, Beschluss vom 21.11.2019

Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 76 vom 21. Novem­ber 2019

Ein­ge­schränk­te Anwen­dung des ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­sat­zes bei gemein­nüt­zi­gen Ein­rich­tun­gen

Urteil vom 23.7.2019 XI R 2/17

Betreibt ein gemein­nüt­zi­ger Ver­ein neben einer Werk­statt für behin­der­te Men­schen ein der Öffent­lich­keit zugäng­li­ches Bis­tro, in dem auch Men­schen mit Behin­de­rung arbei­ten, unter­lie­gen die Gas­tro­no­mie­um­sät­ze des Bis­tros nicht dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 23.07.2019 – XI R 2/17 ent­schie­den. In der Fol­ge wer­den vie­le gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tun­gen ent­ge­gen der­zeit all­ge­mein geüb­ter Pra­xis prü­fen müs­sen, ob sie für die Umsät­ze ihrer Zweck­be­trie­be wei­ter­hin den ermä­ßig­ten Steu­er­satz anwen­den kön­nen.

Der Klä­ger unter­stützt als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein Men­schen mit Behin­de­rung, die infol­ge ihres kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder see­li­schen Zustands der Hil­fe bedür­fen. Sei­nem Begeh­ren, die im öffent­li­chen Betrieb (Bis­tro und Toi­let­te) erbrach­ten Umsät­ze mit dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz von 7% zu besteu­ern, weil auch behin­der­te Men­schen dort arbei­te­ten, folg­te das Finanz­amt nicht. Die Kla­ge beim Finanz­ge­richt (FG) blieb auf­grund feh­len­der Nach­wei­se erfolg­los.

Dem­ge­gen­über ver­neint der BFH die Steu­er­satz­er­mä­ßi­gung bereits dem Grun­de nach. § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a Satz 3 des Umsatz­steu­er­ge­set­zes (UStG) stellt unter den dort näher bezeich­ne­ten Vor­aus­set­zun­gen dar­auf ab, dass der Zweck­be­trieb ent­we­der nicht in unmit­tel­ba­rem Wett­be­werb mit der Regel­be­steue­rung unter­lie­gen­den Unter­neh­mern tätig ist oder mit des­sen Leis­tun­gen die steu­er­be­güns­tig­ten sat­zungs­mä­ßi­gen Zwe­cke selbst ver­wirk­licht wer­den. Bei der Ent­schei­dung hier­über sind zwin­gen­de Vor­ga­ben des Uni­ons­rechts im Bereich der Mehr­wert­steu­er zu beach­ten. Danach muss es sich um Leis­tun­gen von Ein­rich­tun­gen han­deln, die sowohl gemein­nüt­zig als zusätz­lich auch für wohl­tä­ti­ge Zwe­cke und im Bereich der sozia­len Sicher­heit tätig sind.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen waren im Streit­fall nicht erfüllt. Zum einen war der Klä­ger mit sei­nen Gas­tro­no­mie­um­sät­zen in Wett­be­werb zu ande­ren Unter­neh­mern mit ver­gleich­ba­ren Leis­tun­gen getre­ten. Zum ande­ren dien­ten die Gas­tro­no­mie­um­sät­ze in ers­ter Linie den Zwe­cken der Bistro­be­su­cher und waren daher kei­ne ori­gi­när gemein­nüt­zi­gen Leis­tun­gen. Aller­dings ver­wies der BFH die Sache an das FG zurück, weil nicht ermit­telt wor­den war, ob der ermä­ßig­te Steu­er­satz aus ande­ren Grün­den anzu­wen­den sein könn­te (Abga­be von Spei­sen zur Mit­nah­me).

sie­he auch: Urteil des XI. Senats vom 23.7.2019 — XI R 2/17 -

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