(Kiel) Für die Aner­ken­nung der gewerb­li­chen Ver­pach­tung reicht es aus, dass die wesent­li­chen, dem Betrieb das Geprä­ge geben­den Betriebs­ge­gen­stän­de ver­pach­tet wer­den. Hier­zu zählt bei einem Hand­werks­be­trieb nicht das jeder­zeit wie­der­be­schaff­ba­re Werk­statt­in­ven­tar.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf das am 18.11.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 18. August 2009, Az.: X R 2006.

In dem Fall ist der Klä­ger Eigen­tü­mer eines Geschäfts­grund­stücks, auf dem sich neben sei­nem zu eige­nen Wohn­zwe­cken genutz­ten Ein­fa­mi­li­en­haus ver­schie­de­ne Gara­gen, eine Lackier­hal­le, eine Hal­le zur Vor­nah­me der Abgas­son­der­un­ter­su­chun­gen sowie eine Kfz-Repa­ra­tur­werk­statt befin­den. Seit den sieb­zi­ger Jah­ren hat­te er auf einem Teil die­ses Grund­stücks eine freie Auto­re­pa­ra­tur­werk­statt betrie­ben. 1997 ver­pach­te­te der Klä­ger die Werk­statt­ge­bäu­de für monat­lich 2.000 DM. Gleich­zei­tig ver­äu­ßer­te er sei­ne gesam­te Betriebs­aus­stat­tung für 60.000 DM an den Päch­ter. Die­ser führ­te den Betrieb in der­sel­ben Form und unter altem Namen fort. Die erstell­ten Rech­nun­gen hat­ten fol­gen­den Brief­kopf: “Kraft­fahr­zeug­meis­ter W, Inh. …”.

Im Rah­men der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung erklär­te der Klä­ger zum 31. Dezem­ber 1998 die Betriebs­auf­ga­be. In der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 1997 bezif­fer­te der Klä­ger sei­ne gewerb­li­chen Ein­künf­te aus sei­ner Kfz-Repa­ra­tur­werk­statt mit 44.806 DM. Die monat­li­chen Pacht­ein­nah­men und den Ver­äu­ße­rungs­er­lös der gesam­ten Betriebs­aus­stat­tung in Höhe von 60.000 DM erfass­te er hier­bei als lau­fen­den Gewinn.

Das Finanz­amt ver­an­lag­te zunächst erklä­rungs­ge­mäß unter dem Vor­be­halt der Nach­prü­fung. Nach Abschluss einer Außen­prü­fung änder­te das FA die Steu­er­fest­set­zung jedoch nach § 164 Abs. 2 der Abga­ben­ord­nung. Es ging nun von einer Betriebs­auf­ga­be zum 30. Juni des Jah­res 1997 aus und berück­sich­tig­te lau­fen­de gewerb­li­che Ein­künf­te in Höhe von ./. 10.903 DM. Dane­ben setz­te es einen Betriebs­auf­ga­be­ge­winn von 250.284 DM sowie Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung in Höhe von 4.994 DM an.

Das Finanz­ge­richt (FG) wies die nach erfolg­lo­sem Ein­spruchs­ver­fah­ren erho­be­ne Kla­ge ab. Der Klä­ger habe sei­nen Gewer­be­be­trieb bereits im Streit­jahr 1997 end­gül­tig auf­ge­ge­ben. Eine gewerb­li­che Betriebs­ver­pach­tung lie­ge nicht vor.

Das, so betont Pas­sau, sah der Bun­des­fi­nanz­hof nun anders.

Für die Aner­ken­nung der gewerb­li­chen Ver­pach­tung rei­che es aus, dass die wesent­li­chen, dem Betrieb das Geprä­ge geben­den Betriebs­ge­gen­stän­de ver­pach­tet wer­den. Dabei kom­me es für die Beant­wor­tung der Fra­ge, was unter den wesent­li­chen Betriebs­grund­la­gen zu ver­ste­hen ist, auf die Ver­hält­nis­se des ver­pach­ten­den, nicht auf die­je­ni­gen des pach­ten­den Unter­neh­mens an.

Aus­ge­hend von die­sen Rechts­grund­sät­zen lägen im Streit­fall die Vor­aus­set­zun­gen einer Betriebs­ver­pach­tung im Gan­zen vor, so dass ent­ge­gen der von FG und FA ver­tre­te­nen Auf­fas­sung der Betrieb zum 30. Juni 1997 nicht auf­ge­ge­ben wur­de. Der Klä­ger habe ab 1. Juli 1997 alle dem Betrieb sei­ner Kfz-Werk­statt das Geprä­ge geben­den und mit­hin wesent­li­chen Betriebs­ge­gen­stän­de ver­pach­tet. Das ver­pach­te­te Betriebs­grund­stück und die Werk­statt­ge­bäu­de stell­ten die wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge dar, die dem Kfz-Betrieb des Klä­gers das Geprä­ge gab. Ihnen kom­me durch ihre Lage und den hier­durch bestimm­ten Kun­den­kreis im Ver­hält­nis zu den übri­gen Wirt­schafts­gü­tern beson­de­re Bedeu­tung zu. Dem Klä­ger, der kei­ne aus­drück­li­che Betriebs­auf­ga­be­er­klä­rung zum 30. Juni 1997 abge­ge­ben hat­te, ver­blieb nach der Ver­pach­tung der Betriebs­ge­bäu­de und des dazu gehö­ren­den Grund und Bodens objek­tiv die Mög­lich­keit, den vor­über­ge­hend ein­ge­stell­ten Betrieb nach Been­di­gung des Pacht­ver­hält­nis­ses als sol­chen wie­der auf­zu­neh­men und fort­zu­füh­ren.

Der Annah­me einer Betriebs­ver­pach­tung steht nicht ent­ge­gen, dass der Klä­ger das Werk­statt­in­ven­tar ver­äu­ßert habe. Die­ses zäh­le nicht zu den wesent­li­chen Betriebs­grund­la­gen der Kfz-Werk­stät­te. Zu den wesent­li­chen Betriebs­grund­la­gen eines Betriebs gehör­ten regel­mä­ßig die Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens, die zur Errei­chung des Betriebs­zwecks erfor­der­lich sind und beson­de­res Gewicht für die Betriebs­füh­rung besit­zen. Im Streit­fall war das Werk­statt­in­ven­tar nicht uner­läss­lich, um den Betrieb (ansons­ten) als intak­te Wirt­schafts- und Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit zu erhal­ten.

Pas­sau emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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