Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 11 vom 27. Febru­ar 2018

Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit von Nach­for­de­rungs­zin­sen im Jahr 2013

Urteil vom 9.11.2017 III R 1016

Die Höhe der Nach­for­de­rungs­zin­sen, die für Ver­zin­sungs­zeit­räu­me des Jah­res 2013 geschul­det wer­den, ver­stößt weder gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz noch gegen das Über­maß­ver­bot, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 9. Novem­ber 2017 III R 1016 ent­schie­den hat. Der BFH hält den hier­für vor­ge­se­he­nen Zins­satz von 0,5 % für jeden Monat (6 % pro Jahr) auch unter Berück­sich­ti­gung der Ent­wick­lung des all­ge­mei­nen Zins­ni­veaus im Jahr 2013 für ver­fas­sungs­ge­mäß. Die Ent­schei­dung des BFH ist zur Ver­zin­sung nach §§ 233a, 238 Abs. 1 der Abga­ben­ord­nung (AO) ergan­gen.

Im Streit­fall gab der Klä­ger die Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für 2011 im Dezem­ber 2012 ab. Er erwar­te­te eine Ein­kom­men­steu­er­nach­zah­lung von 300.000 €, die er auf einem geson­der­ten Bank­kon­to bereit­hielt. Im Juli 2013 erbrach­te der Klä­ger im Hin­blick auf die dro­hen­de Nach­zah­lung eine frei­wil­li­ge Zah­lung in Höhe von 366.400 € an das Finanz­amt (FA). Aus dem im Sep­tem­ber 2013 ergan­gen Ein­kom­men­steu­er­be­scheid ergab sich ein Nach­for­de­rungs­be­trag von ca. 390.000 €. Hier­für setz­te das FA Nach­zah­lungs­zin­sen von 0,5 % monat­lich fest, die sich für den Zins­zeit­raum April 2013 bis Sep­tem­ber 2013 auf ca. 11.000 € belie­fen. Dem Antrag des Klä­gers, die Zin­sen zu erlas­sen, ent­sprach das FA nur inso­weit, als es wegen der im Juli 2013 erfolg­ten frei­wil­li­gen Zah­lung einen Erlass der Zin­sen für August und Sep­tem­ber 2013 aus­sprach.

In sei­nem Urteil bejaht der BFH die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der gel­ten­den Zins­re­ge­lung, so dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht vor­lie­gen.

Der BFH konn­te kei­nen Ver­stoß gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes) erken­nen. Die Unter­schei­dung zwi­schen zins­zah­lungs­pflich­ti­gen und nicht zins­zah­lungs­pflich­ti­gen Steu­er­schuld­nern beruht auf der zuläs­si­gen typi­sie­ren­den Annah­me, dass die zu unter­schied­li­chen Zeit­punk­ten erfol­gen­den Steu­er­fest­set­zun­gen zu poten­ti­el­len Zins­vor- oder -nach­tei­len füh­ren kön­nen. Auch hin­sicht­lich der Zins­hö­he ver­neint der BFH einen Gleich­heits­ver­stoß. Denn inner­halb der Grup­pe der zins­pflich­ti­gen Steu­er­pflich­ti­gen wird bei allen Betrof­fe­nen der glei­che Zins­satz zugrun­de gelegt.

Nach dem Urteil des BFH ist die Zins­hö­he auch nicht wegen eines Ver­sto­ßes gegen den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz ver­fas­sungs­wid­rig. Da mit den Nach­zah­lungs­zin­sen poten­ti­el­le Liqui­di­täts­vor­tei­le abge­schöpft wer­den sol­len, hielt der BFH eine umfas­sen­de Betrach­tung der Anla­ge- und Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten der Steu­er­pflich­ti­gen für erfor­der­lich. Auf der Grund­la­ge von Daten der Deut­schen Bun­des­bank unter­such­te der BFH die Zins­sät­ze für ver­schie­de­ne kurz- und lang­fris­ti­ge Ein­la­gen und Kre­di­te. Hier­bei erga­ben sich für 2013 Zins­sät­ze, die sich in einer Band­brei­te von 0,15 % bis 14,70 % beweg­ten. Obwohl der Leit­zins der Euro­päi­schen Zen­tral­bank bereits seit 2011 auf unter 1 % gefal­len war, konn­te somit nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass der gesetz­li­che Zins­satz die Band­brei­te rea­li­täts­na­her Refe­renz­wer­te ver­las­sen hat.

Schließ­lich ver­nein­te der BFH auch einen Anspruch auf einen Erlass der Zin­sen. Es kom­me nicht auf die Ursa­chen einer spä­ten oder ver­zö­ger­ten Steu­er­fest­set­zung an.

sie­he auch: Urteil des III. Senats vom 9.11.2017 — III R 1016 -

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