(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben ent­schie­den, dass Kon­zep­ti­ons-, Grün­dungs-, Finan­zie­rungs- und Plat­zie­rungs­kos­ten eines in der Rechts­form einer GmbH Co. KG geführ­ten Schiffs­fonds in vol­ler Höhe als Anschaf­fungs­kos­ten des Schiffs (Tank­schiff bzw. Con­tai­ner­schiff) zu behan­deln sind.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 01. Juni 2011 zum Urteil vom 14. April 2011 — IV R 810.

Ange­sichts des hohen Kapi­tal­be­darfs für den Erwerb und Betrieb eines hoch­see­taug­li­chen Tank- oder Con­tai­ner­schiffs wird das dafür not­wen­di­ge Eigen­ka­pi­tal häu­fig von einer Fonds­ge­sell­schaft in der Rechts­form einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft (KG) ein­ge­wor­ben, an der sich Kapi­tal­an­le­ger als Kom­man­di­tis­ten betei­li­gen. Der BFH hat­te im Streit­fall zu beur­tei­len, ob die im Zusam­men­hang mit der Auf­le­gung und Kon­zep­tio­nie­rung des Fonds sowie die mit der Eigen­ka­pi­tal­ver­mitt­lung anfal­len­den Kos­ten der Fonds­ge­sell­schaft den Anschaf­fungs­kos­ten des Schiffs oder den sofort abzugs­fä­hi­gen Betriebs­aus­ga­ben zuzu­ord­nen sind. Für den Kapi­tal­an­le­ger wäre ein sofor­ti­ger Abzug die­ser betrags­mä­ßig durch­aus ins Gewicht fal­len­den Kos­ten steu­er­lich vor­teil­haft, weil ihm dadurch bereits in der Bei­tritts­pha­se ein höhe­rer und mit posi­ti­ven ande­ren Ein­künf­ten aus­gleichs­fä­hi­ger Ver­lust zuge­wie­sen wer­den könn­te.

Die­sen Steu­er­vor­teil hat der BFH mit Urteil vom 14. April 2011 jedoch abge­lehnt und sei­ne restrik­ti­ve, zu Immo­bi­li­en­fonds ent­wi­ckel­te Recht­spre­chung (zuletzt mit Urtei­len vom 8. Mai 2001 IX R 1096 und 28. Juni 2001 IV R 4097) auch auf Schiffs­fonds erstreckt, so Pas­sau.

Danach sind sämt­li­che Auf­wen­dun­gen im Zusam­men­hang mit der Errich­tung des Schiffs­fonds als Anschaf­fungs­kos­ten des Schiffs zu behan­deln. Für die recht­li­che Beur­tei­lung sei auf die Sicht der bei­tre­ten­den Gesell­schaf­ter abzu­stel­len, nach der sämt­li­che Auf­wen­dun­gen aus­schließ­lich im Zusam­men­hang mit dem Erwerb der Betei­li­gung an dem Schiff ste­hen.

Außer­dem hat der BFH zu der Abschrei­bungs­dau­er von hoch­see­taug­li­chen Tank­schif­fen Stel­lung genom­men. Die­se ist in amt­li­chen Tabel­len der Finanz­ver­wal­tung (sog. AfA-Tabel­len) mit zwölf Jah­ren ver­an­schlagt. Grund­sätz­lich folgt die Recht­spre­chung unter dem Gesichts­punkt der Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung und im Hin­blick auf die Gleich­mä­ßig­keit der Besteue­rung die­sen Tabel­len.

Für die hier zu beur­tei­len­de Tan­ker­ge­nera­ti­on von sog. Dop­pel­hül­len­tan­kern wür­de die Anwen­dung der AfA-Tabel­le aber nach Mei­nung des BFH zu einer unzu­tref­fen­den Besteue­rung füh­ren. Die Tabel­le bezie­he sich auf Schiffs­ty­pen, die ab 1973 her­ge­stellt wor­den sei­en; sie sei heu­te ange­sichts der tech­ni­schen Ent­wick­lung nicht mehr zeit­ge­mäß. Aus umfang­rei­chen Erhe­bun­gen, die ins­be­son­de­re von Stel­len der euro­päi­schen Uni­on vor­ge­nom­men wor­den sei­en, las­se sich ent­neh­men, dass die Lebens­dau­er der auf den Welt­mee­ren ver­keh­ren­den Tan­ker­flot­te deut­lich höher als zwölf Jah­re sei. Vor die­sem Hin­ter­grund hat der BFH die Vor­ent­schei­dung bestä­tigt, mit der die Nut­zungs­dau­er des Tank­schiffs auf 17 Jah­re geschätzt wor­den war.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen und/oder steu­er­straf­recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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