(Kiel) Das Finanz­ge­richt Müns­ter hat in einem am 14. Juli 2010 ver­öf­fent­lich­ten Urteil eine kla­re Abgren­zung getrof­fen zwi­schen einer erst­ma­li­gen Berufs­aus­bil­dung, deren Kos­ten steu­er­lich nur begrenzt berück­sich­tigt wer­den, und einer wei­te­ren Aus­bil­dung, deren Kos­ten voll abzugs­fä­hig sind.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 14. Juli 2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Finanz­ge­richts (FG) Müns­ter vom 6. Mai 2010 — 3 K 334707 F.

Im Streit­fall hat­te der Klä­ger im Rah­men des Zivil­diens­tes über meh­re­re Mona­te eine Aus­bil­dung zum Ret­tungs­sa­ni­tä­ter absol­viert. Im Jahr 2005 begann er eine Aus­bil­dung zum Ver­kehrs­flug­zeug­füh­rer und zahl­te hier­für über 30.000 EUR. Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit erziel­te der Klä­ger erst ab Ende 2006, nach­dem er eine Tätig­keit als Pilot auf­ge­nom­men hat­te. Das Finanz­amt setz­te die Ein­kom­men­steu­er für das Jahr 2005 auf 0 EUR fest und berück­sich­tig­te hier­bei die Kos­ten der Pilo­ten­aus­bil­dung als Auf­wen­dun­gen für eine erst­ma­li­ge Berufs­aus­bil­dung des Klä­gers nur als Son­der­aus­ga­ben in Höhe von 4.000 EUR. Einen Ver­lust­vor­trag in Fol­ge­jah­re und damit eine Berück­sich­ti­gung der Auf­wen­dun­gen in den Jah­ren, in denen der Klä­ger Ein­künf­te als Pilot erziel­te, lehn­te es ab.

Hier­ge­gen wand­te sich der Klä­ger. Er ist der Auf­fas­sung, sei­ne Auf­wen­dun­gen für die Pilo­ten­aus­bil­dung sei­en als vor­weg­ge­nom­me­ne Wer­bungs­kos­ten in vol­ler Höhe zu berück­sich­ti­gen. Für das Jahr 2005 sei daher ein Ver­lust fest­zu­stel­len, der in den Fol­ge­jah­ren zu sei­nen Guns­ten zu berück­sich­ti­gen sei. § 12 Nr. 5 EStG ste­he dem nicht ent­ge­gen, da sei­ne Aus­bil­dung zum Ret­tungs­sa­ni­tä­ter als Erst­aus­bil­dung anzu­se­hen sei.

Dem, so Pas­sau, hat sich der 3. Senat des FG Müns­ter nicht ange­schlos­sen.

Er ist viel­mehr der Mei­nung, dass eine Erst­aus­bil­dung im Sin­ne des § 12 Nr. 5 EStG nur vor­lie­ge, wenn es sich um eine Aus­bil­dung in einem aner­kann­ten Aus­bil­dungs­be­ruf (Aus­bil­dung z.B. nach dem Berufs­bil­dungs­ge­setz oder der Hand­werks­ord­nung) han­de­le. Dies sei der Fall, wenn der Beruf durch eine Aus­bil­dung im Rah­men eines öffent­lich-recht­lich geord­ne­ten oder hier­zu ver­gleich­ba­ren Aus­bil­dungs­gan­ges erlernt wer­de und deren Dau­er bei einer Voll­zeit­aus­bil­dung min­des­tens zwei Jah­re betra­ge. Hier­an feh­le es bei der Aus­bil­dung des Klä­gers zum Ret­tungs­sa­ni­tä­ter. Daher sei die Pilo­ten­aus­bil­dung des Klä­gers als erst­ma­li­ge Berufs­aus­bil­dung anzu­se­hen. Ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken an der Rege­lung des § 12 Nr. 5 EStG sah der 3. Senat nicht. Wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Rechts­sa­che hat das Gericht die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies und einen mög­li­chen Fort­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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