hat soeben zu dem Pro­blem Stel­lung genom­men, wel­che Aus­wir­kun­gen die Ver­wen­dung einer mög­li­cher­wei­se unvoll­stän­di­gen Steu­er­soft­ware auf die Fra­ge hat, ob gro­bes Ver­schul­den gege­ben ist, wenn in der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung Anga­ben zu Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten unter­las­sen wer­den.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 11.10.2011 zu sei­nem Urteil zur Ein­kom­men­steu­er 2008 vom 30. August 2011 (Az.: 3 K 267410).

Im Streit­fall hat­te der Klä­ger sei­ne Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2008 unter Ver­wen­dung eines han­dels­üb­li­chen Steu­er­erklä­rungs­pro­gramms xy erstellt und dann mit­tels des von der Finanz­ver­wal­tung bereit­ge­stell­ten Els­ter­For­mu­lars elek­tro­nisch an das Finanz­amt (FA) über­mit­telt; danach wur­de die vom Klä­ger unter­schrie­be­ne kom­pri­mier­te Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung dem FA nach­ge­reicht. Dar­auf hin erging im Novem­ber 2009 der Ein­kom­men­steu­er­be­scheid 2008. Im Mai 2010 bean­trag­te der Klä­ger, den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid 2008 zu sei­nen Guns­ten zu ändern. In der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2008 sei­en Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten in Höhe von rd. 4.000.- € bis­her nicht ange­ge­ben wor­den. Auf­grund der ver­wir­ren­den Steu­er­vor­schrif­ten sei ihm bei Erstel­lung der Steu­er­erklä­rung 2008 nicht bewusst gewe­sen, dass die­se Kos­ten hät­ten gel­tend gemacht wer­den kön­nen. Die­ser Ände­rungs­an­trag wur­de vom FA mit der Begrün­dung abge­lehnt, dass den Klä­ger am nach­träg­li­chen Bekannt­wer­den der Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten ein die begehr­te Ände­rung aus­schlie­ßen­des gro­bes Ver­schul­den tref­fe. Der Umstand, dass dem Klä­ger die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gungs­fä­hig­keit die­ser Auf­wen­dun­gen unbe­kannt gewe­sen sei, stün­de einem gro­ben Ver­schul­den nicht ent­ge­gen, da sich die steu­er­li­che Begüns­ti­gung auch einem Fachun­kun­di­gen durch die Anla­ge Kind habe auf­drän­gen müs­sen, außer­dem hät­te er sich auch in den Erläu­te­run­gen zur Steu­er­erklä­rung infor­mie­ren kön­nen.

Mit der gegen die Ent­schei­dung des FA gerich­te­ten Kla­ge trug der Klä­ger u.a. vor, er habe sei­ne Steu­er­erklä­rung mit dem han­dels­üb­li­chen Steu­er­erklä­rungs­pro­gramm xy erstellt, bei dem das Steuer­for­mu­lar selbst nicht mehr auto­ma­tisch ange­zeigt wer­de, son­dern das Pro­gramm durch ein eige­nes Menü füh­re. 

 Die Kla­ge hat­te jedoch kei­nen Erfolg, so Pas­sau.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, grob fahr­läs­si­ges Han­deln lie­ge ins­be­son­de­re vor, wenn ein Steu­er­pflich­ti­ger sei­ner Erklä­rungs­pflicht nur unzu­rei­chend nach­kom­me, indem er unvoll­stän­di­ge Steu­er­erklä­run­gen abge­be. Auf einen die gro­be Fahr­läs­sig­keit aus­schlie­ßen­den Rechts­irr­tum kön­ne sich der Steu­er­pflich­ti­ge aller­dings dann nicht beru­fen, wenn er eine im Steu­er­erklä­rungs­for­mu­lar aus­drück­lich gestell­te, auf einen bestimm­ten Vor­gang bezo­ge­ne und für ihn ver­ständ­li­che Fra­ge nicht beant­wor­te. Das gel­te nach stän­di­ger Recht­spre­chung auch für steu­er­recht­lich nicht aus­ge­bil­de­te Lai­en. Im Streit­fall lie­ge gro­bes Ver­schul­den vor. Im amt­li­chen Steu­er­erklä­rungs­for­mu­lar wer­de aus­drück­lich nach Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten gefragt, in der Anlei­tung zur Steu­er­erklä­rung wür­den wei­te­re Ein­zel­hei­ten erläu­tert. Bereits nach all­ge­mei­nem Sprach­ge­brauch und Ver­ständ­nis stell­ten Auf­wen­dun­gen für den Besuch von Kin­der­ta­ges­stät­ten Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten dar. Der Klä­ger kön­ne sich auch nicht dar­auf beru­fen, die von ihm ver­wen­de­te Steu­er­soft­ware habe wegen einer ande­ren Menü­füh­rung kei­ne Fra­ge nach Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten ange­zeigt. Das Gericht habe dar­auf ver­zich­tet, die vom Klä­ger ver­wen­de­te Steu­er­soft­ware dahin­ge­hend zu unter­su­chen, ob in der eige­nen Menü­füh­rung der Soft­ware kei­ne aus­drück­li­che Fra­ge nach Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten ange­zeigt wer­de und ob die­se Soft­ware abwei­chend von den Ein­ga­be­mög­lich­kei­ten im Els­ter­For­mu­lar kei­ne Ein­ga­be­mög­lich­keit für Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten bei fort­lau­fen­den Ein­tra­gun­gen vor­se­he, weil dies letzt­lich nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich sei. Denn nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs habe der Steu­er­pflich­ti­ge auch ein Ver­schul­den sei­nes steu­er­li­chen Bera­ters bei der Anfer­ti­gung der Steu­er­erklä­rung zu ver­tre­ten. Nach Ansicht des FG Rhein­land-Pfalz gel­ten die­se Grund­sät­ze auch dann, wenn ein Steu­er­pflich­ti­ger zur Anfer­ti­gung sei­ner Steu­er­erklä­rung eine ande­re als die amt­lich bereit­ge­stell­te Steu­er­soft­ware ver­wen­det. Soweit die­se Steu­er­soft­ware nicht über den Funk­ti­ons­um­fang der amt­lich bereit­ge­stell­ten Steu­er­erklä­rungs­soft­ware ver­fü­ge, so habe der Steu­er­pflich­ti­ge das Risi­ko einer feh­len­den Fra­ge­stel­lung zu tra­gen.

Die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen, das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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