(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben den Vor­steu­er­ab­zug der Umsatz­steu­er, die Ehe­gat­ten bei der Errich­tung eines sowohl unter­neh­me­risch als auch pri­vat genutz­ten Gebäu­des in Rech­nung gestellt wird (sog. See­ling-Modell), ein­ge­schränkt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 12.10.2011 zu sei­nen bei­den Urtei­len vom 7. Juli 2011–  (V R 4109 und V R 4209).

Bei­de Urtei­le betra­fen den­sel­ben Fall. In der Sache V R 4109 hat­te die Ehe­frau Kla­ge erho­ben, die zusam­men mit ihrem unter­neh­me­risch täti­gen Ehe­mann ein gemischt-genutz­tes Gebäu­de auf einem ihr und ihrem Ehe­mann jeweils zur Hälf­te gehö­ren­den Grund­stück errich­tet hat­te. Von der Nutz­flä­che ent­fie­len 41,50% im Wesent­li­chen auf ein vom Ehe­mann unter­neh­me­risch genutz­tes Büro, den Rest nutz­ten die Ehe­leu­te zu eige­nen Wohn­zwe­cken. Ihren hälf­ti­gen Mit­ei­gen­tums­an­teil ver­mie­te­te die Klä­ge­rin umsatz­steu­er­pflich­tig an ihren Ehe­mann und mach­te aus den antei­li­gen Bau­kos­ten den Vor­steu­er­ab­zug gel­tend. Die Kla­ge hat­te kei­nen Erfolg. Der BFH wies die Revi­si­on der Klä­ge­rin als unbe­grün­det zurück, weil sie mit der Ver­mie­tung des Mit­ei­gen­tums­an­teils an ihren Ehe­mann nicht im umsatz­steu­er­recht­li­chen Sin­ne wirt­schaft­lich tätig sein konn­te. Nach der Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) in der Rechts­sa­che “HE” wer­den bei einer Mit­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft die auf ein Arbeits­zim­mer ent­fal­len­den Räum­lich­kei­ten an den unter­neh­me­risch täti­gen Mit­ei­gen­tü­mer bis zur Höhe sei­nes Mit­ei­gen­tums­an­teils gelie­fert. Sie kön­nen daher inso­weit nicht mehr Gegen­stand einer Ver­mie­tung durch den ande­ren Gemein­schaf­ter — wie die Klä­ge­rin im Streit­fall — sein.

Der Vor­steu­er­ab­zug des Ehe­manns, der Gegen­stand der Kla­ge in der Sache V R 4209 war, so Pas­sau, schei­ter­te dar­an, dass der Ehe­mann die bei gemischt-genutz­ten Wirt­schafts­gü­tern erfor­der­li­che und sofort bei Leis­tungs­be­zug zu tref­fen­de Zuord­nungs­ent­schei­dung nicht “zeit­nah” doku­men­tiert hat­te. Die Doku­men­ta­ti­on der Zuord­nungs­ent­schei­dung muss — ent­ge­gen der Vor­in­stanz — zwar nicht bereits mit Abga­be der Umsatz­steu­er-Vor­anmel­dun­gen erfol­gen, son­dern kann auch noch im Rah­men der Jah­res­steu­er­erklä­rung gesche­hen. Zur Gleich­be­hand­lung aller Steu­er­pflich­ti­gen sowie aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit und -klar­heit hält es der BFH aller­dings für erfor­der­lich, dass der Unter­neh­mer sei­ne Zuord­nungs­ent­schei­dung spä­tes­tens bis zum 31. Mai des Fol­ge­jah­res dem Finanz­amt gegen­über doku­men­tiert.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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