, Beschluss vom 04.07.2019

Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 39 vom 04. Juli 2019

Ver­spä­tungs­geld für nicht frist­ge­recht über­mit­tel­te Ren­ten­be­zugs­mit­tei­lun­gen recht­mä­ßig

Urteil vom 20.2.2019 X R 28/17

Die Erhe­bung von Ver­spä­tungs­gel­dern für nicht frist­ge­recht über­mit­tel­te Ren­ten­be­zugs­mit­tei­lun­gen ist ver­fas­sungs­ge­mäß und ver­stößt ins­be­son­de­re nicht gegen den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 20.02.2019 X R 28/17 ent­schie­den.

Die Trä­ger der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung wie z.B. auch die berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­wer­ke oder Pen­si­ons­kas­sen müs­sen der Zen­tra­len Zula­gen­stel­le für Alters­ver­mö­gen (ZfA) bei der Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund bis Ende Febru­ar des Fol­ge­jah­res auf elek­tro­ni­schem Wege mit­tei­len, wel­che Leis­tun­gen, vor allem Ren­ten, sie an den jewei­li­gen Ver­si­cher­ten aus­ge­zahlt haben. Erfolgt dies nicht frist­ge­mäß, wird gemäß § 22a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) ein gesetz­lich fest­ge­leg­tes Ver­spä­tungs­geld in Höhe von 10 € je ange­fan­ge­nen Monat für jede ver­spä­te­te Ren­ten­be­zugs­mit­tei­lung –maxi­mal pro Ver­an­la­gungs­zeit­raum 50.000 €– erho­ben. Hier­von ist abzu­se­hen, wenn der Mit­tei­lungs­pflich­ti­ge die Ver­spä­tung nicht zu ver­tre­ten hat. Mit dem 2010 ein­ge­führ­ten Ver­spä­tungs­geld sol­len die Ver­si­che­rungs- und Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men ange­hal­ten wer­den, ihre Daten so recht­zei­tig zu über­mit­teln, dass die Finanz­ver­wal­tung sie im Besteue­rungs­ver­fah­ren der Ren­ten­emp­fän­ger berück­sich­ti­gen kann.

Nach dem Urteil des BFH ver­stößt das Ver­spä­tungs­geld nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht. Die ZfA kön­ne im Wege einer sog. Organ­lei­he für das eigent­lich zustän­di­ge Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern tätig wer­den. Es lie­ge auch kein Ver­stoß gegen den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit vor. Auch wenn den mit­tei­lungs­pflich­ten Stel­len erheb­li­che Anstren­gun­gen abver­langt wür­den, um die Besteue­rung Drit­ter, näm­lich der Ren­ten­emp­fän­ger, sicher­zu­stel­len, habe der Gesetz­ge­ber ihnen die Mit­tei­lungs­pflicht auf­er­le­gen dür­fen. Dadurch wer­de zum einen eine gleich­mä­ßi­ge Besteue­rung gesi­chert und zum ande­ren die Digi­ta­li­sie­rung des Besteue­rungs­ver­fah­rens ermög­licht. Wer­de gegen einen Mit­tei­lungs­pflich­ti­gen aus­schließ­lich ein Ver­spä­tungs­geld, nicht aber –-wie bis­lang ohne­hin noch in kei­nem Fall gesche­hen– zusätz­lich eine Geld­bu­ße nach § 50f EStG erho­ben, kön­ne auch kei­ne Dop­pel­be­stra­fung vor­lie­gen.

Obwohl der BFH somit die Erhe­bung von Ver­spä­tungs­gel­dern dem Grun­de nach als recht­mä­ßig ansah, hob der BFH das ange­grif­fe­ne Urteil des für das Ver­spä­tungs­geld allein zustän­di­gen Finanz­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg (FG) auf und ver­wies die Sache an die Vor­in­stanz zurück. Denn im Streit­fall fehl­ten die Ren­ten­be­zugs­mit­tei­lun­gen nicht voll­stän­dig, son­dern waren nur im Hin­blick auf ein­zel­ne Anga­ben feh­ler­haft. Das FG hat nun­mehr ins­be­son­de­re zu klä­ren, ob die inner­halb der Frist feh­ler­haft ein­ge­reich­ten Ren­ten­be­zugs­mit­tei­lun­gen als unter­blie­be­ne Mit­tei­lung anzu­se­hen sind.

In zwei Par­al­lel­ver­fah­ren X R 29/16 und X R 32/17, denen neben die­sen Grund­satz­fra­gen wei­te­re Streit­punk­te zugrun­de lagen, hob der BFH mit Urtei­len vom glei­chen Tag eben­falls die finanz­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen auf und ver­pflich­te­te das FG zu einer wei­te­ren Sach­auf­klä­rung.

sie­he auch: Urteil des X. Senats vom 20.2.2019 — X R 28/17 -, Urteil des X. Senats vom 20.2.2019 — X R 29/16 -, Urteil des X. Senats vom 20.2.2019 — X R 32/17 -

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