Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hof, Nr. 48/2021, vom 04.03.2021

Urteil zu töd­li­chem Stoß auf Ber­li­ner U‑Bahn-Gleis aufgehoben 

Urteil vom 4. März 2021 – 5 StR 509/20

Das Land­ge­richt Ber­lin hat den Ange­klag­ten wegen ver­such­ter Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge zu einer Frei­heits­stra­fe von vier Jah­ren und drei Mona­ten ver­ur­teilt und dane­ben sei­ne Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt ange­ord­net. Wäh­rend die hier­ge­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der Staats­an­walt­schaft und der Neben­klä­ge­rin Erfolg haben, ist die Revi­si­on des Ange­klag­ten als unbe­grün­det ver­wor­fen worden. 

Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts kam es in der Nacht zum 30. Okto­ber 2019 auf dem Bahn­steig eines Ber­li­ner U‑Bahnhofs zwi­schen meh­re­ren Per­so­nen aus der Betäu­bungs­mit­tel­sze­ne zu einem Streit, an dem sich auch der unter dem Ein­fluss von Dro­gen und Alko­hol ste­hen­de Ange­klag­te und das spä­te­re Tat­op­fer betei­lig­ten. Als die­ses sich vom Ort der Aus­ein­an­der­set­zung ent­fern­te, folg­te ihm der Ange­klag­te und stieß es aus vol­lem Lauf mit einer sol­chen Wucht gegen den Rücken, dass es über die Bahn­steig­kan­te in das Gleis­bett stürz­te. In dem Moment des Sto­ßes fuhr auf dem Gleis eine U‑Bahn ein und erfass­te das Opfer, das töd­lich ver­letzt wur­de. Die Schwur­ge­richts­kam­mer konn­te weder fest­stel­len, dass der Ange­klag­te das Ein­fah­ren der Bahn wahr­ge­nom­men habe, noch, dass er hin­sicht­lich einer töd­li­chen Ver­let­zung sei­nes Opfers vor­sätz­lich gehan­delt habe. Er habe die­se Fol­ge aber vor­her­se­hen können. 

Der in Leip­zig ansäs­si­ge 5. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat das Urteil auf­ge­ho­ben. Die Begrün­dung des Schwur­ge­richts, mit der es einen Tötungs­vor­satz des Ange­klag­ten ablehn­te, hat revi­si­ons­recht­li­cher Prü­fung nicht stand­ge­hal­ten. Nach Ansicht des Senats hat sich das Land­ge­richt unzu­rei­chend damit aus­ein­an­der­ge­setzt, wel­che Vor­stel­lung der Ange­klag­te über eine mög­li­che Ret­tung sei­nes Opfers hatte. 

Die Sache bedarf des­halb neu­er Ver­hand­lung und Entscheidung. 

Vor­in­stanz:
LG Ber­lin — Urteil vom 29. Mai 2020 – (522 Ks) 234 Js 270/19 (1÷20)

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