(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) die Fra­ge vor­ge­legt, ob Ban­ken und ande­re Ver­mö­gens­ver­wal­ter, die für ein­zel­ne Anle­ger Wert­pa­pier­ver­mö­gen ver­wal­ten (sog. indi­vi­du­el­le Port­fo­li­o­ver­wal­tung), mit die­sen Leis­tun­gen der Umsatz­steu­er unter­lie­gen.

Die Finanz­ver­wal­tung bejaht dies, so dass der Port­fo­li­o­ver­wal­ter sei­ne Leis­tung gegen­über dem Anle­ger mit dem Regel­steu­er­satz von 19 % zu ver­steu­ern hat. Der BFH ist dem­ge­gen­über in einem Ein­zel­fall von der Steu­er­frei­heit der­ar­ti­ger Leis­tun­gen aus­ge­gan­gen. Auf die­ses Urteil hat die Finanz­ver­wal­tung mit einem sog. Nicht­an­wen­dungs­er­lass reagiert.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 02.02.2011 ver­öf­fent­lich­ten Beschluss des  Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 28. Okto­ber 2010 — V R 910.

Die Beant­wor­tung der dem EuGH vor­ge­leg­ten Fra­ge hängt maß­geb­lich davon ab, wel­che Bedeu­tung der EuGH dem sog. Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät bei Leis­tun­gen zur Ver­mö­gens­an­la­ge bei­misst. Dabei ist zu klä­ren, ob es unter Wett­be­werbs­ge­sichts­punk­ten sach­lich gerecht­fer­tigt ist, dass für die sog. kol­lek­ti­ve Wert­pa­pier­an­la­ge durch Anle­ger, die sich an Wert­pa­pier­fonds betei­li­gen, eine Steu­er­be­frei­ung besteht, wäh­rend die sog. indi­vi­du­el­le Port­fo­li­o­ver­wal­tung, bei der z.B. eine Bank für ein­zel­ne Anle­ger Wert­pa­pie­re kauft und ver­kauft, nach Auf­fas­sung der deut­schen Finanz­ver­wal­tung der Umsatz­steu­er unter­lie­gen soll.

Die dem EuGH vor­ge­leg­te Streit­fra­ge betrifft die gesam­te Bran­che der indi­vi­du­el­len Port­fo­li­o­ver­wal­tung für ein­zel­ne Anle­ger in und außer­halb von Ban­ken und hat dem­entspre­chend erheb­li­che steu­er­li­che Aus­wir­kun­gen. Die Beant­wor­tung der Fra­ge durch den EuGH ist nicht nur für die Besteue­rung des Ver­mö­gens­ver­wal­ters selbst, son­dern auch für das zivil­recht­li­che Ver­hält­nis zum Anle­ger von Bedeu­tung. Soll­te der EuGH die Steu­er­frei­heit der indi­vi­du­el­len Port­fo­li­o­ver­wal­tung beja­hen, kann für den Anle­ger je nach Aus­ge­stal­tung der zivil­recht­li­chen Preis­ver­ein­ba­rung ein Rück­for­de­rungs­an­spruch hin­sicht­lich eines im Preis für die Ver­wal­tungs­leis­tung ent­hal­te­nen Steu­er­an­teils bestehen, wenn der Ver­mö­gens­ver­wal­ter dem Anle­ger bis­her Umsatz­steu­er in Rech­nung gestellt hat.

Pas­sau emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
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