(Kiel) Der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat­te mit Beschluss vom 21. Sep­tem­ber 2009 — GrS 106 — sei­ne Recht­spre­chung zur Beur­tei­lung gemischt (beruf­lich und pri­vat) ver­an­lass­ter Auf­wen­dun­gen geän­dert und des­halb gemischt ver­an­lass­te Auf­wen­dun­gen in grö­ße­rem Umfang als bis­her zum Abzug als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten zuge­las­sen.

Hier­auf, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, hat nun auch kürz­lich das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen (BMF) reagiert und am 06.07.2010 einen ent­spre­chen­den Anwen­dungs­er­lass (Az.: IV C 3 — S 2227÷07÷10003 :002) her­aus­ge­ge­ben.

Nach die­sem BMF-Erlass ist für Auf­wen­dun­gen, die sowohl durch betriebliche/berufliche als auch pri­va­te Grün­de von jeweils nicht unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung ver­an­lasst sind, nach Mög­lich­keit eine Auf­tei­lung der Auf­wen­dun­gen nach Ver­an­las­sungs­bei­trä­gen vor­zu­neh­men. Es ist ein geeig­ne­ter, den Ver­hält­nis­sen im Ein­zel­fall gerecht wer­den­der Auf­tei­lungs­maß­stab zu fin­den. Der Maß­stab muss nach objek­ti­vier­ba­ren — d. h. nach außen hin erkenn­ba­ren und nach­voll­zieh­ba­ren — Kri­te­ri­en ermit­telt und hin­sicht­lich des ihm zugrun­de lie­gen­den Ver­an­las­sungs­bei­trags doku­men­tiert wer­den. 

  • Berech­nung auf­teil­ba­rer gemisch­te Auf­wen­dun­gen

Der betrieblich/beruflich und pri­vat ver­an­lass­te Teil der Auf­wen­dun­gen kann danach bei­spiels­wei­se nach fol­gen­den Kri­te­ri­en ermit­telt wer­den: Zeit-, Men­gen- oder Flä­chen­an­tei­le sowie Auf­tei­lung nach Köp­fen. 

Bei­spiel: 

An der Fei­er zum 30. Fir­men­ju­bi­lä­um des Ein­zel­un­ter­neh­mens Y neh­men 100 Per­so­nen teil (80 Kun­den und Geschäfts­freun­de und 20 pri­va­te Gäs­te des Fir­men­in­ha­bers). Die Gesamt­kos­ten der Fei­er betra­gen 5.000 €, auf Essen und Geträn­ke ent­fal­len 4.000 €.

Auf­grund der Teil­nah­me pri­va­ter Gäs­te han­delt es sich um eine gemischt betrieb­lich und pri­vat ver­an­lass­te Ver­an­stal­tung. Zwar liegt der Anlass der Ver­an­stal­tung im betrieb­li­chen Bereich (Fir­men­ju­bi­lä­um). Die Ein­la­dung der pri­va­ten Gäs­te erfolg­te aller­dings aus­schließ­lich aus pri­va­ten Grün­den, so dass die Kos­ten der Ver­kös­ti­gung und Unter­hal­tung der pri­va­ten Gäs­te als pri­vat ver­an­lasst zu behan­deln sind. Sach­ge­rech­tes objek­ti­vier­ba­res Kri­te­ri­um für eine Auf­tei­lung ist eine Auf­tei­lung nach Köp­fen. 80 Per­so­nen neh­men aus betrieb­li­chen Grün­den an dem Fir­men­ju­bi­lä­um teil, 20 aus pri­va­ten Grün­den. Damit sind 1.000 € (20 % des Gesamt­kos­ten), die antei­lig auf die pri­va­ten Gäs­te ent­fal­len, nicht als Betriebs­aus­ga­ben abzieh­bar. Von den ver­blei­ben­den betrieb­lich ver­an­lass­ten Kos­ten in Höhe von 4.000 € sind unter Berück­sich­ti­gung des § 4 Absatz 5 Satz 1 Num­mer 2 EStG 3.040 € (80 % von 1.000 € + 70 % von 80 % von 4.000 €) als Betriebs­aus­ga­ben abzieh­bar. 

  • Nicht auf­teil­ba­re gemisch­te Auf­wen­dun­gen

Ein Abzug der Auf­wen­dun­gen kommt ins­ge­samt nicht in Betracht, wenn die — für sich gese­hen jeweils nicht unbe­deu­ten­den — betrieblichen/beruflichen und pri­va­ten — Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge so inein­an­der grei­fen, dass eine Tren­nung nicht mög­lich und eine Grund­la­ge für die Schät­zung nicht erkenn­bar ist. Das ist ins­be­son­de­re der Fall, wenn es an objek­ti­vier­ba­ren Kri­te­ri­en für eine Auf­tei­lung fehlt oder der BFH bis­her die Abzieh­bar­keit ande­rer gemisch­ter Auf­wen­dun­gen man­gels objek­ti­ver Auf­tei­lungs­kri­te­ri­en abge­lehnt hat. Auch in die­sen Fäl­len ist wei­ter­hin von der Nicht­ab­zieh­bar­keit aus­zu­ge­hen.

 Beispie­le 

  • Auf­wen­dun­gen für Sicher­heits­maß­nah­men eines Steu­er­pflich­ti­gen zum Schutz von Leben, Gesund­heit, Frei­heit und Ver­mö­gen sei­ner Per­son
  • Auf­wen­dun­gen eines in Deutsch­land leben­den Aus­län­ders für das Erler­nen der deut­schen Spra­che
  • Auf­wen­dun­gen einer Land­ärz­tin für einen Schutz­hund
  • Ein­bür­ge­rungs­kos­ten zum Erwerb der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit
  • Kos­ten für den Erwerb eines Füh­rer­scheins
  • Kos­ten einer über­re­gio­na­len Zei­tung

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
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geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
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