(Kiel) Die durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 rück­wir­kend ange­ord­ne­te Besteue­rung von Zin­sen, die der Fis­kus auf Steu­er­erstat­tun­gen zahlt, ist nach Ansicht des 5. Sena­tes des Finanz­ge­richts Müns­ter ver­fas­sungs­ge­mäß.

Das, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, hat das Finanz­ge­richt (FG) Müns­ter in einem am 17.01.2011 ver­öf­fent­lich­ten Urteil vom 16. Dezem­ber 2010 — 5 K 362603 E — ent­schie­den.

Die Klä­ger hat­ten im Streit­jahr auf­grund von Ein­kom­men­steu­er­erstat­tun­gen sog. Erstat­tungs­zin­sen (§ 233a AO) vom Finanz­amt erhal­ten. Aller­dings muss­ten sie gleich­zei­tig wegen Steu­er­for­de­run­gen für ande­re Jah­re sog. Nach­zah­lungs­zin­sen zah­len. Die Klä­ger waren der Mei­nung, dass ent­we­der die Erstat­tungs­zin­sen steu­er­frei oder aber die Nach­zah­lungs­zin­sen steu­er­lich absetz­bar sei­en.

Die­se Auf­fas­sung teilt der 5. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter nicht, so Pas­sau.

Er hat viel­mehr ent­schie­den, dass Erstat­tungs­zin­sen nach der durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 vom 8. Dezem­ber 2010 geän­der­ten Fas­sung des § 20 Abs. 1 Nr. 7 Satz 3 EStG steu­er­pflich­ti­ge Erträ­ge aus Kapi­tal­for­de­run­gen sind. Die Geset­zes­än­de­rung sei — dies sehe das Jah­res­steu­er­ge­setz vor — auf alle Fäl­le anwend­bar, in denen die Steu­er noch nicht rechts­kräf­tig fest­ge­setzt sei. Sie gel­te daher auch im Streit­fall. Die sich hier­aus erge­ben­de Rück­wir­kung der Neu­re­ge­lung ver­sto­ße nicht gegen die Ver­fas­sung. Zwar sei eine ech­te Rück­wir­kung nur unter engen Vor­aus­set­zun­gen zuläs­sig. Die­se sei­en im Streit­fall aber gege­ben, denn der Gesetz­ge­ber habe mit der Neu­re­ge­lung ledig­lich eine Geset­zes­la­ge geschaf­fen, die der — vor der Ände­rung der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes — gefes­tig­ten Recht­spre­chung und Rechts­pra­xis ent­spre­che.

Ursprüng­lich sei­en Erstat­tungs­zin­sen von der Recht­spre­chung als Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen ange­se­hen wor­den. Die­se Recht­spre­chung habe der Bun­des­fi­nanz­hof erst in einer Ent­schei­dung vom 15. Juni 2010 auf­ge­ge­ben. Hier­auf habe der Gesetz­ge­ber reagiert und mit der Ände­rung des § 20 Abs. 1 Nr. 7 Satz 3 EStG die vor­mals gel­ten­de Rechts­la­ge wie­der her­ge­stellt.

Soweit die Klä­ger hilfs­wei­se die Berück­sich­ti­gung der von ihnen ent­rich­te­ten Nach­zah­lungs­zin­sen als Son­der­aus­ga­ben begehr­ten, blieb die Kla­ge eben­falls ohne Erfolg. Die ursprüng­li­che Abzugs­mög­lich­keit bestehe — so das Gericht — bereits seit 1999 nicht mehr. Die kla­re gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung, einer­seits Erstat­tungs­zin­sen als Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen zu besteu­ern und ande­rer­seits Nach­zah­lungs­zin­sen nicht zum Abzug zuzu­las­sen, sei nicht zu bean­stan­den. Der Gesetz­ge­ber sei nicht ver­pflich­tet, par­al­le­le Rege­lun­gen zu schaf­fen.

Der 5. Senat hat die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen. Das Revi­si­ons­ver­fah­ren wird dort unter dem Akten­zei­chen VIII R 111 geführt.

Pas­sau emp­fahl, den Fort­gang beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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