(Kiel) Nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Müns­ter unter­lie­gen auch Ren­ten, die für vor­an­ge­gan­ge­ne Jah­re im Jahr 2005 nach­ge­zahlt wer­den, der durch das Alters­ein­künf­te­ge­setz ein­ge­führ­ten Besteue­rung, d.jh. sie sind mit einem Anteil von 50% zu ver­steu­ern.

Hier­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 16. August 2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Finanz­ge­richts (FG) Müns­ter vom 22. April 2010 — 8 K 78307 E.

Im Streit­fall erhielt der Klä­ger Ren­ten­zah­lun­gen aus einer gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Im Streit­jahr 2005 bezog er neben lau­fen­den Ren­ten­leis­tun­gen auch Nach­zah­lun­gen für das Jahr 2003. Wäh­rend der Klä­ger der Auf­fas­sung war, dass die Nach­zah­lung nach Maß­ga­be der im Jahr 2003 gel­ten­den Bestim­mun­gen ledig­lich mit einem Ertrags­an­teil von 32% der Besteue­rung unter­lie­ge, unter­warf das Finanz­amt nicht nur die lau­fen­den Leis­tun­gen, son­dern auch die Ren­ten­nach­zah­lung mit einem Anteil von 50% der Besteue­rung.

Der 8. Senat des FG Müns­ter erach­tet dies als zutref­fend, so Pas­sau.

Die Ren­ten­zah­lun­gen des Klä­gers sei­en nach Maß­ga­be der im Streit­jahr gel­ten­den Rege­lun­gen des Alters­ein­künf­te­ge­set­zes mit einem Anteil von 50% der Besteue­rung zu unter­wer­fen (§ 22 Nr. 1 Satz 3 a) aa) EStG). Dies gel­te unab­hän­gig davon, ob die Ren­ten­zah­lun­gen auf den Zeit­raum 2005 oder aber davor lie­gen­de Jah­re ent­fie­len. Auch für die Besteue­rung von Ren­ten­nach­zah­lun­gen gel­te das sog. Zufluss­prin­zip (§ 11 EStG). Zwar wären die Ren­ten­nach­zah­lun­gen bei recht­zei­ti­ger Zah­lung im Jahr 2003 ledig­lich mit dem nied­ri­ge­ren Ertrags­an­teil besteu­ert wor­den. Dies sei jedoch für die im Streit­jahr vor­zu­neh­men­de Besteue­rung nicht maß­ge­bend. Der Wort­laut des § 22 EStG sehe viel­mehr vor, Ren­ten, die vor 2005 ent­stan­den sei­en, mit einem Anteil von (min­des­tens) 50% der Steu­er zu unter­wer­fen. Damit sei­en auch Ren­ten­nach­zah­lun­gen erfasst. Eine Aus­le­gung des § 22 EStG im Sin­ne des Klä­gers sei — anders als dies das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt mei­ne — nicht zuläs­sig, da es an einer hier­für erfor­der­li­chen Geset­zes­lü­cke feh­le. Das Gesetz erfas­se die Ren­ten­nach­zah­lun­gen nicht unge­wollt.

Der Senat konn­te weder einen Ver­stoß gegen das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot fest­stel­len noch erkann­te er eine Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers, eine Über­gangs­re­ge­lung zu schaf­fen, nach der für Ren­ten­nach­zah­lun­gen die ursprüng­lich gel­ten­de güns­ti­ge­re Ertrags­wert­be­steue­rung fort­be­steht. Eine sol­che Ver­pflich­tung schei­de bereits in Anbe­tracht der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der bis zum Jahr 2005 gel­ten­den Rege­lun­gen über die Ertrags­wert­be­steue­rung aus. Das Gericht hat die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und
geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
Pas­sau, Nie­mey­er & Col­le­gen
Walk­er­damm 1
24103 Kiel
Tel:  0431 — 974 3010
Fax: 0431 — 974 3055
Email: info@duv-verband.de
www.duv-verband.de