(Kiel) Denk­mal i.S. des § 7i Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) kann steu­er­recht­lich auch ein Neu­bau im bau­tech­ni­schen Sin­ne sein (tat­be­stands­spe­zi­fi­sche Ein­schrän­kung des Neu­bau­be­griffs).

Das, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit einem am 19.08.2009 ver­öf­fent­lich­ten Urteil vom 24. Juni 2009, Az.:  X R 808 ent­schie­den.

In dem Fall hat­te der Klä­ger von sei­nen Eltern ein mit einem Fach­werk­haus bebau­tes Grund­stück zu einem Kauf­preis von 10 000 DM erwor­ben. Für die Reno­vie­rung und Instand­set­zung des Hau­ses wen­de­te er ins­ge­samt 218 311 DM auf. Seit Ende 1999 nutzt der Klä­ger das Haus zu eige­nen Wohn­zwe­cken. 

Zwi­schen dem Klä­ger und dem Finanz­amt ist unstrei­tig, dass es sich bei dem Haus des Klä­gers bau­tech­nisch um einen Neu­bau han­delt. Das Gebäu­de wur­de ent­kernt, wesent­li­che trag­fä­hi­ge Bau­tei­le wur­den erneu­ert, ver­stärkt und neu gegrün­det. Die ursprüng­lich vor­han­de­ne Holz­bal­ken­de­cke wur­de durch eine neu ein­ge­bau­te Füll­kör­per­de­cke ersetzt, der Schorn­stein abge­bro­chen. Die Dach­kon­struk­ti­on ein­schließ­lich der Dach­gau­ben wur­de erneu­ert, die neu­en Fach­werk­gie­bel auf einen erhöh­ten neu­en Sockel auf­ge­setzt. 

Für die Streit­jah­re gewähr­te das Finanz­amt dem Klä­ger Eigen­heim­zu­la­ge für einen Neu­bau in Höhe von 5 000 DM (5 % von 100 000 DM). Unter Vor­la­ge einer Beschei­ni­gung des Lan­des­amts für Denk­mal­pfle­ge Hes­sen bean­trag­te er außer­dem, Son­der­aus­ga­ben nach §§ 10f, 7i des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) zu berück­sich­ti­gen. Das Finanz­amt lehn­te den Antrag ab. Da es sich bei dem Objekt um einen Neu­bau han­de­le, kom­me eine Steu­er­ver­güns­ti­gung nach §§ 10f, 7i EStG nicht in Betracht.

Das Finanz­ge­richt wies die nach erfolg­lo­sem Ein­spruchs­ver­fah­ren erho­be­ne Kla­ge ab, woge­gen sich die Revi­si­on des Klä­gers rich­te­te — mit Erfolg, so betont Pas­sau.

Der BFH hob die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts auf und ver­wies die Sache zur wei­te­ren Ent­schei­dung und Ver­hand­lung zurück.

Das Finanz­ge­richt  habe zu Unrecht ohne nähe­re Prü­fung die Vor­aus­set­zun­gen des § 10f Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 7i EStG ver­neint. Sei­ne Rechts­auf­fas­sung, die Beschei­ni­gung des Lan­des­amts für Denk­mal­pfle­ge sei nur inso­weit bin­dend, als sie den Nach­weis der denk­mal­schutz­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 7i EStG erbrin­ge und das Finanz­amt über das Vor­lie­gen der übri­gen Tat­be­stands­merk­ma­le der steu­er­recht­li­chen Vor­schrif­ten in eige­ner Zustän­dig­keit ent­schei­den kön­ne, sei unzu­tref­fend. Die För­de­rung nach § 10f EStG i.V.m. § 7i EStG sei auch nicht des­halb aus­ge­schlos­sen, weil das Finanz­amt dem Klä­ger in den Streit­jah­ren Eigen­heim­zu­la­ge für einen Neu­bau nach § 9 Abs. 2 des Eigen­heim­zu­la­gen­ge­set­zes (Eig­ZulG) gewährt habe.

Im zwei­ten Rechts­gang wer­de das Finanz­ge­richt daher noch zu klä­ren haben, ob der Klä­ger die Bau­maß­nah­men an sei­nem denk­mal­ge­schütz­ten Gebäu­de mit dem Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge abge­stimmt hat und ob die Auf­wen­dun­gen, die in den Abzugs­be­trag nach § 10f i.V.m. § 7i EStG ein­flie­ßen sol­len, nicht bereits bei der Bemes­sungs­grund­la­ge für den För­der­grund­be­trag nach dem Eig­ZulG berück­sich­tigt wor­den sind.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts bin­de die Beschei­ni­gung der Denk­mal­be­hör­de, wonach es sich beim Gebäu­de des Klä­gers um ein Denk­mal han­de­le, das Finanz­amt auch in steu­er­recht­li­cher Hin­sicht, sofern der Hin­weis fehlt, dass die steu­er­recht­li­chen Fra­gen vom Finanz­amt zu prü­fen sind.

Der Bestim­mung des § 7i EStG lie­ge die Erwä­gung zugrun­de, dass Eigen­tü­mer denk­mal­ge­schütz­ter Gebäu­de finan­zi­ell wegen der öffent­lich-recht­li­chen Bin­dun­gen nach dem Denk­mal­schutz­ge­setz und der erheb­li­chen Kos­ten zur Erhal­tung der­ar­ti­ger Gebäu­de ent­las­tet wer­den sol­len. Hin­zu kommt der hohe Stel­len­wert, den die Erhal­tung his­to­risch bedeu­ten­der und städ­te­bau­lich wert­vol­ler Stadt­ge­bie­te in der brei­ten Öffent­lich­keit gefun­den habe. Es habe sich gezeigt, dass der öffent­li­chen finan­zi­el­len Unter­stüt­zung aus­schlag­ge­ben­de Bedeu­tung für den Wir­kungs­grad des Denk­mal­schut­zes zukom­me.

Pas­sau emp­fahl, die­se Grund­sät­ze zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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