(Kiel) Kos­ten eines Zivil­pro­zes­ses, mit dem der Steu­er­pflich­ti­ge Schmer­zens­geld wegen eines ärzt­li­chen Behand­lungs­feh­lers gel­tend macht, sind kei­ne außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tun­gen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 6.04.2016 zu sei­nem Urteil vom 17. Dezem­ber 2015 —  VI R 714.

Ent­spre­chend einer lang­jäh­ri­gen Recht­spre­chung, zu der der BFH in 2015 zurück­ge­kehrt ist (BFH-Urteil vom 18. Juni 2015 VI R 17/14, BFHE 250, 153, BSt­Bl II 2015, 800), kön­nen Zivil­pro­zess­kos­ten grund­sätz­lich nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen abge­zo­gen wer­den. Zwar kann sich ein Steu­er­pflich­ti­ger nach einem ver­lo­re­nen Zivil­pro­zess der Zah­lung der Pro­zess­kos­ten aus recht­li­chen Grün­den nicht ent­zie­hen. Dies reicht für den Abzug der Pro­zess­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung aber nicht aus. Denn hin­sicht­lich der Zwangs­läu­fig­keit i.S. von § 33 EStG ist auf die wesent­li­che Ursa­che abzu­stel­len, die zu der Auf­wen­dung geführt hat. Zivil­pro­zess­kos­ten sind folg­lich nur dann als zwangs­läu­fig anzu­se­hen, wenn auch das die Pro­zess­füh­rung aus­lö­sen­de Ereig­nis zwangs­läu­fig war. Denn es sol­len nur zwangs­läu­fi­ge Mehr­auf­wen­dun­gen für den exis­tenz­not­wen­di­gen Grund­be­darf steu­er­min­dernd berück­sich­tigt wer­den.

Hier­zu gehö­ren Zivil­pro­zess­kos­ten in der Regel nicht. Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn –wie im Urteils­fall– Ansprü­che wegen imma­te­ri­el­ler Schä­den gel­tend gemacht wer­den. Zivil­pro­zess­kos­ten sind viel­mehr nur inso­weit abzieh­bar, als der Pro­zess exis­ten­zi­ell wich­ti­ge Berei­che oder den Kern­be­reich mensch­li­chen Lebens berührt und der Steu­er­pflich­ti­ge gezwun­gen ist, einen Zivil­pro­zess zu füh­ren.

Nicht zu ent­schei­den hat­te der BFH über die ab 2013 gel­ten­de Neu­re­ge­lung in § 33 Abs. 2 Satz 4 EStG. Berück­sich­tigt wer­den hier­nach nur noch sol­che Auf­wen­dun­gen, ohne die der Steu­er­pflich­ti­ge Gefahr lie­fe, sei­ne Exis­tenz­grund­la­ge zu ver­lie­ren und sei­ne lebens­not­wen­di­gen Bedürf­nis­se in dem übli­chen Rah­men nicht mehr befrie­di­gen zu kön­nen. Offen ist dabei, ob hier­durch die Vor­aus­set­zun­gen für die Aner­ken­nung von Pro­zess­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen enger gefasst wor­den sind.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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