Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 12 vom 06. 2019

Vor­steu­er­ab­zug beim Anla­ge­be­trug mit nicht exis­tie­ren­den Block­heiz­kraft­wer­ken

Urteil vom 5.12.2018 XI R 4414

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat durch Urteil vom 5. Dezem­ber 2018 XI R 4414 ent­schie­den, dass der Vor­steu­er­ab­zug aus einer geleis­te­ten Vor­aus­zah­lung dem Erwer­ber eines (spä­ter nicht gelie­fer­ten) Block­heiz­kraft­werks nicht zu ver­sa­gen ist, wenn zum Zeit­punkt der Zah­lung die Lie­fe­rung als sicher erschien. Erfor­der­lich ist hier­für, dass alle maß­geb­li­chen Ele­men­te der zukünf­ti­gen Lie­fe­rung als ihm bekannt ange­se­hen wer­den konn­ten und anhand objek­ti­ver Umstän­de nicht erwie­sen ist, dass er zu die­sem Zeit­punkt wuss­te oder ver­nünf­ti­ger­wei­se hät­te wis­sen müs­sen, dass die Bewir­kung die­ser Lie­fe­rung unsi­cher war.

Der Klä­ger hat­te für den Erwerb eines Block­heiz­kraft­werks den Kauf­preis an eine Ver­käu­fe­rin (A-GmbH) im Vor­aus gezahlt. Zur Lie­fe­rung, Ver­pach­tung und zum Betrieb des Block­heiz­kraft­werks kam es –wie auch in zahl­rei­chen ande­ren Fäl­len– nicht. Die Ver­ant­wort­li­chen der A-Fir­men­grup­pe hat­ten tat­säch­lich nie­mals beab­sich­tigt, die Block­heiz­kraft­wer­ke zu lie­fern. Sie hat­ten viel­mehr ein betrü­ge­ri­sches „Schnee­ball­sys­tem“ auf­ge­baut und wur­den hier­für spä­ter straf­recht­lich ver­ur­teilt. Die von der A-GmbH ver­meint­lich als monat­li­che Pacht an den Käu­fer getä­tig­ten Zah­lun­gen zzgl. Umsatz­steu­er mel­de­te der Klä­ger an und führ­te die Umsatz­steu­er an das Finanz­amt (FA) ab. Kur­ze Zeit spä­ter wur­de die A-GmbH insol­vent.

Das FA ließ den vom Klä­ger gel­tend gemach­ten Vor­steu­er­ab­zug aus der geleis­te­ten Kauf­preis­zah­lung nicht zu. Das Finanz­ge­richt gab der Kla­ge statt. Der BFH, der im Revi­si­ons­ver­fah­ren Zwei­fel an der zutref­fen­den Aus­le­gung der ein­schlä­gi­gen euro­päi­schen Mehr­wert­steu­er­sys­tem­richt­li­nie hat­te, leg­te dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor.

Nach dem Erge­hen des EuGH-Urteils „Kollroß“ vom 31. Mai 2018 C-660/16 wies der BFH die Revi­si­on des FA nun als unbe­grün­det zurück. Dem Klä­ger steht als Unter­neh­mer der strei­ti­ge Vor­steu­er­ab­zug zu. Zum Zeit­punkt sei­ner Zah­lung erschien die ver­spro­che­ne Lie­fe­rung als sicher, weil alle maß­geb­li­chen Ele­men­te der zukünf­ti­gen Lie­fe­rung als dem Klä­ger bekannt ange­se­hen wer­den konn­ten, und er zu die­sem Zeit­punkt weder wuss­te oder ver­nünf­ti­ger­wei­se hät­te wis­sen müs­sen, dass die Bewir­kung die­ser Lie­fe­rung unsi­cher war. Schließ­lich hat der Klä­ger den Vor­steu­er­ab­zug auch nicht (nach­träg­lich) zu berich­ti­gen, da die A-GmbH den von ihm geleis­te­ten Kauf­preis nicht zurück­ge­zahlt hat. Die Vor­steu­er­be­rich­ti­gung ist offen­kun­dig unan­ge­mes­sen und daher aus­ge­schlos­sen, wenn ein Erwer­ber nach einer Berich­ti­gung von der Steu­er­be­hör­de die Erstat­tung der auf eine der­ar­ti­ge Berich­ti­gung ent­fal­len­den Steu­er bean­spru­chen könn­te.

Ent­spre­chen­de Ent­schei­dun­gen ergin­gen in den Par­al­lel­ver­fah­ren XI R 814 und XI R 1016. Zur Ein­kom­men­steu­er hat­te der BFH hin­sicht­lich des die A-GmbH betref­fen­den Anla­ge­be­trugs mit Block­heiz­kraft­wer­ken im sog. Ver­wal­tungs­ver­trags­mo­dell bereits mit Urteil vom 7. Febru­ar 2018 X R 1016 ent­schie­den, dass der Ver­lust des Kapi­tals bei den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb zu berück­sich­ti­gen sein kann (Pres­se­mit­tei­lung Nr. 24 vom 14. Mai 2018).

sie­he auch: Urteil des XI. Senats vom 5.12.2018 — XI R 1016 -, Urteil des XI. Senats vom 5.12.2018 — XI R 4414 -, Urteil des XI. Senats vom 5.12.2018 — XI R 814 -, Urteil des X. Senats vom 7.2.2018 — X R 1016 -, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 2418 vom 14.5.2018, Beschluss (EuGH-Vor­la­ge) des XI. Senats vom 21.9.2016 — XI R 4414

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