(Kiel)  Die Hin­zu­rech­nungs­vor­schrif­ten des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes (§ 8 Nr. 1 Buchst. a, d, e und f GewStG) sind vor­aus­sicht­lich nicht ver­fas­sungs­wid­rig.

 

 

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 21.11.2012 zu sei­nem Beschluss vom 16. Okto­ber 2012 — I B 12812.

Die Ent­schei­dung erging in einem Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes auf­grund „sum­ma­ri­scher Prü­fung”; der BFH hat danach kei­ne “ernst­li­chen Zwei­fel”, dass die Vor­schrift ver­fas­sungs­ge­mäß ist. Damit wider­spricht der BFH einer Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts (FG) Ham­burg, das von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Hin­zu­rech­nungs­vor­schrif­ten über­zeugt ist und des­we­gen durch einen viel­be­ach­te­ten Beschluss vom 29. Febru­ar 2012 1 K 13810 das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) zur Durch­füh­rung einer Nor­men­kon­trol­le ange­ru­fen hat.

Die Gewer­be­steu­er ist als sog. Real­steu­er eine finanz­ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te kom­mu­na­le Steu­er. Grund­la­ge die­ser Steu­er ist wie bei der Ein­kom­men- und Kör­per­schaft­steu­er zunächst der Gewinn des Gewer­be­be­triebs. Um den Kom­mu­nen einer­seits einen Aus­gleich für die durch den Betrieb ver­ur­sach­ten Las­ten zu schaf­fen und ihnen ande­rer­seits ein mög­lichst ver­ste­tig­tes Steu­er­auf­kom­men zu sichern, wird die­ser Gewinn dann aber durch Hin­zu­rech­nun­gen und Kür­zun­gen modi­fi­ziert. Besteue­rungs­ge­gen­stand soll auf die­se Wei­se der Gewer­be­be­trieb als „Objekt” sein. Der Objekt­steu­er­cha­rak­ter ist in den letz­ten Jahr­zehn­ten aller­dings durch viel­fa­che Geset­zes­än­de­run­gen zurück­ge­drängt wor­den, um die Belas­tung der Unter­neh­men mit Sub­stanz­steu­er­ele­men­ten zu ver­min­dern. Das BVerfG spricht des­halb in stän­di­ger Spruch­pra­xis von einer „ertrags­ori­en­tier­ten Objekt­steu­er”, die aber nach wie vor den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genü­ge.

Die­se Ein­schät­zung des BVerfG hat das FG Ham­burg durch sein Nor­men­kon­trol­ler­su­chen in Zwei­fel gezo­gen. Grund dafür gaben ihm die umge­stal­te­ten, seit 2008 anzu­wen­den­den Hin­zu­rech­nungs­vor­schrif­ten in § 8 Nr. 1 Buchst. a, d und e GewStG. Danach ist dem Gewinn des Gewer­be­be­triebs ein Vier­tel der Schuld­ent­gel­te, ein Fünf­tel der Miet- und Pacht­zin­sen für die Benut­zung beweg­li­cher Wirt­schafts­gü­ter sowie die Hälf­te der Miet- und Pacht­zin­sen für die Benut­zung unbe­weg­li­cher Wirt­schafts­gü­ter hin­zu­zu­rech­nen, wenn sie zuvor als Betriebs­aus­ga­ben abge­zo­gen wor­den sind. Glei­ches gilt nach § 8 Nr. 1 Buchst. f GewStG für ein Vier­tel der Auf­wen­dun­gen für die zeit­lich befris­te­te Über­las­sung von Rech­ten. Das FG Ham­burg erkennt in die­sen Hin­zu­rech­nungs­vor­schrif­ten ins­be­son­de­re einen Ver­stoß gegen das Prin­zip der Besteue­rung nach der Leis­tungs­fä­hig­keit.

Der BFH teilt die­se Über­zeu­gung ange­sichts der stän­di­gen Spruch­pra­xis des BVerfG nicht, so Pas­sau.

Er geht viel­mehr davon aus, dass das Nor­men­kon­trol­ler­su­chen „offen­sicht­lich” erfolg­los blei­ben wird. Die ein­schlä­gi­gen Steu­er­be­schei­de der Finanz­äm­ter sind des­halb unein­ge­schränkt voll­zieh­bar. Vor­läu­fi­gen Rechts­schutz gewährt der BFH nicht. Die Ent­schei­dung des BVerfG wird durch den Beschluss des BFH aller­dings nicht vor­weg­ge­nom­men.

Der Streit­fall betraf eine GmbH, die ein Hotel betreibt und dar­aus Ver­lus­te erwirt­schaf­te­te. Sie wand­te Schuld­ent­gel­te in Höhe von rd. 50.000 €, Pacht­zin­sen für beweg­li­che Wirt­schafts­gü­ter in Höhe von rd. 9,4 Mio. € und für unbe­weg­li­che Wirt­schafts­gü­ter in Höhe von rd. 56 Mio. € sowie Lizenz­ge­büh­ren in Höhe von rd. 87.000 € auf. Die­se Auf­wen­dun­gen führ­ten bei der Ermitt­lung des Gewer­be­er­tra­ges zu Hin­zu­rech­nun­gen zum Gewinn in Höhe von ins­ge­samt 9,6 Mio. € und zu einem Gewer­be­steu­er­mess­be­trag von rd. 62.000 €.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.
 

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
Pas­sau, Nie­mey­er & Col­le­gen
Walk­er­damm 1
24103 Kiel
Tel:  0431 — 974 3010
Fax: 0431 — 974 3055
Email: info@duv-verband.de
www.duv-verband.de