(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat ent­schie­den, dass Bei­trä­ge zur Alters­vor­sor­ge sowie zu einer Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung auch bei steu­er­frei­en Gehäl­tern und Ren­ten aus dem EU-Aus­land als Son­der­aus­ga­ben absetz­bar sind, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge für die jewei­li­ge Ver­si­che­rung im Aus­land kei­ne steu­er­li­che Ent­las­tung erhält.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unte Hin­weis auf die die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 2.09.2021 zu sei­nen Urtei­len­vom 28.10.2021 — Az.  X R 11/20 und X R 28/20.

Im Ver­fah­ren X R 11/20 hat­te ein in Deutsch­land leben­der Rent­ner geklagt, der sei­ner­zeit in Luxem­burg als Arbeit­neh­mer beschäf­tigt gewe­sen war und seit sei­nem Ruhe­stand eine gesetz­li­che Alters­ren­te aus Luxem­burg bezieht, die dort besteu­ert wird. Nach luxem­bur­gi­schem Ein­kom­men­steu­er­recht sind zwar Ren­ten- und Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge absetz­bar, nicht aber –anders als in Deutsch­land– Bei­trä­ge zur Pfle­ge­ver­si­che­rung. Den des­halb vom Klä­ger bei der Besteue­rung sei­ner Inlands­ein­künf­te begehr­ten Son­der­aus­ga­ben­ab­zug für die Pfle­ge­ver­si­che­rung lehn­te das Finanz­amt ab, da die Bei­trä­ge im Zusam­men­hang mit im Inland steu­er­frei­en Ein­nah­men stün­den und § 10 Abs. 2 Nr. 1 EStG eine Berück­sich­ti­gung der Bei­trä­ge nicht erlaube.

Die Kla­ge hat­te Erfolg.

Der BFH bestä­tig­te die Auf­fas­sung der Vor­in­stanz. Die Vor­aus­set­zun­gen der im Jahr 2018 ein­ge­führ­ten Aus­nah­me­re­gel vom Ver­bot des Abzugs von Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen bei steu­er­frei­en Ein­nah­men ins­be­son­de­re aus dem EU-Aus­land (§ 10 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Halb­satz 2 EStG) lägen vor. So sei­en nicht nur –wie vom Geset­zes­wort­laut vor­ge­se­hen– aus­län­di­sche Löh­ne und Gehäl­ter begüns­tigt, son­dern zur Wah­rung der Grund­frei­heit auf Arbeit­neh­mer­frei­zü­gig­keit eben­so Ren­ten eines vor­mals im EU-Aus­land beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mers. Soweit ein inlän­di­scher Son­der­aus­ga­ben­ab­zug auch davon abhängt, dass der (ehe­ma­li­ge) Beschäf­ti­gungs­staat –hier Luxem­burg– “kei­ner­lei steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung” zulässt, ver­bie­tet sich nach Ansicht des BFH eine Zusam­men­fas­sung sämt­li­cher gezahl­ter Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen. Viel­mehr sei die jewei­li­ge Ver­si­che­rungs­spar­te für sich zu beurteilen.

In sei­ner wei­te­ren Ent­schei­dung im Ver­fah­ren X R 28/20 hat der BFH zudem klar­ge­stellt, dass Bei­trä­ge zu einer bestimm­ten Ver­si­che­rungs­spar­te, die bereits im Rah­men der Besteue­rung im aus­län­di­schen Beschäf­ti­gungs­staat zum Abzug zuge­las­sen sind, nicht noch­mals in Deutsch­land steu­er­min­dernd berück­sich­tigt wer­den kön­nen. Ein sol­cher “dou­ble dip” kön­ne weder nach natio­na­lem Recht noch nach Maß­ga­be uni­ons­recht­li­cher Grund­frei­hei­ten ein­ge­for­dert werden.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – verwies.

 

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