(Kiel) In zwei Fol­ge­ent­schei­dun­gen zum EuGH-Urteil vom 1. Okto­ber 2009 (C-247/08) wies der 2. Senat des Finanz­ge­richts Köln die Kla­gen von zwei fran­zö­si­schen Gesell­schaf­ten in der Rechts­form einer “socie­té par actions sim­pli­fée” (S.A.S.) auf voll­stän­di­ge Ent­las­tung vom Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug ab.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die am 01.04.2010 ver­öf­fent­lich­ten Urtei­le des Finanz­ge­richts (FG) Köln vom 28. Janu­ar 2010, Az.: 2 K 352702 und 2 K 422003)

Hier­bei konn­te der 2. Senat offen las­sen, ob die unter­schied­li­che steu­er­li­che Behand­lung von Inlands- und Aus­lands­di­vi­den­den­zah­lun­gen gegen das euro­päi­sche Gemein­schafts­recht ver­stößt. Ein Erstat­tungs­an­spruch gegen das im Streit­fall beklag­te Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern kommt näm­lich nach Auf­fas­sung des 2. Senats auch bei einer Euro­pa­rechts­wid­rig­keit der ein­schlä­gi­gen deut­schen Rege­lun­gen nicht in Betracht.

Das beklag­te Amt sei nach § 5 des Finanz­ver­wal­tungs­ge­set­zes ledig­lich für die Ent­schei­dung über die Ent­las­tung vom Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug in den Fäl­len des § 50d EStG zustän­dig. Da eine S.A.S. nach der Ent­schei­dung des EuGH in der Rechts­sa­che “Gaz de Fran­ce” in den Streit­jah­ren nicht unter die sog. “Mut­ter-Toch­ter-Richt­li­nie” fal­le, kom­me die begehr­te Steu­er­erstat­tung auf die­ser Rechts­grund­la­ge nicht in Betracht. Ansprü­che auf eine steu­er­li­che Gleich­be­hand­lung mit inlän­di­schen Mut­ter­ge­sell­schaf­ten, die sich aus einer Euro­pa­rechts­wid­rig­keit erge­ben könn­ten, sind nach Ansicht des Senats denk­bar aber jeden­falls bei dem ört­lich zustän­di­gen Finanz­amt gel­tend zu machen.

Der Senat hat gegen die Ent­schei­dun­gen die Revi­si­on beim Bun­des­fi­nanz­hof in Mün­chen zuge­las­sen, so Pas­sau.

Das deut­sche Steu­e­recht kann im Ergeb­nis dazu füh­ren, dass Gewinn­aus­schüt­tun­gen deut­scher Toch­ter­un­ter­neh­men an ihre im Aus­land ansäs­si­gen Mut­ter­ge­sell­schaf­ten im Inland höher besteu­ert wer­den als ent­spre­chen­de Gewinn­aus­schüt­tun­gen an deut­sche Mut­ter­ge­sell­schaf­ten. In bei­den Fäl­len unter­lie­gen die Divi­den­den­zah­lun­gen zwar nach §§ 43, 43a EStG grund­sätz­lich dem Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug i.H.v. 25 % (zuzüg­lich Soli­da­ri­täts­zu­schlag). Wäh­rend gebiets­an­säs­si­ge Mut­ter­ge­sell­schaf­ten auf­grund der Steu­er­frei­heit der Divi­den­den nach § 8b KStG die Kapi­tal­ertrag­steu­er aber in vol­ler Höhe auf ihre eige­ne Steu­er­schuld anrech­nen kön­nen, sind aus­län­di­sche Mut­ter­ge­sell­schaf­ten im Inland allein auf die Ent­las­tungs­mög­lich­kei­ten (Frei­stel­lung bzw. Erstat­tung) des § 50d EStG — § 43b EStG i.V.m. der Mut­ter-Toch­ter­richt­li­nie oder Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men — beschränkt.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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