(Kiel) Seit eini­gen Jah­ren führt die Finanz­ver­wal­tung die Betriebs­prü­fung „digi­tal” durch. In einem vor dem Finanz­ge­richt Köln ent­schie­de­nen Fall hat­te sich die­ses mit dem sog. Zeit­rei­hen­ver­gleich in der Gas­tro­no­mie zu beschäf­ti­gen.

Hier­bei, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf einen am 04.05.2009 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Finanz­ge­richts Köln vom 27.01.2009, Az.: 6 K 395407) kam das Gericht zu dem Schluss, dass der­je­ni­ge, der sei­ne Geschäf­te ordent­lich füh­re und kor­rekt ver­bu­che, auch im Rah­men der sog. digi­ta­len Betriebs­prü­fung vom Finanz­amt wenig zu befürch­ten habe.

Seit eini­gen Jah­ren führt die Finanz­ver­wal­tung die Betriebs­prü­fung „digi­tal” durch. Die Betriebs­prü­fer kön­nen über die IT eines Unter­neh­mens unmit­tel­bar Ein­sicht in die Buch­füh­rung ab dem Jahr 2002 neh­men und die gewon­ne­nen Daten mit moder­ner Hard- und Soft­ware noch vor Ort auf ihre Plau­si­bi­li­tät hin ana­ly­sie­ren. Davon ist vor allem die Gas­tro­no­mie­bran­che betrof­fen, in der die Ein­nah­men ganz über­wie­gend in bar erzielt wer­den. Beim Zeit­rei­hen­ver­gleich wer­den die Ein- und Ver­käu­fe aller Spei­sen und Geträn­ke wochen­wei­se gegen­über­ge­stellt und Schwan­kun­gen beim Roh­ge­winn­auf­schlag­satz sicht­bar. Mit dem Chi-Qua­drat-Test wird die Ver­tei­lung der Zif­fern 0 bis 9 in einem gro­ßen Zah­len­werk — hier in den Auf­zeich­nun­gen aller Kas­sen­ein­nah­men in drei Jah­ren — geprüft und fest­ge­stellt, ob das Ergeb­nis mathe­ma­tisch-sta­tis­tisch signi­fi­kant ist oder nicht. Dazu kann es bei mani­pu­lier­ten Auf­zeich­nun­gen kom­men, wenn unbe­wusst eine „Lieb­lings­zahl” häu­fi­ger ein­ge­ge­ben wird als ande­re.

In dem Fall hat­te das Finanz­amt bei der Prü­fung einer Gast­stät­te im Rah­men eines sog. „Zeit­rei­hen­ver­glei­ches” die Ein- und Ver­käu­fe aller Spei­sen und Geträn­ke wochen­wei­se gegen­über­ge­stellt und Schwan­kun­gen beim Roh­ge­winn­auf­schlag­satz fest­ge­stellt. Es nahm dies neben klei­ne­ren Bean­stan­dun­gen der Kas­sen­füh­rung zum Anlass, die Buch­füh­rung der Gast­stät­te zu ver­wer­fen und deren Ein­nah­men zu schät­zen. Das führ­te für die drei Streit­jah­re zu einer Steu­er­nach­for­de­rung in Höhe von rund 89.000 €, woge­gen sich der Gast­wirt wehr­te.

Der Senat hat der Kla­ge des Gast­wirts in vol­lem Umfang statt­ge­ge­ben, betont Pas­sau.

Er wies dar­auf hin, dass nach dem Gesetz eine for­mell ord­nungs­mä­ßi­ge Buch­füh­rung die Ver­mu­tung der Rich­tig­keit für sich habe und das Finanz­amt die­se Ver­mu­tung erst erschüt­tern müs­se, bevor es Steu­ern im Schät­zungs­we­ge fest­set­zen dür­fe. Die ein­zel­nen Bean­stan­dun­gen bei der Kas­sen­füh­rung hielt er im Urteils­fall für unwe­sent­lich. Durch den Zeit­rei­hen­ver­gleich sah es der Senat nicht als erwie­sen an, dass die Buch­füh­rung unrich­tig sei.

Der 6. Senat hat die Revi­si­on zuge­las­sen. Es blei­be daher abzu­war­ten, ob der BFH in Mün­chen die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Köln bestä­tigt und den Beweis­wert eines Zeit­rei­hen­ver­glei­ches ent­spre­chend beur­teilt.

Pas­sau emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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