(Kiel) Erlei­det ein Steu­er­pflich­ti­ger auf dem Weg zwi­schen Woh­nung und ers­ter Tätig­keits­stät­te einen Unfall, kann er die durch den Unfall ver­ur­sach­ten Krank­heits­kos­ten als Wer­bungs­kos­ten abzie­hen. Sol­che Krank­heits­kos­ten wer­den nicht von der Abgel­tungs­wir­kung der Ent­fer­nungs­pau­scha­le erfasst, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) ent­schie­den hat.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Pres­se­mit­te­lung des BFH vom 26.03.2020 zu sei­nem Urteil vom 19.12.2019 — VI R 8/18.

Im Streit­fall erlitt die Klä­ge­rin durch einen Ver­kehrs­un­fall auf dem Weg von ihrer ers­ten Tätig­keits­stät­te nach Hau­se erheb­li­che Ver­let­zun­gen. Sie mach­te die hier­durch ver­ur­sach­ten Krank­heits­kos­ten, soweit sie nicht von der Berufs­ge­nos­sen­schaft über­nom­men wur­den, als Wer­bungs­kos­ten bei ihren Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit gel­tend. Finanz­amt und Finanz­ge­richt lie­ßen den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug nicht zu.

Der BFH erkann­te die unfall­be­ding­ten Krank­heits­kos­ten hin­ge­gen als Wer­bungs­kos­ten an. Zwar sind durch die Ent­fer­nungs­pau­scha­le grund­sätz­lich sämt­li­che fahr­zeug- und weg­stre­cken­be­zo­ge­ne Auf­wen­dun­gen abge­gol­ten, die durch die Wege zwi­schen Woh­nung und ers­ter Tätig­keits­stät­te ver­an­lasst sind. Dies gilt auch für Unfall­kos­ten, soweit es sich um ech­te Wege­kos­ten han­delt (z.B. Repa­ra­tur­auf­wen­dun­gen). Ande­re Auf­wen­dun­gen, ins­be­son­de­re Auf­wen­dun­gen in Zusam­men­hang mit der Besei­ti­gung oder Lin­de­rung von Kör­per­schä­den, die durch einen Wege­un­fall zwi­schen Woh­nung und ers­ter Tätig­keits­stät­te ein­ge­tre­ten sind, wer­den von der Abgel­tungs­wir­kung dage­gen nicht erfasst. Sol­che beruf­lich ver­an­lass­ten Krank­heits­kos­ten kön­nen daher neben der Ent­fer­nungs­pau­scha­le als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
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