(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat mit Urteil vom 2. Sep­tem­ber 2010 VI R 1109 ent­schie­den, dass Auf­wen­dun­gen für eine immun­bio­lo­gi­sche Krebs­ab­wehrthe­ra­pie als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung nach § 33 Abs. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) abge­zo­gen wer­den kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die am 01.12.2010 bekannt gege­be­ne Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 2. Sep­tem­ber 2010 — VI R 1109.

Die Ehe­frau des Klä­gers wur­de wegen einer schwe­ren Krebs­er­kran­kung der Bauch­spei­chel­drü­se ope­riert. Im Anschluss an die Ope­ra­ti­on unter­zog sie sich einer immun­bio­lo­gi­schen Krebs­ab­wehrthe­ra­pie mit Ukrain. Das Prä­pa­rat ist weder in Deutsch­land noch in ande­ren euro­päi­schen Län­dern als Arz­nei­mit­tel zuge­las­sen. Zu der alter­na­ti­ven Krebs­ab­wehrthe­ra­pie hat­te der Haus­arzt, ein Fach­arzt für All­ge­mein­me­di­zin, Chi­ro­the­ra­pie und Natur­heil­ver­fah­ren, gera­ten, da eine kon­ven­tio­nel­le Che­mo­the­ra­pie wegen des geschwäch­ten Gesund­heits­zu­stan­des der Pati­en­tin und einer Tumor­kach­exie nicht mög­lich sei. In ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung mach­ten der Klä­ger und sei­ne spä­ter ver­stor­be­ne Ehe­frau die Behand­lungs­kos­ten in Höhe von 30.000 € als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung im Sin­ne des § 33 Abs. 1 EStG gel­tend. Das Finanz­amt ließ die gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen nicht zum Abzug zu und wur­de dar­in zunächst vom Finanz­ge­richt bestä­tigt.

Auf die Revi­si­on des Klä­gers hat der BFH die Vor­ent­schei­dung auf­ge­ho­ben und die strei­ti­gen Auf­wen­dun­gen zum Abzug zuge­las­sen, so Pas­sau.

Damit hat er in Abkehr von der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung aner­kannt, dass auch Kos­ten für eine objek­tiv nicht zur Hei­lung oder Lin­de­rung geeig­ne­te Behand­lung zwangs­läu­fig erwach­sen kön­nen, wenn eine Erkran­kung mit einer nur noch begrenz­ten Lebens­er­war­tung besteht, die nicht mehr auf eine kura­ti­ve Behand­lung anspricht. Dies gilt nach Auf­fas­sung des BFH selbst dann, wenn sich der Erkrank­te für eine aus schul­me­di­zi­ni­scher oder natur­heil­kund­li­cher Sicht nicht aner­kann­te Heil­me­tho­de ent­schei­det. Nicht die medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit der Maß­nah­me begrün­de in die­sen Fäl­len die tat­säch­li­che Zwangs­läu­fig­keit nach § 33 EStG, son­dern die Aus­weg­lo­sig­keit der Lebens­si­tua­ti­on, die den “Griff nach jedem Stroh­halm” gebie­te. Ihre Gren­ze fin­det die Abzugs­fä­hig­keit von Auf­wen­dun­gen für Außen­sei­ter­me­tho­den nach § 33 EStG aller­dings, wenn die Behand­lung von einer Per­son vor­ge­nom­men wird, die nicht zur Aus­übung der Heil­kun­de zuge­las­sen ist.

Pas­sau emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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