(Kiel) Die gesetz­li­che Neu­re­ge­lung der Besteue­rung der Alters­ren­ten durch das Alters­ein­künf­te­ge­setz ist ver­fas­sungs­mä­ßig, sofern das Ver­bot der Dop­pel­be­steue­rung ein­ge­hal­ten wird. § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG ver­letzt weder das Recht des Steu­er­pflich­ti­gen auf Gleich­be­hand­lung noch sein Ver­trau­en auf Bei­be­hal­tung der Ertrags­an­teils­be­steue­rung sei­ner Ren­ten­ein­künf­te.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das am 31.03.2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 19. Janu­ar 2010, Az.: X R 5308. Damit hat der BFH sei­ne ver­tre­te­ne Rechts­auf­fas­sung im Senats­ur­teils vom 26. Novem­ber 2008, Az.: X R 1507, bestä­tigt.

Der Klä­ger war in der Zeit von Mai 1993 bis April 1996 als ange­stell­ter Wirt­schafts­prü­fer nicht­selb­stän­dig, im Übri­gen stets selb­stän­dig tätig. Der Klä­ger bezog in den Jah­ren 1996 bis 2005 Ren­ten­zah­lun­gen in Höhe von ins­ge­samt 438.911 DM. Der der Besteue­rung unter­wor­fe­ne Ertrags- bzw. Besteue­rungs­an­teil der Ren­ten­zah­lun­gen belief sich in die­sem Zeit­raum (ohne Berück­sich­ti­gung des Wer­bungs­kos­ten-Pausch­be­tra­ges) auf 128.665 DM, steu­er­frei blie­ben 310.246 DM. In sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2005 erklär­te der Klä­ger Ren­ten­ein­künf­te in Höhe von 24.143 €. In die­sem Betrag war auch der monat­li­che Zuschuss zur Kran­ken­ver­si­che­rung ent­hal­ten. Der Klä­ger bean­trag­te, die Ren­te nach Maß­ga­be der sog. Öff­nungs­klau­sel des § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. bb des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) i.d.F. des Alters­ein­künf­te­ge­set­zes (Alt­Ein­kG) vom 5. Juli 2004 (BGBl I 2004, 1427) ledig­lich in Höhe von 18 % statt in Höhe von 50 % zu besteu­ern.

Die­sem Antrag folg­te das Finanz­amt jedoch nicht, son­dern ermit­tel­te den der Besteue­rung unter­wor­fe­nen Anteil der Ren­ten­ein­künf­te — abzüg­lich der nach § 3 Nr. 14 EStG steu­er­frei­en Kran­ken­ver­si­che­rungs­zu­schüs­se — gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG mit 11.298 €. Das Finanz­ge­richt (FG) wies die dage­gen gerich­te­te Kla­ge ab.

Mit der Revi­si­on vor dem BFH rügt der Klä­ger die Ver­let­zung mate­ri­el­len Rechts. Das FG sei bei der Recht­spre­chung an Recht und Gesetz gebun­den und habe die­sen Auf­trag nicht erfüllt. Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz sei ver­letzt, wenn — wie im Alt­Ein­kG — die Ren­ten­ein­künf­te der Ange­hö­ri­gen der Berufs­grup­pen, in deren gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung kei­ne steu­er­frei­en Arbeit­ge­ber-Bei­trags­an­tei­le gezahlt wor­den sei­en, mit den Ren­ten­ein­künf­ten der Arbeit­neh­mer gleich behan­delt wür­den, die in ihrer akti­ven Zeit in den Genuss der steu­er­frei­en Arbeit­ge­ber­bei­trä­ge gelangt sei­en.

Die­se Revi­si­on  hat­te vor dem BFH jedoch nur beschränkt Erfolg, so Pas­sau.

Das Finanz­ge­richt habe zwar zu Unrecht die Anwen­dung der Öff­nungs­klau­sel für einen Teil Ren­ten­ein­künf­te des Klä­gers bei der Besteue­rung der Ren­ten­ein­künf­te des Klä­gers abge­lehnt. Im übri­gen sei­en die Vor­schrif­ten zur Besteue­rung der Alters­ein­künf­te in Gestalt des Alt­Ein­kG jedoch sowohl im Hin­blick auf ihre end­gül­ti­ge Aus­ge­stal­tung als auch in Bezug auf die getrof­fe­ne Über­gangs­re­ge­lung ver­fas­sungs­mä­ßig und ver­letz­ten den Klä­ger nicht in sei­nen Rech­ten.

Auf­ga­be der Über­gangs­re­ge­lung sei es, die bestehen­den unter­schied­li­chen Alters­vor­sor­ge- und Alters­ein­künf­te­sys­te­me in das Sys­tem der nach­ge­la­ger­ten Besteue­rung zu über­füh­ren. Bei der ver­fas­sungs­recht­li­chen Über­prü­fung einer Über­gangs­re­ge­lung sei im Hin­blick auf die Recht­fer­ti­gung einer Ungleich­be­hand­lung zum einen zu beach­ten, dass es sich um Rege­lun­gen für einen begrenz­ten Zeit­raum oder um eine vor­läu­fi­ge Maß­nah­me han­delt (BVerfG-Beschluss vom 21. Juni 2006 2 BvL 299, BVerfGE 116, 164, 195 f.). Zum ande­ren sei zu berück­sich­ti­gen, dass kom­ple­xe Lebens­sach­ver­hal­te zu regeln sei­en, bei denen dem Gesetz­ge­ber grö­be­re Typi­sie­run­gen und Gene­ra­li­sie­run­gen zuge­stan­den wer­den könn­ten, um ihm eine ange­mes­se­ne Zeit zur Samm­lung von Erkennt­nis­sen und Erfah­run­gen ein­zu­räu­men.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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