(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben ent­ge­gen sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ent­schie­den, dass sich Sport­ver­ei­ne gegen­über einer aus dem natio­na­len Recht fol­gen­den Umsatz­steu­er­pflicht nicht auf eine all­ge­mei­ne, aus der Mehr­wert­steu­er­sys­tem­richt­li­nie (MwSt­Sys­tRL) abge­lei­te­te Steu­er­frei­heit beru­fen können.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 12.05.2022 zu sei­nem Urteil vom 21.04.2022 — V R 48/20 (V R 20/17).

Die Ent­schei­dung des BFH betrifft unmit­tel­bar nur Leis­tun­gen, die Sport­ver­ei­ne gegen geson­der­te Ver­gü­tung erbrin­gen. Sie ist aber für die Umsatz­be­steue­rung im Sport­be­reich von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung. Dies beruht dar­auf, dass nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) und des BFH Leis­tun­gen, die Sport­ver­ei­ne an ihre Mit­glie­der gegen all­ge­mei­ne Mit­glieds­bei­trä­ge erbrin­gen, ent­ge­gen der Ver­wal­tungs­pra­xis wei­ter­hin steu­er­bar sind, so dass es durch die nun­mehr ver­sag­te Steu­er­be­frei­ung zu einer Umsatz­steu­er­pflicht kommt. Sport­ver­ei­ne müs­sen jetzt also damit rech­nen, dass die Recht­spre­chung ihre Leis­tun­gen auch inso­weit als umsatz­steu­er­pflich­tig ansieht, als sie der­ar­ti­ge Leis­tun­gen an ihre Mit­glie­der erbrin­gen und es sich dabei nicht um eine sport­li­che Ver­an­stal­tung i.S. von § 4 Nr. 22 Buchst. b des Umsatz­steu­er­ge­set­zes (UStG) han­delt. Dies spricht der BFH in sei­nem Urteil aus­drück­lich an.

Die­se Pro­ble­ma­tik dürf­te sich nur gesetz­ge­be­risch dadurch lösen las­sen, dass der natio­na­le Gesetz­ge­ber die nach der Richt­li­nie bestehen­de Mög­lich­keit ergreift, Leis­tun­gen im Bereich des Sports wei­ter­ge­hend als bis­her von der Umsatz­steu­er zu befrei­en. Dies wird in der Fach­welt seit zwei Jahr­zehn­ten dis­ku­tiert, ohne dass der natio­na­le Gesetz­ge­ber der­ar­ti­ge Über­le­gun­gen bis­lang auf­ge­grif­fen hat.

In dem vom BFH jetzt ent­schie­de­nen Streit­fall ging es um einen Golf­ver­ein, der nicht nur von sei­nen Mit­glie­dern durch all­ge­mei­ne Mit­glieds­bei­trä­ge aus Sicht der Finanz­ver­wal­tung nicht steu­er­bar ver­gü­tet wur­de, son­dern der dar­über hin­aus eine Rei­he von Leis­tun­gen gegen geson­der­tes Ent­gelt erbrach­te. Dabei han­del­te es sich um die Berech­ti­gung zur Nut­zung des Golf­spiel­plat­zes, die leih­wei­se Über­las­sung von Golf­bäl­len für das Abschlags­trai­ning mit­tels eines Ball­au­to­ma­ten, die Durch­füh­rung von Golf­tur­nie­ren und Ver­an­stal­tun­gen, bei denen der Klä­ger Start­gel­der für die Teil­nah­me ver­ein­nahm­te, die miet­wei­se Über­las­sung von Cad­dys und um den Ver­kauf eines Golfschlägers.

Das Finanz­amt (FA) sah die­se geson­dert ver­gü­te­ten Leis­tun­gen als steu­er­bar und umsatz­steu­er­pflich­tig an. Die dem Grun­de nach mög­li­che Steu­er­frei­heit nach § 4 Nr. 22 Buchst. b UStG für den Ver­an­stal­tungs­be­reich ver­sag­te das FA, da es den Golf­ver­ein nicht als gemein­nüt­zig ansah, was es ins­be­son­de­re damit begrün­de­te, dass es an einer hin­rei­chen­den Ver­mö­gens­zweck­bin­dung für den Fall der Ver­eins­auf­lö­sung fehlte.

Das Finanz­ge­richt (FG) gab der hier­ge­gen ein­ge­leg­ten Kla­ge statt, da es nach Maß­ga­be der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des BFH davon aus­ging, dass sich der Golf­ver­ein auf eine wei­ter gefass­te Steu­er­frei­heit nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. m MwSt­Sys­tRL beru­fen könne.

Da dies­be­züg­lich Zwei­fel auf­ge­tre­ten waren, rief der BFH im Revi­si­ons­ver­fah­ren den EuGH an. Die­ser ent­schied, dass eine Beru­fung auf die Steu­er­frei­heit nach der MwSt­Sys­tRL nicht mög­lich sei.

Dem hat sich der BFH jetzt unter Auf­ga­be sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ange­schlos­sen. Danach war das Urteil des FG auf­zu­he­ben und die Kla­ge abzu­wei­sen. Dies gilt auch für die eigent­lich unter § 4 Nr. 22 Buchst. b UStG fal­len­de Durch­füh­rung von Golf­tur­nie­ren und Ver­an­stal­tun­gen, bei denen der Klä­ger Start­gel­der für die Teil­nah­me ver­ein­nahm­te. Denn der EuGH hat­te ergän­zend ent­schie­den, dass die Steu­er­frei­heit im Sport­be­reich vor­aus­setzt, dass das Ver­eins­ver­mö­gen im Auf­lö­sungs­fall nur zweck­ge­bun­den ver­teilt wer­den kann, wor­an es im Streit­fall fehlte.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – verwies.

 

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