(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat nach einem am 18.02.2009 ver­öf­fent­lich­ten Bech­luss dem Euro­päi­schen Gerichts­hof (EuGH) die Fra­ge vor­ge­legt, ob es mit EU-Recht ver­ein­bar ist, dass nach deut­schem Recht nur bestimm­te Wet­ten und Lot­te­ri­en von der Umsatz­steu­er befreit sind, wäh­rend sämt­li­che “sons­ti­gen Glücks­spie­le mit Geld­ein­satz” von der Steu­er­be­frei­ung aus­ge­nom­men wer­den. (BFH AZ.: XI R 7907 )

In dem Fall, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, betreibt die Klä­ge­rin eine Spiel­hal­le mit Geld­spiel­au­to­ma­ten. In ihrer Umsatz­steu­er-Vor­anmel­dung für den Monat Janu­ar 2007 erklär­te sie ihre dar­aus erziel­ten Umsät­ze. Sie leg­te gegen die — ihrer eige­nen Erklä­rung ent­spre­chen­de — Fest­set­zung der Umsatz­steu­er-Vor­aus­zah­lung Ein­spruch ein und  mach­te gel­tend, ihre Umsät­ze sei­en steu­er­frei, da die zum 6. Mai 2006 in Kraft getre­te­ne Neu­re­ge­lung des Umsatz­steu­er­ge­set­zes 2005 gegen Euro­päi­sches Gemein­schafts­recht ver­sto­ße. Das Finanz­amt wies den Ein­spruch als unbe­grün­det zurück. Auch das Finanz­ge­richt wies die Kla­ge ab. Die Umsät­ze der Klä­ge­rin sei­en nicht nach § 4 Nr. 9 Buchst. b UStG n.F. steu­er­frei, da danach aus­schließ­lich Umsät­ze befreit sei­en, die unter das Renn­wett- und Lot­te­rie­ge­setz fie­len. Dazu gehör­ten die Umsät­ze mit Geld­spiel­au­to­ma­ten nicht.

Der BFH hat das Ver­fah­ren nun aus­ge­setzt, so Pas­sau, und dem EuGH fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

- Ist Art.135 Abs.1 Buchst.i der Richt­li­nie 2006/112/EG dahin aus­zu­le­gen, dass den Mit­glied­staa­ten eine Rege­lung gestat­tet ist, nach der nur bestimm­te (Renn-)Wetten und Lot­te­ri­en von der Steu­er befreit und sämt­li­che “sons­ti­ge Glücks­spie­le mit Geld­ein­satz” von der Steu­er­be­frei­ung aus­ge­nom­men sind?

Bereits der V. Senat des BFH habe ernst­li­che Zwei­fel dar­an geäu­ßert, ob Umsatz­steu­er-Vor­aus­zah­lungs­be­schei­de für Janu­ar 2007 und nach­fol­gen­de Zeit­räu­me, in denen die Umsät­ze aus Geld­spiel­au­to­ma­ten als steu­er­pflich­tig behan­delt wor­den sind, inso­weit mit EG-Richt­li­nie ver­ein­bar sei­en. In einem Beschluss vom 9. August 2007 habe er für klä­rungs­be­dürf­tig gehal­ten, ob § 4 Nr. 9 Buchst. b UStG n.F. mit der Richt­li­ni­en­be­stim­mung des Art. 13 Teil B Buchst. f der Richt­li­nie 77/388/EWG inso­weit ver­ein­bar ist, als er “sons­ti­ge Glücks­spie­le mit Geld­ein­satz” im Sin­ne der Richt­li­ni­en­be­stim­mung von der Steu­er­be­frei­ung aus­nimmt.

Auch der erken­nen­de Senat habe Zwei­fel an der Über­ein­stim­mung des § 4 Nr. 9 Buchst. b UStG n.F. mit dem Gemein­schafts­recht. Nach Art. 13 Teil B Buchst. f der Richt­li­nie 77/388/EWG sei die Ver­an­stal­tung oder der Betrieb von Glücks­spie­len und Glücks­spiel­ge­rä­ten grund­sätz­lich von der Mehr­wert­steu­er zu befrei­en. Die in die­sen Bestim­mun­gen als Grund­satz ange­ord­ne­te Steu­er­be­frei­ung wer­de durch § 4 Nr. 9 Buchst. b UStG n.F. der­art ein­ge­schränkt, dass in Deutsch­land die steu­er­pflich­ti­gen Umsät­ze über­wie­gen. Denn dar­in sei eine Steu­er­be­frei­ung ledig­lich für bestimm­te Wet­ten und Lot­te­ri­en (Renn­wet­ten und öffent­lich ver­an­stal­te­te Lot­te­ri­en, Aus­spie­lun­gen und Oddset-Wet­ten) bestimmt. Folg­lich sei­en alle sons­ti­gen Glücks­spie­le umsatz­steu­er­pflich­tig. Damit sei nicht nur die Mehr­zahl der Glücks­spiel­ar­ten, son­dern auch der men­gen­mä­ßig über­wie­gen­de Anteil des Umsat­zes aus Glücks­spie­len von der Steu­er­be­frei­ung aus­ge­nom­men. In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sei von dem Gesamt­um­satz beim Glücks­spiel z.B. im Jahr 2006 ein Anteil von knapp 38 % auf Spiel­ban­ken und von knapp 25 % auf Geld­spiel­au­to­ma­ten ent­fal­len, so dass der Gesamt­an­teil der steu­er­pflich­ti­gen Umsät­ze knapp 63 % betrug (Vgl. Deut­sche Haupt­stel­le für Sucht­fra­gen e.V unter Bezug auf das “Archiv und Infor­ma­ti­ons­stel­le der deut­schen Lot­to- und Toto-Unter­neh­men”).

Die Zwei­fel, ob der deut­sche Gesetz­ge­ber den ihm durch das Gemein­schafts­recht ein­ge­räum­ten Spiel­raum bei der Neu­re­ge­lung des § 4 Nr. 9 Buchst. b UStG n.F. ein­ge­hal­ten habe, lie­ßen sich auch unter Berück­sich­ti­gung des Zwecks der Steu­er­be­frei­ung jeden­falls nicht mit der Sicher­heit zer­streu­en, die für eine Ent­schei­dung des Senats ohne Anru­fung des EuGH erfor­der­lich sei.

Pas­sau emp­fahl Steu­er­pflich­ti­gen in ähn­li­cher Situa­ti­on, die Vor­la­ge zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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