(Kiel) Das Finanz­ge­richt (FG) Rhein­land-Pfalz hat soeben zu der Fra­ge Stel­lung genom­men, ob die Ände­rung eines Steu­er­be­schei­des, der auf­grund einer unvoll­stän­di­gen Ein­ga­be des Steu­er­pflich­ti­gen im elek­tro­ni­schen Els­ter Ver­fah­ren ergan­gen war, vom Finanz­amt (FA) mit der Begrün­dung abge­lehnt wer­den kann, dass der Steu­er­pflich­ti­ge grob fahr­läs­sig gehan­delt habe.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 27.01.2011 ver­öf­fent­lich­te Urteil des  Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 13. Dezem­ber 2010 (Az.: 5 K 209909).

Im Streit­fall war der Klä­ger frei­be­ruf­lich und rechts­be­ra­tend tätig. Die Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2006 über­mit­tel­te er mit Hil­fe des elek­tro­ni­schen Steu­er­pro­gramms Els­ter­For­mu­lar 2006/2007 an das FA und reich­te eine sogen. kom­pri­mier­te Steu­er­erklä­rung in Papier­form unter­schrie­ben nach. In dem elek­tro­ni­schen For­mu­lar hat­te der Klä­ger in Zei­le 62 des Man­tel­bo­gens — Fra­ge nach Bei­trä­gen zu berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­wer­ken — kei­ne Ein­tra­gung vor­ge­nom­men. Dar­auf hin erging der Ein­kom­men­steu­er­be­scheid 2006 ent­spre­chend den Anga­ben des Klä­gers. Bei Erstel­lung der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung des Fol­ge­jah­res bemerk­te der Klä­ger, dass er Zah­lun­gen an sein berufs­stän­di­sches Ver­sor­gungs­werk in Höhe von rd. 18.000 € bei der Abga­be der elek­tro­ni­schen Steu­er­erklä­rung 2006 irr­tüm­lich nicht in Zei­le 62 des Man­tel­bo­gens ein­ge­tra­gen hat­te und bean­trag­te beim FA die Ände­rung des mitt­ler­wei­le bestands­kräf­ti­gen Ein­kom­men­steu­er­be­schei­des 2006 zu sei­nen Guns­ten. Die­ser Antrag wur­de vom FA mit der Begrün­dung abge­lehnt, den Klä­ger tref­fe ein — die begehr­te Ände­rung aus­schlie­ßen­des — gro­bes Ver­schul­den dar­an, dass die Gel­tend­ma­chung der Zah­lun­gen bei der ursprüng­li­chen Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung unter­blie­ben sei.

Die dage­gen ange­streng­te Kla­ge war dem­ge­gen­über erfolg­reich, so Pas­sau.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, ein die Ände­rung aus­schlie­ßen­des gro­bes Ver­schul­den lie­ge im Streit­fall nicht vor. Als gro­bes Ver­schul­den wer­de es in der Recht­spre­chung ange­se­hen, wenn ein Steu­er­pflich­ti­ger eine in einem Steu­er­erklä­rungs­for­mu­lar aus­drück­lich gestell­te, auf einen bestimm­ten Vor­gang bezo­ge­ne und für ihn ver­ständ­li­che Fra­ge nicht beant­wor­te. Feh­ler, die übli­cher­wei­se vor­kä­men und mit denen immer wie­der gerech­net wer­den müss­ten, dazu gehör­ten Ver­ges­sen, Irr­tü­mer oder blo­ße Nach­läs­sig­kei­ten, wür­den hin­ge­gen kei­ne gro­be Fahr­läs­sig­keit begrün­den.

Der Senat gehe bei Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze im Streit­fall davon aus, dass die Ursa­che für das nach­träg­li­che Bekannt­wer­den der Zah­lun­gen ein Feh­ler des Klä­gers bei Erstel­lung der Steu­er­erklä­rung gewe­sen sei, an dem ihn nur ein­fa­ches Ver­schul­den tref­fe. Der Klä­ger habe ver­ges­sen, die geleis­te­ten Bei­trä­ge zum Ver­sor­gungs­werk aus sei­nen hand­schrift­li­chen Noti­zen in die elek­tro­ni­sche Bild­mas­ke des Aus­füll­pro­gramms Els­ter­For­mu­lar 2006/2007 zu über­tra­gen. Es ent­spre­che all­ge­mei­ner Lebens­er­fah­rung, dass sol­che Feh­ler — trotz gro­ßer Sorg­falt — all­ge­mein bei der Über­tra­gung von Daten, ins­be­son­de­re aber bei der Bear­bei­tung grö­ße­rer Doku­men­te am PC immer wie­der vor­kä­men, begüns­tigt durch die tech­ni­schen Gege­ben­hei­ten einer Viel­zahl von Bild­mas­ken und Fens­tern, die stets nur einen klei­nen Aus­schnitt des Gesamt­do­ku­ments zei­gen wür­den. In die­sem Zusam­men­hang fal­le eine Beson­der­heit in der Pro­gramm­füh­rung von Els­ter­For­mu­lar beim Fra­gen­kom­plex Son­der­aus­ga­ben (Zei­len 61 ff des Man­tel­bo­gens) auf, die ein kon­ti­nu­ier­li­ches Arbei­ten an genau der strei­ti­gen Stel­le erschwe­re. Denn — wovon sich das Gericht über­zeugt habe — für die Ein­ga­be in Zei­le 61, die der Klä­ger für sei­ne Ehe­frau habe aus­fül­len müs­sen, zwin­ge das Pro­gramm den Anwen­der, in die Mas­ke der Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung zu wech­seln, wechs­le aber anschlie­ßend nicht zurück, son­dern bie­te die Anla­ge N zur wei­te­ren Bear­bei­tung an.

Den Klä­ger tref­fe auch kein gro­bes Ver­schul­den dar­an, dass er das Feh­len des Betra­ges nicht vor dem Absen­den der Daten an das FA bemerkt habe, denn in der pro­gramm­tech­ni­schen Funk­ti­on „Druck­vor­schau” wür­den nur die ein­ge­ge­be­nen Erklä­rungs­tex­te gezeigt, Leer­zei­len wür­den nicht mehr erschei­nen. Infol­ge­des­sen hät­te dem Klä­ger so das Feh­len der Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen nicht mehr auf­fal­len kön­nen.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, die Revi­si­on wur­de wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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