(Kiel) Die steu­er­li­che Haf­tung eines Drit­ten mit Gegen­stän­den, die er einem insol­ven­ten Unter­neh­men zur Nut­zung über­las­sen hat, ist begrenzt.

Der 5. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter hat soeben klar­ge­stellt, dass eine Haf­tung für die Steu­er­schul­den des Unter­neh­mens nach § 74 AO nur in Betracht kommt, wenn der Drit­te zum Zeit­punkt sei­ner Inan­spruch­nah­me noch Eigen­tü­mer die­ser Gegen­stän­de ist — ein Zugriff auf den Ver­äu­ße­rungs­er­lös ist rechts­wid­rig.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die am 15. Okto­ber 2010 vor­ge­stell­ten Ent­schei­dun­gen des Finanz­ge­richts (FG) Müns­ter vom 2. Sep­tem­ber 2010 (5 K 411008 U, 5 K 411208 U).

In den Streit­fäl­len hat­te das Finanz­amt die Klä­ger als Gesell­schaf­ter einer GmbH & Co KG gem. § 74 AO in Haf­tung genom­men. Sie soll­ten für Steu­er­schul­den der insol­ven­ten GmbH & Co KG in sechs­stel­li­ger Höhe ein­ste­hen. Die Haf­tung war dabei zwar auf ehe­mals betrieb­lich genutz­te Grund­stü­cke und sons­ti­ge Gegen­stän­de des beweg­li­chen Anla­ge­ver­mö­gens beschränkt, die die Klä­ger an die GmbH & Co KG ver­pach­tet hat­ten. Da aber die Klä­ger die Grund­stü­cke und das Anla­ge­ver­mö­gen nach Ein­lei­tung des Insol­venz­ver­fah­rens über das Ver­mö­gen der GmbH & Co KG ver­kauft hat­ten, woll­te das Finanz­amt nun­mehr ersatz­wei­se auf den Ver­kaufs­er­lös zugrei­fen.

Der 5. Senat hat nun­mehr klar­ge­stellt, dass der Haf­tungs­schuld­ner zumin­dest im Zeit­punkt der Gel­tend­ma­chung der Haf­tung noch Eigen­tü­mer des Haf­tungs­ge­gen­stan­des sein müs­se, so Pas­sau.

Wer­de der Gegen­stand aller­dings — wie im Streit­fall — vor Erlass des Haf­tungs­be­scheids ver­äu­ßert, schei­de eine Haf­tung gem. § 74 AO aus. Dies erge­be sich dar­aus, dass die Haf­tung nach § 74 AO zwar eine per­sön­li­che, zugleich aber auch eine gegen­ständ­lich beschränk­te Haf­tung sei. Einen haf­tungs­recht­li­chen Zugriff auf den Erlös aus dem Ver­kauf des Haf­tungs­ge­gen­stan­des lehn­te das Gericht ab. Ein sol­cher sei bereits nicht mit dem Wort­laut der Norm ver­ein­bar, wonach gera­de „mit” dem Gegen­stand gehaf­tet wer­de. Außer­dem ken­ne auch das Zivil­recht kein all­ge­mei­nes Prin­zip, das einen unein­ge­schränk­ten Zugriff auf den Ver­kaufs­er­lös erlau­be.

Das Gericht hat — mit Blick auf eine abwei­chen­de Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Nürn­berg — die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, die Ent­schei­dung und einen etwai­gen Fort­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
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