(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben ent­schie­den, dass der sog. Sanie­rungs­er­lass des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen (BMF), durch den Sanie­rungs­ge­win­ne steu­er­lich begüns­tigt wer­den soll­ten, für die Ver­gan­gen­heit nicht ange­wen­det wer­den darf.

Dar­auf ver­weist Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung (BFH) vom 25.10.2017 zu sei­nen Urtei­len vom 23. August 2017 — I R 5214 und X R 3815.

Der Gro­ße Senat des BFH hat­te den sog. Sanie­rungs­er­lass mit Beschluss vom 28. Novem­ber 2016 GrS 115 ver­wor­fen, weil er gegen den Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung ver­stößt (s. Pres­se­mit­tei­lung Nr. 1017 vom 7. Febru­ar 2017). Das BMF hat die Finanz­äm­ter dar­auf­hin ange­wie­sen, den sog. Sanie­rungs­er­lass in allen Fäl­len, in denen die an der Sanie­rung betei­lig­ten Gläu­bi­ger bis (ein­schließ­lich) 8. Febru­ar 2017 (Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung des Beschlus­ses des Gro­ßen Senats des BFH) end­gül­tig auf ihre For­de­run­gen ver­zich­tet haben, gleich­wohl wei­ter­hin unein­ge­schränkt anzu­wen­den (Schrei­ben vom 27. April 2017, BSt­Bl I 2017, 741).

Der BFH hat nun ent­schie­den, dass die­se Anord­nung des BMF in glei­cher Wei­se gegen den Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung ver­stößt wie der sog. Sanie­rungs­er­lass selbst. Eine sol­che Rege­lung hät­te nach Auf­fas­sung des BFH nur der Gesetz­ge­ber tref­fen kön­nen.

In den bei­den Urtei­len zugrun­de lie­gen­den Ver­fah­ren hat­ten die Klä­ger mit den jewei­li­gen Finanz­äm­tern dar­über gestrit­ten, ob in ihren Fäl­len die Vor­aus­set­zun­gen für einen Steu­er­erlass vor­lie­gen. Auf die­se Fra­ge ging der BFH in den Revi­si­ons­ur­tei­len nicht ein. Da die Anord­nung des BMF gegen den Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung ver­stößt, dür­fen Gerich­te den sog. Sanie­rungs­er­lass auch in Alt­fäl­len nicht anwen­den.

Mit dem Gesetz gegen schäd­li­che Steu­er­prak­ti­ken im Zusam­men­hang mit Rech­te­über­las­sun­gen vom 27. Juni 2017 (BGBl I 2017, 2074, BSt­Bl I 2017, 1202) sind inzwi­schen antrags­ge­bun­de­ne Steu­er­be­frei­ungs­tat­be­stän­de für Sanie­rungs­ge­win­ne geschaf­fen wor­den (§ 3a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes und § 7b des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes). Die­se Bestim­mun­gen fin­den auf Alt­fäl­le kei­ne Anwen­dung.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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