(Kiel) Nach einem soeben ver­öf­fent­lich­ten Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs ist es mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes ver­ein­bar, dass nach § 7 Satz 2 des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes (GewStG) Gewin­ne, die bei der Ver­äu­ße­rung von Antei­len an einer gewerb­li­chen Per­so­nen­ge­sell­schaft durch eine nicht natür­li­che Per­son erzielt wer­den, der Gewer­be­steu­er unter­lie­gen, wäh­rend Ver­äu­ße­run­gen durch eine natür­li­che Per­son nicht mit Gewer­be­steu­er belas­tet sind.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die am 13. Okto­ber 2010 ver­öf­fent­lich­te Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 22. Juli 2010 — IV R 2907.

Zwar sei­en — so das Urteil — Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung von Per­so­nen­ge­sell­schafts­an­tei­len (sog. Mit­un­ter­neh­mer­an­tei­len) durch natür­li­che Per­so­nen nicht gewer­be­steu­er­pflich­tig. Der Gesetz­ge­ber dürf­te aber nicht nur zwi­schen natür­li­chen Per­so­nen und Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten dif­fe­ren­zie­ren und den von Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten aus der Ver­äu­ße­rung ihrer Mit­un­ter­neh­mer­an­tei­le erziel­ten Gewinn der Gewerb­steu­er unter­wer­fen. Dar­über hin­aus habe der Gesetz­ge­ber sei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Gestal­tungs­spiel­raum nicht dadurch ver­letzt, dass er den von einer Ober­per­so­nen­ge­sell­schaft erziel­ten Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung ihrer Betei­li­gung an einer Unter­per­so­nen­ge­sell­schaft auch inso­weit mit Gewer­be­steu­er belas­tet habe, als an der Ober­per­so­nen­ge­sell­schaft natür­li­che Per­so­nen betei­ligt sind. Zum einen wür­den sol­che mit­tel­bar — d. h. über die Ober­per­so­nen­ge­sell­schaft — an der Unter­per­so­nen­ge­sell­schaft betei­lig­te natür­li­che Per­so­nen durch die Anrech­nung der Gewer­be­steu­er auf die Ein­kom­men­steur ent­las­tet. Zum ande­ren habe sich der Gesetz­ge­ber davon lei­ten las­sen dür­fen, dass die Fest­stel­lung der mit­tel­ba­ren Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se mit unver­hält­nis­mä­ßi­gen Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den sein kön­ne.

Das Urteil führt schließ­lich auch aus, so Pas­sau, dass die Anwen­dung des — ab dem Jah­re 2002 zu beach­ten­den — § 7 Satz 2 GewStG, der auf das im Dezem­ber 2001 ver­ab­schie­de­te Unter­neh­mens­steu­er­fort­ent­wick­lungs­ge­setz zurück­geht, im Streit­fall nicht des­halb gegen das ver­fas­sungs­recht­li­che Rück­wir­kungs­ver­bot ver­stößt, weil die Gesell­schaf­ter bereits im Sep­tem­ber 2001 beschlos­sen hat­ten, ihre Per­so­nen­ge­sell­schafts­an­tei­le zum 1. Febru­ar 2002 abzu­tre­ten. Da die Ent­schei­dung des BFH auf der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. Juli 2010 beruh­te und zu die­sem Zeit­punkt die Beschlüs­se des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG) vom 7. Juli 2010, die sich grund­sätz­lich mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Gren­zen rück­wir­ken­der Steu­er­ge­set­ze befas­sen, noch nicht ver­öf­fent­licht waren, konn­ten die Erwä­gun­gen des BVerfG vom BFH aller­dings nicht (mehr) berück­sich­tigt wer­den.

Pas­sau emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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