(Kiel) Dient eine Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­rung der Rück­zah­lung von Dar­le­hen, die zum Erwerb von Miet­grund­stü­cken auf­ge­nom­men wor­den sind, so sind die Zin­sen für ein zur Finan­zie­rung der Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge auf­ge­nom­me­nes Dar­le­hen als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung abzieh­bar.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf ein am 29.04.2009 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 25. Febru­ar 2009, Az.: IX R 6207.

In dem Fall nahm der Klä­ger im Zusam­men­hang mit dem Kauf ver­schie­de­ner, zu Ver­mie­tungs­zwe­cken vor­ge­se­he­ner Immo­bi­li­en Dar­le­hen auf, deren Rück­zah­lung durch gleich­zei­tig abge­schlos­se­ne Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen mit einer Min­dest­lauf­zeit von 12 Jah­ren erfol­gen soll­te. Die Ansprü­che aus den Lebens­ver­si­che­run­gen wur­den an die finan­zie­ren­den Kre­dit­in­sti­tu­te abge­tre­ten. Die Ver­si­che­rungs­prä­mi­en finan­zier­te der Klä­ger durch ver­zins­li­che Dar­le­hen, wodurch jähr­lich Auf­wen­dun­gen zwi­schen 4 066 DM und 73 177 DM ent­stan­den.

Das Finanz­amt erkann­te die Finan­zie­rungs­kos­ten der Lebens­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge nicht als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung an. Ein­spruch und Kla­ge blie­ben ohne Erfolg.

Mit sei­ner Revi­si­on, so betont Pas­sau, hat­te der Klä­ger aller­dings nun Erfolg.

Zu Unrecht habe das Finanz­ge­richt die gel­tend gemach­ten Schuld­zin­sen im Grund­satz nicht als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung zum Abzug zuge­las­sen. Wer­bungs­kos­ten sei­en nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung der Ein­nah­men. Dies gel­te auch für Schuld­zin­sen, soweit sie mit einer Ein­kunfts­art in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang ste­hen. Ein Abzug die­ser Auf­wen­dun­gen als Son­der­aus­ga­ben kom­me dann nicht in Betracht.

Als abzieh­ba­re Wer­bungs­kos­ten müs­sen Schuld­zin­sen für eine Ver­bind­lich­keit geleis­tet wor­den sein, die durch die Ein­künf­te­er­zie­lung — hier aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung — ver­an­lasst ist. So ver­hal­te es sich, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge ein Dar­le­hen tat­säch­lich dazu ver­wen­de, um Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung zu erzie­len, ins­be­son­de­re indem er damit Anschaf­fungs­kos­ten eines der Ein­künf­te­er­zie­lung die­nen­den Gebäu­des finan­zie­re. Ein allein recht­li­cher Zusam­men­hang — etwa auf­grund einer Besi­che­rung des Grund­stücks — rei­che  eben­so wenig aus wie eine blo­ße gedank­li­che Zuwei­sung des Steu­er­pflich­ti­gen.

Schlie­ße der Erwer­ber eines Grund­stücks zur Siche­rung des Kauf­prei­ses eine Risi­ko­le­bens­ver­si­che­rung ab, so füh­ren zwar die Prä­mi­en selbst nach stän­di­ger Recht­spre­chung nicht zu Wer­bungs­kos­ten. Anders ver­hal­te es sich aber mit den Schuld­zin­sen, die der Erwer­ber auf­wen­den müs­se, weil er die Prä­mi­en­zah­lun­gen ihrer­seits durch Dar­le­hen finan­ziert habe. Wäh­rend mit den Ver­si­che­rungs­bei­trä­gen die Anschaf­fungs­dar­le­hen getilgt wer­den und sie des­halb zum pri­va­ten Ver­mö­gens­be­reich des Dar­le­hens­neh­mers zäh­len, die­nen die hier strei­ti­gen Schuld­zin­sen der Finan­zie­rung der Til­gung der Anschaf­fungs­kos­ten und sind des­halb in glei­cher Wei­se zu beur­tei­len wie Schuld­zin­sen für ein Anschaf­fungs­dar­le­hen.

Die Finan­zie­rung der Ver­mie­tungs­ob­jek­te über Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen sei Bestand­teil eines ein­heit­li­chen Gesamt­kon­zepts zur Finan­zie­rung der Anschaf­fungs­kos­ten. Wenn Dar­le­hen aus­schließ­lich zur Finan­zie­rung der Lebens­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge auf­ge­nom­men wer­den, die­nen sie der Til­gung von Dar­le­hen, mit denen die Anschaf­fungs­kos­ten der zu ver­mie­ten­den Immo­bi­li­en finan­ziert wer­den. Ent­schei­de sich der Steu­er­pflich­ti­ge — anstel­le einer Lang­frist­fi­nan­zie­rung allein durch Dar­le­hen — für eine kür­ze­re Lauf­zeit der Finan­zie­rung unter Ein­satz von Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen, so wür­de sei­ne Finan­zie­rungs­frei­heit in unver­hält­nis­mä­ßi­ger Wei­se ein­ge­schränkt, wenn der wegen der kür­ze­ren Finan­zie­rungs­zeit höhe­re Finan­zie­rungs­auf­wand nicht rea­li­täts­ge­recht berück­sich­tigt wür­de.

Pas­sau emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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